Ergebnis 1 bis 10 von 10

Thema: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

  1. #1
    Registriert seit
    21.01.2019
    Ort
    vorhanden
    Beiträge
    286

    Standard Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    Hi oder hallo zusammen,

    ich habe mich ja schon in einigen anderen Threads/Themen zu meinem früher erfahrenen Mobbing als ich noch im Berufsleben stand und auch zu anderem, relativ ausgiebig geäußert.

    Jetzt möchte ich mich, getraue ich mich mal, mich aber mal zu meinen persönlichen "Befindlichkeiten" seit ca. 3 Jahren zu äußern und ggf. mit euch darüber zu diskutieren. Eigentlich kein Thema, was irgendwie aufsehenerregend ist, doch mich beschäftigt es schon sehr und für mich schon auch ungewöhnlich lange und ich kann derzeit diesbezüglich noch kein Ende absehen. Und dies wurmt bzw. ärgert mich schon ziemlich.

    Zur Sache:
    Wie ich sicher hier schon mal anderswo geschrieben habe, bin ich vor ca. 3 Jahren fast gleichzeitig mit der erfolgten vorzeitigen Verrentung (EU-Rente) nach über 17 Jahren wieder in meine alte Heimatstadt zurückgezogen.
    Seitdem fühle ich mich hier noch immer weitgehend fremd und auch die ganze Mentalität der meisten Leute hier ist mir irgendwie fremd. Zugleich komme ich noch immer nicht mit meinem "Rentnerstatus" richtig klar, mein Verstand weigert sich irgendwie noch immer, dies auch vollends zu akzeptieren, aber es ist nunmal die Realität.
    Für mich war dies alles (und ist es bis heute zum großen Teil noch) wie eine zweifache psychische Belastung, worauf ich mich vor ca. 2 Jahren entschloß, daraufhin in Therapie zu gehen. Ich habe zwar eine prima Therapeutin gefunden, wo die Chemie zwischen uns stimmt, wo ich aber bisher mit meinen eigenen Fortschritten dabei immer noch ziemlich am Anfang stehe bzw. selbst deswegen damit unzufrieden bin. Dies liegt wiederum nicht an der Therapeutin, wie ich denke.

    Ich habe inzwischen zahlreiche Vorschläge erhalten, was ich alles tun könnte und müßte, um z.B. allmählich ins "Rentnerdasein" hinüberzugleiten, aber mein Verstand wehrt sich eben noch heftig dagegen. Ich kann es einfach für mich noch nicht verstandesmäßig erfassen, daß mein Berufsleben schon seit einiger Zeit einfach zu Ende ist. Und deshalb schreibe ich es hier auch. Mir widerstrebt es auch fast, mich mit Gleichaltrigen zusammenzufinden, um nur noch irgendwelche Spiele oder z.B. auch Kurzreisen zu machen. So etwas würde ich dann vor allem als Zeittotschlagen ansehen.
    Zudem kommt eben noch mein Fremdheitsgefühl in der eigenen Heimatstadt, was kaum weggehen will trotz gelegentlichen Treffen mit neuen Bekanntschaften und ausgiebigen Ausflügen in die City und Umgebung.

    Also alles in allem nach wie vor ein ziemliches Unwohlsein in mehrfacher Hinsicht. Doch ich hoffe noch immer, daß es mir mit therapeutischer Hilfe gelingen mag, meinen derzeitigen Status anzuerkennen und das Beste daraus zu machen und mich vielleicht auch wieder in meiner Heimatstadt etwas wohler zu fühlen. Zu letzterem sagte mir meine Therapeutin, daß es bis dahin noch ein langer Weg sein kann...

