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Thema: War es Mobbing?

  1. #11

    Standard AW: War es Mobbing?

    Zitat Zitat von Ilythia Beitrag anzeigen
    Ich finde den Rat, den Mobbern zu vergeben immer ein wenig oberflächlich. Wenn ich mich erst bemühen muss oder zu versuchen, mir die Situation irgendwie "schön zu reden", frei nach dem Motte "Ach es sind halt auch nur Menschen", dann ist es mir der Vergebung nicht weit her und bringt auch nicht den gewünschten inneren Frieden zurück. Ist das überhaupt möglich, jemandem der einem ja schließlich auch eine Form von Gewalt angetan hat, das einfach so zu verzeihen? Ich denke nicht.
    Hallo Ilythia,
    In einem laufenden Mobbing wäre die Vergebung unangebracht. Zunächst einmal muss das Mobbing ein Ende haben. Nach meinem Verständnis ist das hier der Fall, doch die empfundene Ungerechtigkeit bleibt und zehrt. "Zu akzeptieren" ist ein erster Schritt. Wir sind uns auch einig, dass man sich mit "dieser Ursachenforschung letztlich nur selbst kirre" macht. "Sich mehr mit anderen Dingen beschäftigen" ist eine Strategie der Verdrängung, ebenso wie der Versuch, "die Situation irgendwie schön zu reden". Die Verdrängung kann erst mal helfen, um wieder Kräfte zu sammeln. Denn Vergebung ist alles andere als leicht. Doch wenn Vergebung gelingt, was ein langer Prozesse sein kann, dann bleibt das Gedankenkarussell endlich wieder stehen. Es gibt wissenschaftliche Studien dazu. Hast Du den Artikel eigentlich gelesen? Meine Frau würde sich über Feedback dazu freuen.

    @Thomas - ich entschuldige mich bei Dir, dass ich mich in Deinem Post auch zu anderen Beiträgen äußere und hoffe gleichzeitig, dass Du davon auch profitieren kannst.

    Glückauf :-)
    Stephan
    Geändert von Video-Mediator (18.02.2019 um 21:03 Uhr) Grund: Erweiterung
    Mediation-beckmann.de

  2. #12
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    Standard AW: War es Mobbing?

    Hallo thomas,
    ich kenne das auch zu gut, wenn man sich immer und immer den Kopf darüber zerbricht, wieso, warum einen das alles passiert ist. Das Grübeln macht einen dann noch zusätzlich fertig, aber hinter die Wahrheit steigt man dennoch nicht.
    Mit einem fähigen Therapeuten kann man aber das Geschehene soweit aufarbeiten, daß es einen immer weniger belastet. So jedenfalls meiner Erfahrung.

    So wie du berichtest, warst du wahrscheinlich an einen nicht sehr fähigen Therapeuten geraten. Denn bei einen Erstgespräch steigt man meist nicht gleich voll ins Thema ein. Es geht vor allem erst mal darum, das Ziel einer Therapie zu definieren und auszuloten, ob die "Chemie" zwischen Therapeut und Patient grundlegend stimmt, wie man so sagt.
    Bei meiner einstigen Suche nach einem fähigen Therapeuten hatte es z.B. erst im dritten Anlauf geklappt. Das war auch noch mal ein kleiner Kampf für mich, wenn bei einem selbst schon die Nerven blank liegen, dann sich auch noch mit einem Therapeuten "herumärgern", der einen noch weiter runterzieht, geht ja gar nicht. - Also: Wenn es nicht gleich beim Ersten paßt, sollte man unbedingt weitersuchen bzw. -probieren.
    Und was das Ziel deiner möglichen Therapie sein sollte, ist dir sicherlich bewußt (?).
    Mir fiel dann nach den Therapien immer mehr leichter, das Geschehene für mich zu akzeptieren. Mein Selbstwertgefühl zurückzugewinnen auch. Und auch zu der Erkenntnis zu gelangen, daß Mobber irgendwie wie sozial unreife Menschen sind, würde ich mal sagen, denen oftmals gar nicht richtig bewußt ist, was sie anderen mit ihrem Handeln antun.
    Eigentlich müssten die Mobber in Unternehmen zunächst wie therapiert werden, denn sie sind es doch, die zunächst unnormales, ja fast asoziales Verhalten - möchte ich mal behaupten - an den Tag legen und damit andere erst krank machen. Auch eine Erkenntnis erst aus meinen Therapien.
    Was das Vergeben anbetrifft, so sehe ich das auch sehr problematisch und ganz ähnlich wie Ilythia. Das geht ich glaube nicht, jedenfalls bei mir in solchen Fällen nicht. Dazu müßte sich erst mal der Andere auch zu seiner Schuld bekennen. Und dies tut er ja i.d.R. nicht.

