Hallo,

erst mal Gratulation - Du scheinst ein gutes Coaching zu haben. Toll dass du da eine gute Unterstützung hast. Ich finde es auch super, dass du dir hier Unterstützung holst. Und eine Rechtschutz ist Gold wert, wenn dein Chef diese Information hat - kann das durchaus auch deine Position stärken.

Zum Zeugnis: Dein Chef will, dass du gehst - daher kann es für dich von Vorteil sein, dass du dir erst mal ein Zeugnis ausstellen lässt, bis es für dich passt. Es wird Teil deines Angebotes sein - daher musst du dir wohl nicht wirklich Gedanken über ein schlechtes Zeugnis machen müssen. Dafür müssen zudem schon sehr triftige Gründe vorliegen. Schreibe es auf jeden Fall selber/ von deinem Anwalt schreiben lassen.

Es kann für dich von Vorteil sein, wenn du ihm die Angst nimmst, dass du bleiben möchtest. Vielleicht kann es übrigens sogar hilfreich sein, in die Offensive zu gehen: Biete ihm an, dass du dich schneller entscheidest, wenn er dir die Kollegin vom Hals hält. (hat bei mir funktioniert - hier hat die Täterin sogar extern Unterlassungserklärungen geschrieben - wurde vom EX-Chef unterbunden) Aber sprich dass definitv mit deinem Anwalt ab. Vielleicht hilft es ihm auch, dass du ihm klar machst, je mehr falsche Anschuldigungen er dir gegenüber macht, desto mehr Energie musst in die Richtig-stellung legen und desto weniger Zeit bleibt für eine vernünftige Lösung. Biete dich ihm immer als Teil der Lösung an. Wenn er sich mit dem Zeugnis schwer tut - sag ihm, dass es für dich umso leichter ist, dich zu bewerben, wenn du ein (Zwischen)Zeugnis hast.

Die Angst vor Abmahnungen: Laut meiner Anwältin gibt es keine konkrete Anzahl an nötigen Abmahnungen (ich habe mehrere auf einmal bekommen, im oberen einstelligen Bereich) gegen jede Abmahnung kann Einspruch eingelegt werden da sie fast immer Formfehler enthalten - daher wäre das u.U. ein langwieriger Prozess für ihn. Für dich auch, aber auch hier wieder: mach ihm klar das du mit einer gütigen Einigung sehr einverstanden bist und dass jeder Angriff auf dich den Prozess verzögert.

Du hast gesagt, dass er sehr nervös war und vom Blatt abgelesen hat. D.h. er ist sich selber nicht sicher oder weiss sogar, dass er mit einem schlechten Kartendeck spielt. Daher greif ihn nicht an, denn darauf ist er wahrscheinlich vorbereitet. Bleib ruhig.

Wenn du sagst, dass die Branche recht klein ist; bitte ihn doch, dass er seine Kontakte spielen lässt. Egal ob er es tut oder nicht - aber dann ist er beschäftigt - und/oder du kannst etwas abklopfen, wer mit wem verbunden ist. Auch hier wieder die Sache mit dem Ruf: auch andere Menschen wissen, dass eine Trennung selten gut geht und haben mitunter sogar Verständnis für Sätze wie: es hat Verschiebungen im Team gegeben und daher war eine Trennung für alle Seiten eine gute Lösung und wir sind stolz, dass wir es im guten geschaffen haben.
Ich will dir damit Mut machen, dass in der Situation, der Ruf-Verlust sich mitunter schlimmer anfühlt als wie er wirklich sein wird. Aber sei natürlich trotzdem auf der Hut.

Ich weiss manche dieser Ideen sind durchaus frech/offensiv. Nimm dir davon was du gebrauchen kannst und ignoriere den Rest (ist auch einen Typ-Frage natürlich) Egal ob sie für dich praktikabel sind oder nicht, aber so wie es beschreibst bist du nicht in der schlechtesten Verhandlungsposition.

Als Freiberufler hat sich mein "Chef" auch von mir getrennt. Es war auch nicht wirklich schön und er hat auch etwas in die Schmutzkiste gegriffen. Aber am Schluss war und ist es ihm doch auch wichtig, dass wir einen guten Kontakt haben. Nicht jeder Schmutz ist gegen dich gerichtet, die wenigsten Menschen sind im guten Trennen geübt.


Für das Verständnis: Wie hängen denn die Kollegin und der Chef zusammen? Sind das zwei Geschichten?

Viel Erfolg