    Was meint ihr dazu?
    Hat jemand von euch vielleicht schon mal solch eine oder ganz ähnliche Doppel-Erfahrung gemacht?
    Geändert von Nickname (23.02.2019 um 05:32 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    11.10.2014
    Beiträge
    835

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    hallo Nickname,
    vielleicht kannst Du dir "verstandesmäßig" mal klar machen, dass Kurz-oder Langreisen oder sonstige Unternehmungen, die man als Renter machen kann, nichts mit "Zeit totschlagen" zu tun haben. Es ist eine unter vielen Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern, Neues zu erfahren oder zu erlernen um die kleinen grauen Zellen auf Trab zu halten. Mache Dir doch mal bewußt welche Freiheiten Du als Rentner hast.Nicht mehr die Uhr oder die Arbeit bestimmt Dein Leben sonder DU kannst es gestalten.Ich muß da an die Cola Reklame denken: Ein älterer Mann dimpfelt da so vor sich hin. Dann bekommt er ein Cola ohne Zucker angeboten und plötzlich fragt er sich, was alles er noch nicht probiert hat in seinem Leben. Dann sieht man ihn in der Disco, auf dem Motorrad ect. Offensichtlich holt er nun alles nach, wozu die Zeit während seines Berufslebens nicht ausgereicht hat oder was er sich nicht getraut hat zu tun. Auch Du mußt doch neben Deiner Arbeit noch andere Interessen gehabt haben oder auch Träume???? Jetzt kannst Du sie verwirklichen. Das Leben besteht doch nicht nur aus Arbeit und wenn die nicht mehr da ist aus einem schwarzen Loch.
    Dass Du mit Deiner Heimatstadt nicht klar kommst ist verständlich. Du hast Erinnerungen, die aber nicht mehr Realität sind. Die Stadt und die Menschen haben sich im Lauf der Jahre ebenso verändert, wie Du auch. Jede andere Stadt hätte es ebenso getan wie Deine Heimatstadt, und Du würdest dort ebenso schnell oder langsam heimisch werden.

    Kurz, hör auf, in Dich hinein zu grübeln und mach aus Deinem Ruestand einen Unruhestand. Ich kann Dir nur aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Unruhe jung und geistig beweglich erhält.

  3. #3
    Registriert seit
    21.01.2019
    Ort
    vorhanden
    Beiträge
    286

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    Hallo cinderella,
    zum großen Teil hast du ja so recht. Ich möchte aber am liebsten noch so weiter agieren wie zu Zeiten, als ich noch im Job war, möchte mich am liebsten jede Woche mit vor allem jüngeren Leuten treffen, wünsche mir auch, nicht so auf's Geld schauen zu müssen. Aber mein Rentnerdasein ist nunmal vor allem auch mit vielen finanziellen Einschränkungen verbunden. Mein allgemeiner Lebensstandard ist seit der Verrentung schon ganz schön gesunken. Man hat zwar sehr viel Zeit, aber viel zu viel scheitert auch oft am nötigen Kleingeld. Besonders doof ist auch, daß den wenigen (jüngeren) Bekannten, die ich inzwischen (wieder) habe, vor allem durch den Job genau die Zeit fehlt, die ich eben habe, sodaß wir uns nur alle paar Monate treffen können.
    Und wenn ich schon irgendwo lese: Veranstaltung für (unsere) Senioren, dann stößt mich das regelrecht ab, denn ich fühle mich einfach noch nicht als "Senior" und ärgere mich manchmal darüber, daß es staatlich wie vorgeschrieben ist, wann man in Rente zu gehen hat und andererseits die meisten Firmen ja auch keine älteren Arbeitnehmer mehr haben wollen.
    Ich träume auch ziemlich oft davon, daß ich frühere Arbeitsplätze suche und sie einfach nicht (wieder)finden kann oder daß ich da noch arbeiten kann, aber kein Gehalt dafür bekomme, was natürlich demütigend ist.
    Was Reisen anbetrifft, da habe ich natürlich noch Wünsche und Träume. Aber genau da scheitert's besonders daran, daß ich mir's nur noch vom Ersparten leisten kann. Und was ist, wenn das mal aufgebraucht ist? Solche Fragen stelle ich mir eben auch. Früher hat man sich eine tolle Urlaubsreise meist vom 13. Monatsgehalt leisten können. Heutzutage bräuchte ich dazu eine 13. und 14. Rente, die's aber bekanntlich nicht gibt. Ich habe mir auch schon "heimlich" ausgerechnet, für wieviele längere Reisen mein Erspartes noch reichen würde... und das Ergebnis macht dann auch irgendwie beklemmend, weil es ja mit zunehmendem Alter logischerweise dann immer weiter bergab im Lebensstandard geht. Das sind schon alles keine schönen Zukunftsaussichten mehr, aber es wird die Realität sein. Und diese langsam zu akzeptieren, damit kämpfe ich derzeit noch.

