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Thema: Meine Vergangenheit - Meine Gegenwart - Meine Zukunft

  1. #1

    Beitrag Meine Vergangenheit - Meine Gegenwart - Meine Zukunft

    Hallo ihr Lieben,

    ich bin eigentlich schon lange in diesem Forum, war aber nicht wirklich aktiv. Jetzt möchte ich meinen derzeitigen Kampf darstellen. Für viele ist es vielleicht nicht ganz verständlich was ich im unten stehenden geschrieben habe. Es ist ein Brief an mich selbst. Jedoch müsste man mich und meine Geschichte kennen um wirklich daraus Schlüsse ziehen zu können. Was man aber bei meinem Brief an mich auf jeden Fall erkennen kann ist, dass es Hoffnung gibt und sich mit der Zeit so vieles ändern kann - und das nicht nur zum schlechten, sondern zum Guten! Auch wenn es sich manchmal überhaupt nicht so anfühlt und man nur Gefühlschaos hat.

    (Im Übrigen hoffe ich, dass ich den richtigen Thread erwischt habe. Sollte etwas unklar sein oder mein Brief fehl am Platz, gebt mir bitte Bescheid! - Danke.)

    Liebe Katharina,

    ich schreibe dir, weil du dich einsam fühlst, weil du traurig bist und es manchmal nicht einordnen kannst, warum. Es ist alles so komisch. Weil du Schuldgefühle hast, die über das Normale hinausgehen.

    Ich sage dir was. Es ist total OK, wenn du diese Gefühle hast. Die Therapie eliminiert nicht deine schrecklichen und unangenehmen Gefühle. Sie gibt dir nur den Weg mit, wie du damit umgehen kannst. Jetzt da du darüber weinst, stelle ich fest, dass du das noch nicht wirklich akzeptieren kannst. Du findest es so schwierig, dich um deine Gefühle ohne Hilfe zu kümmern. Immer wieder schreibst du dir und sagst dir, dass das normal ist – aber hey – gib dir die Zeit. Die brauchst du. Du warst 15 Jahre lang konstant in Ausnahmesituationen und du hattest nicht wirklich die Möglichkeit, auf dich zu achten. Wie denn auch. Du musstest dafür sorgen, dass du nicht untergehst in dieser Welt. Verstehst du? Du hattest nicht die Möglichkeit dazu, dich auch nur irgendwie anders zu verhalten! Weder als dich deine Mutter angefangen hat regelmäßig zu verprügeln und du deine Brüder schützen musstest, auch nicht, als deine Mutter depressiv wurde und dein Vater die ganze Zeit nur am Arbeiten war und er nichts gemerkt hat und es ging immer weiter. Du kannst auch nichts für das Mobbing in der Schulde! Hey – verzieh das Gesicht nicht so! Du kannst nichts dafür! Du warst traumatisiert von zu Hause, warst um Längen reifer als deine Mitschüler und um Längen sanfter mit ihnen. Ah Tränen. Kommt jetzt die Erinnerung wieder daran, wie dir deine Therapeutin erklärt hat, dass du dir für die Zeit keine Vorwürfe machen solltest? Dass du sanft zu dir sein sollst? Immer wenn du dir denkst – und das sind ganz unauffällige Gedanken wie z.B. das alles hättest du nicht so machen dürfen. Wieso konntest du dich nicht ändern? Wieso warst du so doof? Es war nur natürlich, dass du damals keine Freunde gefunden hast, bei deinem Verhalten. Und als du angefangen hast das alles zu glauben was dir gesagt worden ist (Geh sterben! Du bist es nicht wert, dass du lebst. Warum hat deine Mutter dich überhaupt geboren?! Fick dich du Schlampe! Du bist nicht willkommen, du Nutte!, Wasch dich mal, du stinkst! Dann die Prügel und die Verfolgungen nach Hause, die Schupskreise. Totale Panik und Verzweiflung.), hast du angefangen dich selbst zu verlieren. Du wolltest den Tod. Aber auch das ist doch absolut nachvollziehbar! Wie sollst du denn in der Lage sein, dir selbst zu helfen, wenn du keine Freunde hast und auch keinen Rückzugsort zu Hause? Wie? Wie hättest du anders sein können in der Schule. Sag mir das mal, liebe Katharina. Es ging nicht anders. Du bist menschlich und das ist auch gut so. Und du warst auch damals menschlich. So menschlich. So schön. Und so stark! Wow. Ich bin stolz auf dich! Wirklich. Deinen skeptischen Gesichtsausdruck kannst du dir sparen. Es ist wirklich so. Ich bin stolz auf dich, was du bisher geschafft hast. Sie doch mal:

    • Du hast deine Mutter und den Prügel überlebt
    • Du hast die Depressionen deiner Mutter überlebt
    • Du hast die Schule und das Mobbing überlebt
    • Du hast dafür die Schule gewechselt und dabei deine eigenen, sehr guten Entscheidungen getroffen!
    • Du hast die Scheidung und das Jugendamt überlebt
    • Du hast Markus überlebt.
    • Du hast Anna überlebt
    • Du hast die Wirtschaftsschule sehr gut abgeschlossen!
    • Du hast eine Ausbildung sehr gut abgeschlossen!
    • Du hast angefangen, dich aufzubauen und dein Leben zu leben
    • Du hast die Depressionen und den Alkoholismus deines Vaters überlebt
    • Du hast, als all diese Erinnerungen zurückkamen, dir Hilfe gesucht und eine Therapie begonnen
    • Du hast die Therapie erfolgreich abgeschlossen und damit deine eigenen Depressionen und die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (auch wenn du daran immer arbeiten müssen wirst, das Schlimmste ist vorbei)
    • Du bist von dem Ort deiner Traumata ausgezogen! (Beste Entscheidung ever! )
    • Du hast einen wunderbaren Freund und Freunde, auf die du dich immer verlassen kannst.
    • Du hast es geschafft, trotz dem was alles passiert ist!, Frieden mit deiner Familie zu schließen und heute sind diese Personen das Wichtigste.

    Auf all das kannst du stolz sein, liebe Katharina. Wirklich. Andere wären gescheitert und hätten dem Ganzen ein Ende gesetzt. Nimm dich nicht so in Regress. Es ist OK, diese Gefühle zu haben. Du hast sie schließlich alle erlebt und überlebt.

    Deine größten Gegner sind die Angst und die Schuldgefühle. Und irgendwann schaffst du es sicherlich, auch diese mit in dich aufzunehmen und zu einem Teil von dir werden zu lassen, ohne dass es dich belastet.

    Ich weiß, manchmal ist es so schwer, wieder aufzustehen und zu kämpfen. Das hast du schon so oft gemacht… Warum jetzt wieder? Es kostet nur Kraft und Energie. Aber dann gibt es wieder Momente in deinem Leben, da ist es das alles wert. Der ganze Schmerz. Und die Kraft und die Selbstgeißelung. Du schaffst das. Ich schaffe das. Ich bin es wert.

  2. #2

    Standard AW: Meine Vergangenheit - Meine Gegenwart - Meine Zukunft

    Sehr schöner Brief! Dieser Brief sollte als Inspiration für alle Leute da sein, die Moment ein Tief durchleben müssen. Wie du im Brief geschrieben hast, hast du durch extrem schwierige Situationen durchlebt und gemeistert! Und darauf kannst du wahrlich stolz sein! Ich habe grossen Respekt vor dir und wünsche dir nur das Beste für die Zukunft!

