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Petition: deutsches Mobbing-Strafgesetz

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Wir wurden gebeten folgenden Text im Forum zu publizieren:



An alle Bundestagsparteien: Für ein deutsches Mobbing-Strafgesetz

Petition by Maja Hellen


Germany

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im Grundgesetz - doch etwa 1,7 Millionen ArbeitnehmerInnen sind in Deutschland pro Jahr von Mobbing betroffen, schätzte das Bundesamt für Arbeitsschutz 2002 (1). Fachleute schätzen, dass in Deutschland jährlich etwa 1000 Mobbingopfer in den Tod gehen (3) - das sind mehr als die Drogentoten.

Anti-Mobbing-Strafgesetze haben bereits Frankreich, Serbien, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, Belgien, die Niederlande und die Schweiz.

Unser deutsches Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG, 2006) hilft bei Mobbing kaum. Auch BetrVG, BGB, StGB, Arbeitsschutzgesetz und Beschäftigungsgesetz werden der Sache nicht gerecht, da Richter diese meist nicht insgesamt sehen und anwenden. Körperverletzung durch psychische Gewalt darf nicht weiter als Privatklage abgeschoben werden. Arbeitsrechtler Wolmerath 2012: „Wegen Mobbing zu klagen, davon rate ich grundsätzlich ab!“ (2). Das muss sich ändern, ein Mobbing-Strafgesetz mit Beweislastumkehr muss her und Gerichte müssen selbst ermitteln. Denn Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine kriminelle Handlung.

In Frankreich drohen bis zu einem Jahr Gefängnis und bis zu 15 250 € Geldbuße. Dort sind Gerichte verpflichtet, den Mobbingsachverhalt bei hinreichenden Anhaltspunkten selbst zu ermitteln.
In Serbien wurde bei Erstellen des Mobbingstrafgesetzes 2011 besonders auf allgemeine Lesbarkeit geachtet, so dass jede/r es gut nutzen kann.

Mobbingopfer werden isoliert und ziehen sich dann selbst zurück: Für Außenstehende klingen ihre Berichte unglaublich, weil die meisten Menschen nie wie Mobber handeln würden. Nur Fachleute erkennen die Symptome. Am Ende kündigt das Opfer meist oder wird gekündigt oder ist zumindest krank. Selten erreicht es eine neue adäquate Anstellung (2). 2,3 Milliarden € jährlich kosten deutsche Unternehmen allein die Fehltage durch Mobbing (2). Hinzu kommen die Kosten der Krankenkassen sowie Erwerbsunfähigkeitsrenten – ein gewaltiger volkswirtschaftlicher Schaden!

Einige Stadtverwaltungen und Firmen haben Betriebsvereinbarungen über partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz abgeschlossen - ein kleiner Anfang.

Richter und Vorgesetzte müssen dringend über Mobbing geschult werden. Arbeitgeber müssen die erforderlichen Mittel ergreifen, um Mobbingopfer vor weiteren Angriffen zu schützen. Kostenlose Beratungsstellen für Betroffene sollte es flächendeckend geben.

Wie Stalking muss auch Cybermobbing zum Straftatbestand werden, wegen längerem Klärungsbedarf eventuell im Nachgang zum angestrebten Gesetz. Dann erst kommt man an Internetplattformen ran. Denn wer als Jugendlicher ungeschoren davon kommt, mobbt als Erwachsener Kollegen. Das Thema muss verpflichtender Teil der Lehreraus - und Fortbildung werden. Manche Bundesländer haben externe Interventionsteams mit speziell ausgebildeten Lehrern und Schoolworkern - das sollte Schule machen. Mediatorenteams sind laut Experten bei Mobbing kontraproduktiv.

Bitte unterstützen Sie den Aufruf für ein deutsches Mobbing-Strafgesetz!


Die Change-org-Internetadresse, in der alles steht:

http://www.change.org/petitions/an-alle-bundestagsparteien-für-ein-deutsches-mobbing-strafgesetz


Vielen Danke und meine besten Grüße

Maja Hellen



Ergänzende Infos von Fachleuten:

Allgemein anerkannte Definition:
Mobbing heißt, dass jemand am Arbeitsplatz von Kolleg/Innen, Vorgesetzten oder Untergebenen schikaniert, belästigt, drangsaliert, beleidigt, ausgegrenzt oder z.B. mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht wird und der oder die Mobbingbetroffene unterlegen ist.