  4. #4
    Registriert seit
    21.01.2019
    Ort
    vorhanden
    Beiträge
    286

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    Gerade in letzter Zeit plagen mich verstärkt wieder Träume, die mittlerweile schon zu Albträumen geworden sind und die mich danach noch stundenlang beschäftigen und mich in in eine depri-hafte Stimmung versetzen. Manchmal ist sogar der ganze Tag danach wie "im Eimer".
    Das Thema dieser Träume sind immer wieder meine früheren Arbeitsplätze, die mir entweder versperrt werden oder ich sie einfach nicht wiederfinden kann verbunden mit der Erfahrung (im Traum), daß ich keine Entlohnung und somit keine Anerkennung für meine Arbeit mehr bekomme. Dabei wird mir immer wieder auf Nachfrage gesagt: Ja, du gehörst ja noch zur Firma, bist aber schon Rentner und Rentner bekommen nunmal kein Geld mehr von uns.
    Ich schäme mich dann schon ziemlich dafür und ärgere mich auch über die fehlende Anerkennung durch entsprechende Entlohnung.

    Klar zeigen mir diese Albträume, daß ich noch lange nicht in meinem realen Rentnerdasein angekommen bin. Nur: Was kann man gegen solche furchtbaren Albträume tun?

    Früher hatte mir mal geholfen, das Traumgeschehen von Albträumen unmittelbar danach aufzuschreiben, um nicht wieder solchen belastenden "Mist" zu träumen.
    Heute, jetzt hilft das leider auch nicht mehr. Muß man solche Träume, die einem manchmal noch den ganzen Tag versauen, einfach über sich ergehen lassen mit der Selbst-Begründung dafür, das Unterbewusstsein verarbeitet das eben alles noch oder wie?

  5. #5
    Registriert seit
    11.10.2014
    Beiträge
    835

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    suche Dir eine Beschäftigung! Hier z.B. gibt es einige Rentner, die helfen, wenn es mal kleinere Reparaturen im Haus oder in der Wohnung zu machen gibt. Andere helfen beim Renovieren oder beim Aufbau von Möbeln aus dem " Imbus Haus". Du kannst damit Deine Rente aufbessern, kommst raus und unter Leute und last not least hast was zu tun. Ist allemal besser als zu Hause sinnfrei herum zu grübeln oder zu träumen

  6. #6
    Registriert seit
    21.01.2019
    Ort
    vorhanden
    Beiträge
    286

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    Danke, cinderella, für deine Tipps!
    Ganz so untätig war ich ja bis vergangenes Jahr gar nicht mal.
    Noch im Jahr meiner Rückkehr hatte ich einen Minijob (450 € Basis) in einem Hotel, der für mich sehr abwechslungsreich war. Ich habe ihn dann allerdings aufgeben müssen, da Mobbing durch die Hotel-Chefin im Anfangsstadium erfolgte... und ich nunmal aus früheren Erfahrungen damit wie ein "gebranntes Kind" bin.
    Danach hatte ich dann noch einen auf ein Jahr befristeten ebenfalls Minijob in einem hiesigen großen Konzerthaus, wo ich mich auch sehr wohl gefühlt hatte, der aber leider nicht verlängert wurde.