    Grüsse
    Robert

  3. #3

    Standard AW: Meine Vergangenheit - Meine Gegenwart - Meine Zukunft

    Meine Jugend

    Ersteinmal ein nettes Hallo ins Forum.
    Auch wenn der letzte Tread schon recht lange her ist, wollte ich nun auch mal meine Geschichte erzählen. Es kostet mich sehr viel überwindung da ich es nie jemand erzählt habe als ich " neu anfing ". Ich wollte alles hinter mir lassen . Selbst meine Frau weiß nichts von meiner Vergangenheit.
    Es nagt an mir und ich muss nahezu jeden tag daran denken. Ich bin Jetzt ein erwachsener Mann und verfasse mit Tränen in den Augen ein Text über meine Jugend.

    Alles begann als ich von der Grundschule in die Hauptschule kam.
    Das war September 1997. Ich war in der Schule recht gut und habe anfangs viele einser geschrieben. Schule hat mir Spass gemacht, wollte etwas erreichen im leben, hatte klare Ziele .
    Meine Eltern waren nicht sehr reich was man natürlich auch an der Kleidung sah. Ich hatte nunmal keine Markenklamotten von ADIDAS oder NICKE aber trotzdem bin ich nicht rumgelaufen wie ein Stück Dreck.
    Das sollte aber meine Jugend stark verändern. Ein Streber mit klamotten aus de second hand laden.

    Das war ein gefundenes Fressen für viele aus der Klasse. Langsam fingen einzelne an mich zu beleidigen als Streber oder Assi. Mir war es relativ egal anfangs und habe gar nicht darauf reagiert. Irgendwann wurde es von Tag zu Tag schlimmer und es waren nahezu alle gegen mich .Als ich beobchbachtet habe das ein anderes kind verprügelt wird das auch nicht beliebt war ging ich dazwischen. Nun war alles vorbei. Das war der Tag, der Entscheidende Tag.
    Nun wurde ich jeden Tag auf schlimmste beleidigt, Angespuckt und irgendwann auch geschlagen. Dies war nun der Alltag in der Schule und die Hemmschwellen sind immerweiter gesunken. Meine Schultasche wurde aus de Fenster geschmissen der Inhalt vorher ausgekippt. Es wurde schlimmer und schlimmer. Ich war mittendrin und es gab kein Ausweg . In der Umkleidekabine beim Sport wurde ich mit einen Ledergürtel Tracktiert. Mein ganzer rücken war überseht mit Roten Striemen, regelmäßig musste ich dies über mich ergehen lassen u keine half mir. Es waren ungeheuerliche Schmerzen. Im Unterricht wurde mir regelmässig die Zirkelspitze in den Rücken gestochen oder in die Beine . Manschmal auch beides jeh nach dem wer vor mir Sass. Im Winter haben sie mir gewaltsam die Schuhe ausgezogen mit Socken und auf das Dach der Turnhalle geschmissen. Im Winter Barfuß nach Hause laufen war alles andere als schön. Eines Tages nahm ich all mein Mut zusammen als ich sah wie sie in der Gruppe zusammen stehen und sie sich über mich lustig machten. Ich ging rüber und wollte irgend einen eine reinhauen. Das ende vom lied war eine Gebrochene Nase und zertümmertes Jochtbein. Natürlich bei mir. Mein gesicht war blau und lila angeschwollen. den Lehrern hat es nicht interesiert haben mich nicht nach hause geschickt. Sie Klatschten alle , Applaudierten spuckten mir ins angeschwollene Gesicht. Ich habe mir die Tränen zurück halten müssen. Selbst in meinen Freundeskreis war ich nur die Lachnummer. Wenn die Wrestling angeschaut haben, haben sie es an mir ausprobiert. Es gab nicht viele Menschen die sich mit mir abgaben. Hatte ich eine Freundin , machte sie nach einer woche wieder schluss nach dem sie erfahren hatte was ich bin . Meine Schulnoten waren im Keller und ich ein gebrochener junge ohne selbstbewusstsein ohne lebensinergie und eigentlich auch ohne Freunde. Man wollte mich auf eine andere Schule versetzen und da wollten die Arschlöcher hinkommen und mich dort weiter tyranisieren. Es hat nix geholfen keine gespräche mit lehrer sozialarbeiter oder sonst wen. Und das ganze 4 Jahre lang.