  3. #13
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    Standard AW: War es Mobbing?

    Zitat Zitat von Video-Mediator Beitrag anzeigen
    Hallo Thomas,
    Du hast Dir viel Zeit genommen,Deine Erlebnisse hier zu beschreiben. Der Wunsch nach Aufklärung der Ereignisse ist bei den meisten Menschen ein ganz tief verwurzeltes Bedürfnis. Die Frage nach dem „Warum“. Eine andere Strategie im Umgang mit der Vergangenheit ist Vergebung. Vielleicht kannst Du in dem Artikel etwas finden, das zu Deiner Situation passt. mediation-beckmann.de/mediator-blog/vergebung.html

    Möge der Frühling auch für Dich eine neue Zeit einleiten.
    Glückauf
    Stephan
    Hallo Video-Mediator,

    ich habe mir den Artikel mal durchgelesen und ich denke, daß es akut Betroffenen wie thomas kaum irgendwie praktisch weiter bringen kann. Dafür ist m.E. viel zu viel nur Theorie dabei.

    Wenn da z.B. von "Kummerspirale" die Rede ist, zieht es damit einen akut Betroffenen nur noch weiter runter, denke ich. Ich spreche da aus eigener Erfahrung von meinem einstigen zweiten Therapeuten, vor dem ich nach einigen Sitzungen dann einfach wie flüchten mußte, wo er mir die Bedeutung der "Depressionsspirale" erklären wollte und was es für mich bedeutet, wenn ich da immer tiefer hineingerate. Das war für mich psychisch absolut schädlich, wie ich es noch selbst erkannte und ungefähr so wie einem gerade Ertrinkendem, der noch gerettet werden könnte, zu erklären, daß er sowieso dem Tode schon geweiht ist. - Absolut widersinnig und absurd, demütigend und fast lebensgefährdend.
    Solchen groben Unfug können auch unfähige Therapeuten anrichten, wollte ich damit sagen!

    Erst ein anderer, weiterer Therapeut erkannte dann bei mir eine sogenannte Posttraumatische Verbitterungsstörung und konnte mich daraufhin ziemlich erfolgreich erstmal therapieren.
    Die Literatur-Empfehlung von Prof. Michael Linden (war im übrigen der Klinikleiter, unter den ich zwei Reha's machen konnte) ist reines Wissen für entsprechende Therapeuten. Seine ganzen durchaus fundierten Ausführungen zur Posttraumatische Verbitterungsstörung (PTED) bringen aber keineswegs akut Betroffenen etwas, wenn sie darin lesen und auch verstehen wollen, was ihnen widerfahren ist. Das ist der gravierende Unterschied dabei!

    VG Nickname
    Geändert von Nickname (19.02.2019 um 05:51 Uhr)

  4. #14
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    Standard AW: War es Mobbing?

    Vielen Dank für Eure Kommentare, es hat mir geholfen darüber zu sprechen und werde mir einen Therapeuten suchen. Mittlerweile glaube ich, dass ich die Ursache in meiner leichten Depression ist, dass es in der schwierigen Situation niemanden gab, der auf meiner Seite stand und ich das Gefühl hatte ein Mitarbeiter 2ter Klasse zu sein. Ich habe mich erst am letzten Tag guten Kollegen anvertraut.