    Na ja, vielleicht sollte ich mir wieder so etwas suchen. Habe manchmal auch schon wieder darüber nachgedacht.

    Es ist ja auch nicht so, daß ich tagsüber über mein Rentnerdasein irgendwie groß nachgrübele. Doch in schon heftigen Träumen beschäftigt sich offenbar mein Unterbewusstsein noch sehr damit.

    Denkst du bzw. glaubst, daß solche Träume durch wieder mehr außerhäusliche Aktivitäten wirklich verschwinden werden?
    Ich dachte nur, daß es auch noch andere "Strategien" geben müßte, wie man gegen solche Albträume vorgehen könnte.

    Vielleicht ist es aber auch nur wie ein ganz normaler, natürlicher Vorgang, daß erst jetzt mein Kopf die relativ neue Realität für mich verarbeiten kann und muß und daß dann solche Albträume einfach mit dazugehören (?).

  7. #7
    Registriert seit
    11.10.2014
    Beiträge
    835

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    Hallo Nick,
    ich könnte mir schon vorstellen, dass Deine Albträume aufhören wenn Du eine Beschäftigung hast.Würde ich mich in Küchenpsychologie üben würde ich sagen, dass Dir einfach die Wertschätzung fehlt, die Du im Arbeitsleben erfahren hast.Im Traum bekommst Du kein Geld für Deine Arbeit, also keine Anerkennung. Das ist quasi ein Spiegel Deines momentanen Renterdaseins. Aber wie gesagt, reine Küchenpsychologie ohne Anspruch auf Richtigkeit.
    Auf Dauer gesehen würde ich Dir jedoch dringend raten, Dir ein Hobby zuzulegen oder gänzlich neue Dinge in Angriff zu nehmen (Sprache lernen, reisen und neue Länder und Kulturen erfahren). Wenn Du die kleinen grauen Zellen nicht auf Trab hältst und nicht neugierig auf das Leben bleibst, offen gegenüber bisher Unbekanntem bist, wirst Du irgendwann grübelnd in einer Ecke hocken und unzufrieden mit Deinem Schicksal hadern

  8. #8
    Registriert seit
    24.11.2008
    Ort
    Lüneburg
    Beiträge
    546
    Blog-Einträge
    4

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    Ich bin ja schon vor Jahren ins Forum gekommen und es hat mir sehr geholfen. Auch in Zeiten der Langeweile oder der "gefühlten Nutzlosigkeit". Besonders gut finde ich die Möglichkeit auch in der Nacht aktiv zu sein. ( Schlaflosigkeit !!! )
    Da bin ich oft stundenlang im Forum gewesen.
    Ich kenne also Deinen Zustand sehr genau. Bei mir dauerte das Nutzlosigkeitsgefühl einige Monate und war sehr intensiv. Aber, so langsam hat sich das abgebaut. was mir auch gut geholfen hat, waren Tiere (Katze) , Pflanzen (gärtnern) und Lesen. Schlecht war Fernsehen.
    Don't worry, be happy !

  9. #9
    Registriert seit
    21.01.2019
    Ort
    vorhanden
    Beiträge
    286

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    Hallo ihr beiden,

    danke erstmal für eure Rückmeldungen!
    Ja, mit der fehlenden Anerkennung ist schon was Wahres dran. Man will sich eben noch irgendwie nützlich machen und dafür auch ein bischen was noch Finanzielles erhalten. So war man es ein Leben lang gewohnt.
    Ich hätte hier schon noch so etwas wie ehrenamtliche Tätigkeiten, die mich interessieren würden, doch die würden mir noch zusätzlich kosten (z.B. Fahrtkosten), wo es nicht mal eine Aufwandsentschädigung gibt. Vieles scheitert eben einfach am schmalen finanziellen Budget, was mir zur Verfügung steht. Das soll keine Ausrede sein, ist einfach so.
    Ich hatte ja schon mal zwei herrliche Kreuzfahrten bis nach Ägypten und Israel gemacht und davon zehre ich heute noch. Das war aber alles, als ich noch im Job war und ziemlich gut verdiente. Jetzt hat man viel mehr Zeit dafür, aber es mangelt oftmals einfach dann am nötigen "Kleingeld".