Laut allen bisherigen wissenschaftlichen Analysen gibt es keine typischen Mobbingopfer.
Es gibt auch kein generelles Verhaltensmuster, das davor schützt. Im Schnitt sind es am Ende fünf Personen, die gegenüber einem Einzelnen als Mobber auftreten. Oft sind Vorgesetzte beteiligt (1). Frauen sind häufiger betroffen als Männer (1,2...)
In der Regel gehören Mobbingopfer zu den Engagierten. Hauptaktion der Mobber ist das Verbreiten von Gerüchten, und dies ist in kaum einem anderen europäischen Land so stark ausgeprägt wie in Deutschland(3).Am häufigsten findet Mobbing im sozialen Bereich statt, in erster Linie im Gesundheits- und Sozialwesen und in Schulen (2,3). Im öffentlichen Dienst, z.B. in Verwaltung und Erziehung, ist Mobbing verbreiteter als in der Privatwirtschaft.
Die betroffenen Personen sind ungewöhnlich stark in ihrem Befinden beeinträchtigt, wie es sonst in der arbeitspsychologischen Stressforschung kaum zu finden ist. In einer Studie wurde festgestellt, dass keine einzige Person sich aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe aus der Mobbingsituation befreien konnte. Nur selten fanden Betroffene anderswo einen gleichwertigen Arbeitsplatz (4)
Bei Streit geht es um die Sache, bei Mobbing um die Person. Das Opfer wird isoliert. Ursachen sind z.T. Führungsmängel wie die Unfähigkeit, Konflikte fair zu lösen: Man sucht stattdessen einen Sündenbock (5). In einigen Studien wird Neid als eine bedeutsame Ursache für Mobbing benannt (4). „Wird die Perversion nicht deutlich angeprangert, breitet sie sich aus durch Einschüchterung, Angst und Manipulation…Eine gequälte Person kann nicht im Vollbesitz ihrer Möglichkeiten sein.“ Dabei ist „nicht nur das Ringen um Macht im Spiel, sondern der Genuss, den anderen wie ein Objekt, eine Marionette zu behandeln. Der Aggressor zwingt den anderen in eine Position der Ohnmacht, um ihn ungestraft zu zerstören…Die gleichen Methoden, die Fallstricken ähneln, wurden übrigens in verschärfter Form in den Konzentrationslagern benutzt und sind immer noch gang und gäbe in totalitären Regimen. Das ist die Grundlage des Funktionierens der Maffia oder totalitärer Regime.“ (6)Richter Dr. Peter Wickler, Vizepräsident des LAG Thüringen, in einem der wenigen guten Urteile hierzulande am 15.02.2000 : „Der Staat, der Mobbing in seinen Dienststellen und in der Privatwirtschaft zulässt oder nicht ausreichend sanktioniert, kann sein humanitäres Wertesystem nicht glaubwürdig an seine Bürger vermitteln und gibt damit dieses Wertesystem langfristig dem Verfall preis.“

Quellen:
(1) Meschkutat B., Stackelbeck M., Langenhoff, 2002: Der Mobbingreport – eine Reräsentativstudie der Bundesrepublik Deutschland, Dortmund/Berlin: Bundesanstalt für Arbeitsschutz u. Arbeitsmedizin, http://www.baua.de/de/Publikationen/...002/Fb951.html ;
(2) Spiegel 16/2012: Kollege Feind
(3) Vortrag von Dr. Schwickerath 2013, leitender Psychologe der Klinik Berus, Fachbuchautor
(4) Prof. Dieter Zapf und Claudia Groß, 2000: Mobbing – Konflikteskalation am Arbeitsplatz, Abt. Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Frankfurt,
http://web.uni- frankfurt.de/fb05/psychologie/Abteil/ABO/forschung/mobbing_lit8.pdf
(5) Axel Esser, Martin Wolmerath: Mobbing und psychische Gewalt, Ratgeber für Betroffene
(6) Marie-France Hirigoyen, hat in Frankreich das Mobbingstrafgesetz initiiert: Die Masken der Niedertracht, seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann.
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Kommentare

  1. Avatar von Sylvie 11
    Ich habe die Seite aufgerufen und finde es merkwürdig dass soviel englischer Text zu finden ist. Ist das eine Seite die Petitionen "am laufenden Band" organisiert ? Über Mobbing habe ich nicht viel gefunden.