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Thema: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

  1. #1
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    Standard Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Hallo,

    ich habe die " Mobbinghölle " verlassen und zum Glück einen neuen Arbeitsplatz. Allerdings ist die Freude nicht ungetrübt, da einige Fragen nicht beantwortet sind. Deshalb frage ich in die Runde, wer mir helfen kann.

    Das Mobbing hat sich in meinem ( ehemaligen ) Betrieb über 8 Monate und über etwa 6 Eskalationsstufen hinweg systematisch aufgebaut ( fast Lehrbuch ). Die Theorie besagt, dass das Mobbingopfer max. bis zur zweiten Stufe den Vorgang noch beeinflussen kann. Danach laufen die Vorgänge automatisch.

    Das Problem war, dass die ersten beiden Stufen sehr verdeckt und ummantelt abliefen. Ich habe deutlich gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Allerdings waren die " Abgriffe " nicht fassbar. Im Grunde wie eine stinkende Gifwolke, bei der alle den Gestank leugnen und mir gereizte und überempfindliche Schleinhäute unterstellen.

    Ein Beispiel ( aus meinem Mobbingtagebuch ) .
    An einem Mittwoch musste ich mit einer sehr dominanten Kollegen arbeiten. Als Vorgesetzte war ich weisungsbefugt. Die Kollegin schnappte sich
    Arbeit und meinte freundlich lächelnd zu mir :" So, und Sie können in der Zwischenzeit ja schon mal.....

    Klingt völlig harmlos. War es aber nicht, sondern eine klare Rollenumkehr. Ich habe die Respektlosigkeit hinter der " Maske " deutlich gespürt. Deshalb habe ich ebenso freundlich und mit einem Lächeln gesagt, dass ich auf diese Idee auch alleine gekommen wäre...Das Ende war, dass die Kollegin mir " Überempfindlichkeit " vorwarf und den Vorgang am nächsten Tag sofort mit den übrigen Kollegen diskutierte. Die einhellige Meinung war, dass ich nicht teamfähig wäre....

    Hätte ich die Kollegin massiv in die Schranken gewiesen, hätte man vermutlich an meinem Verstand gezweifelt...
    Mit diesem Vorgang endete dann auch Stufe 2 und die Angriffe wurden deutlicher und härter.

    Wie hättet Ihr reagiert ? Gab es überhaupt eine wirkungsvolle Reaktion ?

    LG Charlotte
    Geändert von Cricri (21.02.2019 um 16:11 Uhr)

  2. #2
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Tja, Circri,

    ich halte nichts davon, Mobbing oder überhaupt irgendeine Verhaltensweise in Stufen oder Kategorien einzuteilen. Das überlasse ich weltfremden Theoretikern, die oft genug noch nie in der Praxis ein tatsächliches Mobbing erlebt haben.

    Ob du richtig oder falsch reagiert hast? Selbstverständlich hättest du diese Dame gleich darauf aufmerksam machen können, dass sie "wohl gerade etwas falsch versteht" und dir nicht zu sagen hast, wie du, als ihre Vorgesetzte deinen Job zu machen hast.
    Aber war die Situation auch danach? Bist du - theoretisch - wie eine Maschine, die dann gleich die richtigen Antworten ausspuckt, oder eben einfach nur Cricri, die von der Art und Weise dieser Kollegin schlichtweg überrumpelt war?