    Und was Hobbys anbetrifft, ist das sicher auch noch ausbaufähig. Da gebe ich euch absolut recht. Eines meiner Hobbys ist z.B. selber Kochen oder vor allem im Herbst Wandern.
    Mit Tieren zuhause hab ich's nicht so. Außerdem wäre meine Wohnung auch ein bischen zu klein dafür.
    Gärtnern tue ich auch gern. Hatte ich auch lange Zeit machen können bei meiner vorhergehenden Wohnung, wo ich direkt vor der Terrasse noch einen eigenen, zur Wohnung gehörenden Garten hatte. Diese Wohnung, wo ich mich auch wegen des dazugehörigen Gartens sehr wohl gefühlt hatte, mußte ich leider mit meiner Verrentung aufgeben, da ich die Kosten (Miete) nicht mehr tragen konnte.

    Ja, es sind eben einige Verluste, die man mit der Verrentung in Kauf nehmen muß. Job weg, bisherige Wohnung weg, bisheriger Bekanntenkreis weg und bedeutend weniger Geld und nicht zuletzt die Anerkennung von Anderen weg.
    Und ich bin vielleicht ein Typ, dem es ziemlich schwer fällt, sich auf völlig neue Gegebenheiten einzustellen. Doch ich bin ja, auch mit therapeutischer Hilfe, dabei, mich dennoch langsam darauf einzustellen. Und dabei hilft mir auch die Diskussion darüber mit euch!

    Was mir auch sehr gut tat und worüber ich in einem anderen Thread schon geschrieben hatte, war die kürzliche Beteiligung an einer Anti-Mobbing Selbsthilfegruppe hier vor Ort. Da ist man mit Leuten zusammen, die meist noch voll im Berufsleben stehen und es tut einfach gut, sich da mit seinen eigenen Erfahrungen auch hilfreich einbringen zu können. Leider sind die Treffen nur monatlich. Von mir aus könnten sie jede Woche sein.

    Ich denke, daß ich allgemein gesagt auf dem richtigen oder einem guten Weg bin, auch mit dem Austausch mit euch darüber, aus meiner "neuen" Situation das Beste zu machen. Habt aber bitte Geduld mit mir.

    VG Nickname

  10. #10
    Registriert seit
    24.03.2019
    Ort
    Universum
    Beiträge
    449

    Standard AW: Stadtfremd und gleichzeitig aus dem Berufsleben raus - Wie geht man damit um?