    Ich war einfach ein nichts, ein Niemand, das ablassventil für Agressionen.

    Die Schulzeit war rum und ich habe 3 kreuze gemacht. Aber wie soll es nun weiter gehen ?
    Ich bin Umgezogen nach Badenwürtemberg, wollte neu anfangen und habe dort eine Ausbildung begonnen. Von heute auf morgen weg aus der Stadt u Handy weggeschmissen so das keiner weiß wo ich bin. In der Firma war ich nun der Ossi ich wurde zwar beleidigt aber irgendwann habe ich durch fleiss mir respeckt geschaffen. Freunde hatte ich trotzdem nicht viele . Auch in der Berufsschule habe ich mich weitesgehend zurück gehalten . Ich hatte zufiel Angst das alles wieder von vorne los geht.

    irgendwann kam mein Musterungsbescheid von der Bundeswehr. Den habe ich mit T1 bestanden und es hiess , suchen sie sich was aus. Und das Habe ich. Ich habe eine Ausbildung gemacht , die viele den ersten tag des Auswahlverfahrens nicht bestehen. Nur ein Bruchteil an soldaten schaffen diese Ausbildung Unser Zug war am ende nur noch 7 mann stark . von 40. 7 Mann die das geschafft haben. Nun war ich ein Elitesoldat. Ich habe Feuergefechte in Afgahnistahn erlebt , Anschläge , tot und verwundung. Ich habe das leid der Menschen gesehen und war das erstemal Stolz Menschen gegen das Böse beschützen zu können. Menschen die sich selber nicht schützen können. Ich habe Tagelang nicht richtig geschlafen, ewig nicht geduscht, meine Familie Monate lang nicht gesehen das essen war teilweise aus tüten, aber ich würde dies immer wieder tun. Ich Kämpfte nicht für Ehre un Rum, Ich Tat das für die Hoffnung der Menschen, gegen das Elend für das Leben anderer und es war der Beste beruf den Ich hatte auch wenn ich kameraden Sterben Sah.
    Die Armee hat es geschafft mich aufzubauen. Nur hier hatte ich das Gefühl etwas wertvolles zu sein. Man legte die Hand auf meine Schulter und sagte "sie können stolz auf sich sein" oder andere Belobigungen verbaler Art.

    Der kleine gebrochene , gemobbte junge , der keine lebensinergie keinerlei selbsbewust sein und freunde hatte , war wieder jemand. Ein Angesehener Soldat der sich durch mut fleiss willen und Kameradschaft beliebt gemacht hat .

    Jetzt bin ich Hauptamtlicher Feuerwehrmann und Rettungssanitäter, ich helfe gerne Menschen, Habe eine Tolle Frau eine wunderschöne Tochter , vor 2 jahren das Haus gebaut. habe soviel erreicht erlebt geschafft und doch denke ich mir, was ist wenn der Tag x kommt und die Jungs vor mir stehen vor den ich soviel Angst hatte oder immernoch habe.
    Ich weiss das ich ihnen Körperlich und Geistig weit über legen bin, ich weiss das ich Kampfsport als soldat geleert bekommen habe und ich weiss das ich ohne große mühe alle umlegen könnte. Aber trotzdem ist da die Angst .
    Ich weiss nicht wie ich reagieren soll, auf einmal bin ich doch wieder ein kleiner verängstigter junge.

    Jeden Tag denke ich an die Schulzeit. Tag für Tag muss ich daran denken und immerwieder habe ich Tränen in den Augen.
    Es sitzt einfach fest, ich werde es nicht los .
    Habe schnell das Gefühl ausgegrenzt zu werden u sage jedesmal ja wen jemand etwas von mir will nur weil ich Angst habe wieder unbeliebt zu sein.

    Meine Tochter wird bald in Karate gehen , damit sie sich in der Schule verteidigen kann und nicht so eine kaputte Seele wie ich bekomme


    Das war meine Geschichte

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