    Bei Mobbing gibt es kein richtig oder falsch. Sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob eine andere Reaktion das Mobbing verhindert hätte, ist bestenfalls müßig und bringt nichts. Freundlichkeit wird als Schwäche angesehen, wenn es denn dem Mobber passt. Ein zurechtweisen oder Zurückweisen in seine Schranken dreht sich ein Mobber als Unverschämtheit ihm gegenüber zurecht. Oder ärgert sich schlichtweg darüber, dass er nicht gleich "als König" anerkannt wird und mobbt dann los, weil er seinen vermeintlichen Status verteidigen will. Man hat den Job bekommen, den eigentlich er wollte. Seinen Unmut darüber lässt er dann an dir aus. Jemand mag dich schlichtweg nicht... Es gibt noch zig andere Gründe, warum Mobbing entsteht.
    Dann auf Fehlersuche bei sich selbst zu gehen, bringt ebenfalls nichts und man dreht sich im Kreis. Sicher hätte man dem unverschämten Kollegen, der einem offen zeigt, dass man ein Dorn in seinem Auge ist, mal die Meinung geigen können. Vielleicht hätte es etwas gebracht, vielleicht aber auch nicht. Man hätte auch freundlich mit ihm reden können und über seinen hämischen Gesichtsausdruck hinweg sehen können. Vielleicht wäre ja dann... vielleicht aber auch nicht...

    Theoretisch gibt es unzählige Ratschläge, die natürlich alle angeblich ganz toll sind und mit denen man sich in Mobbingsituationen richtig verhält. Wie ich aber in einem anderen Beitrag schon schrieb; Theorie ist nicht Praxis. In der Theorie passiert natürlich genau "das Richtige" und der Mobber ist selbstverständlich nur durch dein Auftreten in seine Schranken verwiesen. In der Praxis heißt es aber wohl eher "sch.. auf die Römer" Wenn die mir dumm kommt, hat sie Pech.
    Also?!

  3. #3
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Als Vorgesetzte/Weisungsbefugte hätte ich auf "So, und Sie können in der Zwischenzeit ja schon mal....." gesagt:
    "Das werde ich eben nicht tun!"...und vielleicht noch hinzugefügt:
    "Ich bin schließlich Ihre Vorgesetzte und kann entscheiden/festlegen, wer was macht." - Also ganz klare Grenze aufgezeigt.

    Da hätte niemand an deinem Verstand gezweifelt. Warum auch? Vorgesetzte ist nunmal Vorgesetzte. Da lässt man sich nicht so leicht wie die Butter vom Brot nehmen.

    Ich hatte mal einen Chef, mit dem ich zuvor wie auf einer Stufe stand, also bevor er mein Chef wurde. Wir duzten uns selbstverständlich und waren sogar befreundet. Als er dann mein Chef wurde, hatte sich eigentlich nichts grundlegend an unserem Verhältnis geändert, außer daß er, wenn er mir Aufgaben zuteilte, meistens noch hinzufügte: "Das ist jetzt eine Weisung!" (oder so ähnlich...)... und so kamen wir bestens miteinander zurecht. Also auch ganze klare Grenze aufgezeigt.
    So kann's also auch gehen.

  4. #4
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Zitat Zitat von Ilythia Beitrag anzeigen
    Ob du richtig oder falsch reagiert hast? Selbstverständlich hättest du diese Dame gleich darauf aufmerksam machen können, dass sie "wohl gerade etwas falsch versteht" und dir nicht zu sagen hast, wie du, als ihre Vorgesetzte deinen Job zu machen hast.
    Nun, das habe ich anderer Stelle versucht. Sie ist sofort zu den Kollegen gerannt und hat gesagt, dass ich " unmöglich " wäre. Sie hätte das doch nicht
    böse gemeint.....ich würde ihr unterstellen.....u.s.w.

    Dann flossen Tränen und alle ( einsch. Chef ) hatten Mitleid. Ich hingegen war für den Rest des Tages Lästerobjekt.

    P.S. mit einer ähnlichen Nummer hat sie in einer Teamsitzung eine Kollegin "gekillt". Köpfchen zur Seite, Hundeblick in Chefrichtung und dann Tränen.
    Für die Tränen hat sie sich dann auch noch genauso theatralisch entschuldigt.
    Die angegriffene Kollegin versuchte sich noch zu rechtfertigen. Zwecklos.
    4 Wochen später hatte sie die Kündigung und die Heulsuse die ersehnte Arbeitsplatzerweiterung.

  5. #5
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Zitat Zitat von Nickname Beitrag anzeigen
    "Ich bin schließlich Ihre Vorgesetzte und kann entscheiden/festlegen, wer was macht." - Also ganz klare Grenze aufgezeigt.
    Das Problem mit ihr bestand von Anfang an darin, dass sie nicht bereit war, sich von mir etwas sagen zu lassen. Sie reagierte sofort manipulierend und meine
    Abwehr wurde dann verdreht. Wenn nichts mehr half, wurde geflennt. Das wirkte immer. Warum, das kann ich nicht sagen.
    Deshalb ist dieser " kollegiale Hinweis " auch so übel bei mir angekommen.

    LG Cricri

  6. #6
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    4 Wochen später hatte sie die Kündigung und die Heulsuse die ersehnte Arbeitsplatzerweiterung.
    Dann bist du eine der wenigen "Glücklichen", die wissen, warum sie gemobbt worden sind. Da war wohl jemand scharf auf deine Stelle...

  7. #7
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Zitat Zitat von Cricri Beitrag anzeigen
    Das Problem mit ihr bestand von Anfang an darin, dass sie nicht bereit war, sich von mir etwas sagen zu lassen. Sie reagierte sofort manipulierend und meine
    Abwehr wurde dann verdreht. Wenn nichts mehr half, wurde geflennt. Das wirkte immer. Warum, das kann ich nicht sagen.
    Deshalb ist dieser " kollegiale Hinweis " auch so übel bei mir angekommen.

    LG Cricri

    ...und DEIN Chef wiederum stand wahrscheinlich nicht hinter DIR (ich habe jetzt nicht mehr die Einzelheiten aus dem anderen Thread im Kopf). Denn von irgendjemanden muß sie Rückendeckung gehabt haben, außer von ihren Kollegen. Anders kann ich mir so ein Verhalten dann nicht erklären.
    Geändert von Nickname (21.02.2019 um 19:53 Uhr)

  8. #8
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Die informelle Vorgesetzte für meinen ( ehemaligen ) Bereich war Heulsuses beste Kollegenfreundin. Dann kam ich.....und habe mich fast ein Jahr aufgerieben.

  9. #9
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    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Hallo Cricri,

    mit deiner "informellen Vorgesetzten" komme ich jetzt nicht ganz klar, weil du bisher immer von deinem Chef schriebst. Aber egal..

    Ich möchte noch mal auf deinen Eingangsbeitrag hier zurückkommen, der mir erst jetzt noch mal zu denken gab.
    Es ist völlig normal, daß du jetzt dabei bist, das Geschehene zu verarbeiten, zu ergründen und vielleicht auch Stück für Stück zu begreifen, insoweit das überhaupt in der Zeit jetzt kurz danach schon geht. Klar auch, daß dich das "etwas" belastet, wenn du jetzt gleich danach in einen neuen Job startest (meinen herzlichen Glückwunsch auch noch dazu und viel Glück dabei!).

    Aus meiner Erfahrung kann ich dir nur sagen, daß für dich jetzt eine entsprechende professionelle Reha zur Aufarbeitung und Verarbeitung des Ganzen und um dich ganzheitlich wieder "aufzubauen" ganz sicher das Beste wäre - lässt sich aber nicht mit deinem neuen Job vereinbaren. Ist mir auch klar.
    Bliebe dann nur noch eine entsprechende Therapie übrig, denn nur allein sich damit neben dem neuen Job oder am Wochenende zu beschäftigen, wird's ja auch nicht bringen, um den Kopf wieder einigermaßen frei davon zu bekommen.
    Versuch's doch also mal mit professioneller Hilfe, denn wir hier alle sind auch nur Laien, denke ich mal (obwohl der Austausch hier natürlich auch wichtig ist, keine Frage). Mir hatte es schon zweimal über längere Zeit echt etwas gebracht. Kommt auch immer darauf an, an wen man als Therapeuten gerät.

    Und sei bitte nicht zu ungeduldig bei der Aufarbeitung/Verarbeitung. Ich habe mein massivstes Mobbing-Erleben, was mittlerweile ca. 10 Jahre her ist (und durch jüngste Erlebnisse, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, wieder etwas aufgefrischt wurde), bis heute noch nicht vollständig bzw. restlos verarbeitet.
    Daher werde ich mich nächste Woche hier einer örtlichen Anti-Mobbing Selbsthilfegruppe anschließen, um meine ganzen Erfahrungen damit weiterzugeben, hoffentlich viele Erfahrungen auch aufnehmen zu können, darüber zu diskutieren und möglichst auch anderen, aktuell Betroffenen ein Stück weiter helfen zu können. Ich bin schon sehr gespannt darauf.

    VG Nickname
    Geändert von Nickname (22.02.2019 um 03:55 Uhr)

  10. #10

    Standard AW: Wehret den Anfängen-leichter gesagt als getan...

    Hallo Charlotte,

    ja gegen Menschen die sehr gut darin sind, andere emotional zu manipulieren ist sehr an zu gehen. so wie schreibst sind das ja entweder typisch weibliche Strategien (jetzt bitte keinen Shit-storm) oder narzisstische Techniken (konkret: vorgetäuschtes Selbstbewußtsein bei gleichzeitiger hoher Verletzlichkeit).

    Nachtrag: > in der Situation hast du Best-möglichst gehandelt! das will ich vorneweg stellen: wir handeln immer aufgrund unserer damaligen Erfahrungen/Wissen. Aus der Jetzt-Situation sind wir klüger. Zum damaligen Zeitpunkt war das die Bestmöglichste Reaktion <

    Gelernt habe ich es so: Die Situationen sofort ansprechen. Das hast du ja in der Situation getan. Allerdings hat es ja dann auch "Läster-Runden" gegeben, wie du schreibst. Auch diese ansprechen.
    Sinngemäß: heute hatte ich eine Situation mit einer Kollegin, ich möchte keinen Namen nennen. Ich schätze sie sehr wegen ihrer Fähigkeiten aber ich merke, es ist für manche noch etwas schwierig, sich an die (neue) Hierachie zu gewöhnen. Ich werde sie daher immer wieder darauf ansprechen. Mir ist ein reibungsloser Ablauf wichtig, freue mich über engagiertes Handeln - werde aber natürlich auch meinen Führungsrolle deutlich machen. Danke für eure Unterstützung.

    Damit nimmst du ihr den Wind aus den Segeln, sie kann nicht in die Opferrolle - da du sie für ihr Engagement lobst und betonst zugleich, dass hier einfach ein Prozess stattfindet, der ab und an Korrekturen bedarf.

    Und du wirst selbst zu Gestalter, weil DU ihr Verhalten und die Situation in einen (konstruktiven) Kontext setzt.

    Es kann durchaus sein, dass selber von Ihrem Verhalten überrascht war, dich gar nicht brüskieren wollte - aber sich dann halt schon verrannt hatte. Solche Menschen brauchen Bestätigung von außen.

    Ob das für deine Situation passt, weiss ich nicht, ob da die Parameter / der Zeitpunkt stimmig sind. Und die Formulierung ist sicher noch holprig. Aber ist vielleicht auch gar nicht wichtig, da es ja vorbei ist. Und daher als Lernsituation dienen kann. Wie kann ich meine Haltung/Einstellung dahingehend ändern (ist ja auch eine Einstellungsfrage, so etwas zu sagen, so dass es durchaus auch ehrlich gemeint sein kann).

    Ich hoffe, das hilft dir.
    Geändert von IchwarmalbeiderKirche (06.03.2019 um 20:19 Uhr)

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