    Der Betriebsrat war anfangs von meiner Schuld überzeugt, obwohl es doch eine Unschuldsvermutung gelten müsse. Die Kollegin die über micht verbreitet hatte, dass ich ihr gegenüber aggressiv gewesen sei, wollte mir eins auswischen, weil sie wegen mir in SAP falsche Eingaben machte und Ärger vom Einkauf bekam. Der Büronachbar der der Hauptakteur war, konnte durch seine laufenden Provokationen einen Konkurenten auf die Position des Teamleiters ausschalten und sein Gefühl von Macht mirgegenüber ausleben. Die Personalchefin versuchte einen Mitarbeiter ohne Abfindung aus dem Unternehmen zu mobben.
    Jeder hatte seine eigenen Vorteile vor Augen und sie vergassen den Blick auf die Gemeinschaft und Gerechtigkeit. Jeder hat ein Gewissen und ich hätte ihnen stärker vor Augen führen müssen, wie sehr ich darunter leide.

    Der Betriebsrat, der Abteilungsleiter und die Personalchefin hätten eine Aufklärung vorantreiben müssen, das haben sie nicht und haben am meisten versagt. Es war ja nicht nur normaler Tratsch, sondern das war ja richtig rufschädigend. Ich hätte das Unternehmen viel früher verlassen müssen, oder mich für eine Wahl zum Betriebsrat bewerben müssen .

    Vergeben kann ich dem Büronachbar und der Personalchefin niemals, wenn ich das täte, dann würde ich akzeptieren, dass mir so etwas nochmal geschehen kann. Außerdem glaube ich, dass sie jedes Unternehmen in den Abgrund ziehen können.

    Und das schlimmste habe ich garnicht erzählt, das war für mich der Büronachbar. Er hat mich über 3 Jahre ca. 2 mal im Monat richtig aggressiv provoziert, mit dem Ziel eine aggressive Reaktion zu bekommen. In den Situationen war immer zufällig einer vom BR anwesend, im Nebenzímmer hinter mir war der Druckerraum getrennnt von einer verglasten Wand. Ich habe es glücklicherweise immer bemerkt und habe deshalb ruhig reagiert. Die letzte Situation war als ich kurz das Büro verließ und er ein seitlichen Sichtschutz meines Arbeitsplatzes entfernte. Ich fragte ihn, wo es denn hin sei. Er schrie mich an: Ja das habe ich entfernt, stört mich halt, was dagegen? Bei der Situation habe ich mich beschwert, sonst immer er und jedesmal hat der BR gesagt, dass ich mich richtig verhalten habe. Konsequenzen hat es für ihn nie gegeben. Als ich mich beschwerte gab es Konsequenzen.
    Geändert von thomas07 (19.02.2019 um 11:46 Uhr)

  5. #15
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    Standard AW: War es Mobbing?

    Das ist es leider immer wieder mit der Theorie. Da hätte, sollte, könnte und wenn ich das getan hätte, dann müsste doch... Aber die Praxis sieht dann leider anders aus. Ich drücke dir die Daumen, dass du einen Therapeuten findest, der auch was taugt und dir hilft, das erlebte zu verarbeiten.
    An sonsten kann ich dir nur raten, dich tatsächlich mit anderen Dingen abzulenken. Was nebenbei gesagt, nichts mit Verdrängung zu tun hat, sondern damit, sich auch einmal wieder mit schönen und positiven Erlebnissen zu stärken und diesen negativen Kreislauf zu unterbrechen.

  6. #16
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    Standard AW: War es Mobbing?

    @thomas07

    Ja, das, was Ilythia schrieb, habe ich leider erst während meiner beiden Psycho-Soma-Reha's vermittelt bekommen, wie wichtig es eigentlich ist, sich einen eigenen Freizeitbereich aufzubauen. Job und Familie ist eben nicht alles.
    Denn die 3 Haupt-Standbeine im Leben sind Familie, Beruf und eigene Freizeit, worauf zum Beispiel ein Hocker mit 3 Beinen stehen kann. Bricht nur ein Standbein davon weg, wird es schon schwierig, geschweige denn zwei.
    Nun, ich persönlich übe immer noch damit, da das Standbein Beruf für mich erstmal altersbedingt weggefallen ist, aber ich weiß nunmal um diese 3 Standbeine und bemühe mich derzeit darum, entsprechenden Ersatz zu finden.

    Und wenn du, thomas, dies für dich auch beherzigen kannst bzw. könntest, positive Lebensgefühle durch Freizeitaktivitäten zu gewinnen, wirst du wie automatisch oder nebenbei Vergangenes mit ganz anderen Augen sehen können. In dieser Erkenntnis von mir steckt auch ein bisschen Lebenserfahrung.

  7. #17
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    Standard AW: War es Mobbing?

    Da habt ihr Recht. Im Grunde genommen ist diese Mobbingerfahrung objektiv betrachtet kein wirkliches Problem, mein Kopf hat es zu einem Problem gemacht.
    Die anderen Standbeine habe ich zu stark vernachlässigt und auch neue Probleme sind kaum dazugekommen .
    Was ich ereichen und erleben will ist wichtig und nicht die negativen Erlebnisse und Gefühle der Vergangenheit. Ich habe es überstanden und daraus gelernt. Es gibt für mich jetzt keinen Grund weiter zurück zu schauen.

    Die Arbeit war die letzten Jahre das allerwichtigste für mich, das werde ich jetzt langsam ändern und anfangen richtig zu leben.
    Geändert von thomas07 (21.02.2019 um 09:42 Uhr)

  8. #18

    Standard AW: War es Mobbing?

    Hallo Thomas,

    für mich liest sich das alles durchaus wie eine Heldengeschichte. Du hast 3 Jahre lang den Provokationen und den Nachstellungen der Kollegen stand gehalten. Wenn jemand 100 mal ruhig bleibt und beim 101 dann laut wird dann wirkt das auf mich auch sehr nachvollziehbar und ist eine große Leistung. Du hast sehr gut die Motive der Handelnden Personen beschrieben. Und das bedeutet ja auch, dass dir klar ist, dass es dabei nicht um dich ging sondern dir ihre Partikular-Interessen durchgesetzt haben - mit dir als Spielball, aber eben auch nicht weil sie dir als Mensch schaden möchten. Man kann es ja auch anders herum sehen: wärst du keine Gefahr für den Kollegen gewesen, hätte er dich nicht provozieren müssen. Das alles ist sicherlich nicht wirklich tröstlich, denn in der Situation fühlt es sich doch ziemlich Scheisse an. Aber es hilft bei der Bearbeitung.

    Das mit den anderen Standbeinen ist wohl auch etwas, was ich in den letzten Jahren fast schon mit Gewalt eingeprügelt bekommen habe. Und auch, mich den Menschen um mich herum mehr zu öffnen. Aber auch genau zu wählen, wem ich wirklich vertrauen kann. Bei mir ist es über zwei Jahre her - erst jetzt bin ich in der Lage, mich mit dem Thema Mobbing auseinander zu setzen. Mit den Motiven der Täter, aber auch wie ich mich insgesamt besser gegen solche Situationen aufstellen kann (z.B. dass Arbeit nicht alles ist).

    Was Therapeuten angeht muss ich ein gemischtes Resumee ziehen. Viele sind Therapeuten geworden, weil sie nicht mit Kollegen/Teams/Hierarchien arbeiten können. Meine Therapeutin hat mich sehr unterstützt, aber in der Situation auch einen sehr verheerenden Ratschlag gegeben, das sie die Situation völlig falsch eingeschätzt hat. in der Gefahr bist du ja Gottseidank nicht mehr.

    Ich finde dein klare Haltung zum nicht-verzeihen gut. Wichtig ist für mich gewesen, dass ich mich aus einer emotionalen Beziehung zu den Tätern gelöst habe. Das bedeutet für mich, dass Mobbing-Verhalten klar zu benennen, aber eben nicht mehr zu Hassen oder auf Vergeltung aus zu sein.

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