    So, nach über zwei Monaten möchte ich euch mal ein durchaus positives Update zum Thema geben.
    Durch meine vielfältigen Aktivitäten, von denen ich bereits im Klassentreffen-Thread schrieb, geht es mir seit vielen Wochen psychisch immer besser. Der sich ständig ausweitende Kontakt, persönlich aber vor allem telefonisch und auch schriftlich, mit ehemaligen Mitschülern tut mir persönlich unwahrscheinlich gut.
    Die bisherigen schrecklichen Träume sind völlig verschwunden. Aber nicht nur das. Der Austausch mit alten bzw. altbekannten Freunden und ehemaligen Mitschülern erzeugt bei mir immer mehr indirekt das Gefühl, mich wieder mehr und mehr in meiner Heimatstadt heimisch zu fühlen. Ein unwahrscheinlich tolles, neues Gefühl, welches aber noch sehr ausbaufähig ist!
    Da rückt wieder längst Vergangenes und zum Teil auch Vergessenes wieder voll ins eigene Bewusstsein. Und es tut auch gut, zu erfahren, wie es anderen geht und ergeht, die entweder hier in der Heimat geblieben sind oder auch noch viel länger als ich je weg war, schon weg sind. Da hörte ich auch eine Geschichte von einem, der jedes zweite oder dritte Jahr ganz bewußt seinen jährlichen Haupt-Urlaub hier in der alten Heimat verbringt, weil er sich dann nichts Besseres vorstellen kann. So eine Ansicht hat mich schon sehr beeindruckt.
    Und, vor allem, weiß man sich jetzt durch den engen Kontakt miteinander immer mehr wieder miteinander auch verbunden. Gleichaltrige von einst sind eben auch Gleichaltrige von heute. Es entsteht wieder ein Gemeinschaftsgefühl auf der Basis der gemeinsamen alten Heimat. - Eigentlich alles völlig normal und nichts Außergewöhnliches für Außenstehende. Doch für mich ist das, was da seit einigen Wochen schon passiert, abläuft, schon ein großer Zuwachs an Lebensqualität einfach, weil ich dadurch immer mehr meine alte Heimatstadt wieder annehmen kann, auch mit all ihren mittlerweile Veränderungen.
    Und gleichzeitig kann man, kann ich die Veränderungen der Stadt auf meine eigenen Veränderungen projizieren. Ich komme mit meiner eigenen Situation im Rentnerdasein jetzt auch immer besser klar. Vielleicht seltsam, von außen betrachtet, aber wahr.

    Da hört man die Geschichten von alteingesessenen Mitschülern über ihren privaten und beruflichen Lebensweg, es werden stadtgeschichtliche Highlights in Erinnerung gerufen... und man hört aber auch die Lebens- und Schicksalgeschichten von Einigen, die schon seit Jahrzehnten hier von ihrer Heimat weg sind, zunächst am Telefon.
    Dies alles ergibt fast wie ein buntes Mosaik oder Puzzle, in dem man sich selbst nur noch als Teil sieht.
    Es existiert noch eine Gemeinschaft, dessen Basis die (gemeinsame) Heimat und das gleiche Alter und zum Großteil auch der gemeinsame soziale Status ist.
    Da kann man die eigenen Gefühle von Stadtfremdsein und Klarkommen mit dem Rentnerdasein völlig neu justieren und bewerten. Und dies tut schon sehr gut. Man entwickelt neue Sichtweisen, bisherige Bewertungen verändern sich.

    Für einige, die seit ewigen Zeiten hier wohnen geblieben sind, ist die Heimat fast Selbstverständlichkeit. Für andere wiederum etwas ganz Wertvolles und speziell für mich noch immer etwas wie Neuland, daß es einfach zu beackern gilt. Und nun habe ich aber zahlreiche Verbündete dazu. Das ist das, was jetzt neu für mich ist und was zählt!

    Ganz ähnlich ist es mit der Situation nach dem Berufsleben. Da gibt es schon einige Gleichaltrige, mit denen man sich ja vergleichen kann und sollte, die gar nicht mehr am Leben sind oder viele andere, die gesundheitlich schon sehr eingeschränkt sind. Und im Vergleich damit wird einem die eigene Befindlichkeit viel klarer und bewusster und man wertschätzt sie einfach mehr. Man wertschätzt besonders die eigene Gesundheit viel mehr und auch die ganzen Freiheiten jetzt, die man als nicht mehr im Job eingebundener Mensch einfach hat.

    Ich hätte nie gedacht, daß mir der Wieder-Kontakt zu vielen meiner ehemaligen Mitschüler so viel Positives für mich selbst bringen kann, was letztlich jetzt auch die Wieder-Annahme meiner alten Heimat und die Selbstanerkennung meines sozialen Status' mit allem Drum und Dran stark befördert hat.

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •