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Thema: Wandlung vom "Opfer" zum Täter - Wie ist so etwas möglich?

  1. #1
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    Standard Wandlung vom "Opfer" zum Täter - Wie ist so etwas möglich?

    Hallo zusammen,

    in der Anti-Mobbing Selbsthilfegruppe (SHG), in der ich gestern bzw. vorgestern zum ersten Mal war, berichtete eine Teilnehmerin davon, daß sie es selbst erlebt habe bzw. hatte, daß eine einst selbst Gemobbte vom "Opfer" zur Täterin wurde.
    Ich war erst einmal völlig verdutzt, perplex, baff darüber, daß es so etwas überhaupt gibt bzw. geben kann. Leider fehlte es an der Zeit in der SHG, dies noch weiter zu hinterfragen und zu besprechen, wie z.B. dieser Wandlungsprozeß vonstatten ging, wie es einst für sie war und was sie heute so alles treibt. Aber: Hochinteressant zu wissen, daß es so etwas überhaupt auch gibt.

    Was meint ihr, wie kann ein Mobbing"opfer" später selbst zum Täter, zum Mobber werden? Wie ist so etwas möglich? Was sind das eurer Meinung nach für "Persönlichkeiten", die sich anscheinend derart wandeln können? Was steckt möglicherweise alles dahinter?

    Auf all diese Fragen weiß ich bisher keine Antwort, auch, weil ich dies bisher für unmöglich gehalten hatte.

  2. #2
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    Standard AW: Wandlung vom "Opfer" zum Täter - Wie ist so etwas möglich?

    Lieber Nickname,

    Menschen können viel-wenn sie wollen....

    Ich denke, dass in so einem Fall eine ganze Reihe von Komponenten zusammenkommen müssen.

    1) Die Bereitschaft sämtliche Werte, die einem bis dahin wichtig waren-über "Bord " zu werfen.
    2) Ein Umfeld, das diese Veränderung unterstützt
    3) Nicht zu hohes Lebenalter.

    LG

  3. #3
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    Standard AW: Wandlung vom "Opfer" zum Täter - Wie ist so etwas möglich?

    Liebe Cricri,

    sehr interessante Betrachtungsweise. Danke dir dafür!

    Ich würde jetzt vielleicht noch einen weiteren, möglichen Aspekt hinzufügen:
    Vielleicht sind es auch Menschen, die ehemals gläubig waren ODER eben gläubig geworden sind und dadurch zu einem ganz anderen Menschenbild gekommen sind und ihre Psyche heute ganz anders "tickt" als früher.

    Da ich schon immer ziemlich musikinteressiert bin, fallen mir gerade aus diesem Genre zwei Personen ein, die jeweils sehr erfolgreich waren, bevor sie zum Islam konvertierten und sich zugleich einen völlig neuen Namen zulegten.
    Zum einen ist das der ehemalige Cat Stevens (jetzt Yusuf Islam) und zum anderen die ehemalige Sinéad O’Connor (jetzt Shuhada’ Davitt).
    Diese beiden hatten ja auch die Bereitschaft dazu, alle ihre bisherigen Werte über Bord zu werfen.

    Sicherlich, insofern stimme ich dir auch zu, müssen da mehrere Komponenten zusammenkommen, die eine solche Wandlung ermöglichen. Und es gibt wahrscheinlich noch eine Reihe anderer Faktoren, die dabei eine entscheidende Rolle spielen können.
    Na ja, vielleicht erfahre ich in dieser SHG noch etwas mehr über die möglichen oder auch wahren Gründe dieser enormen Wandlung dieser speziellen Person, von der da die Rede war.

    Mir fällt jetzt gerade noch wie ein Beispiel aus meiner Kindheit/Jugend dazu ein:
    Als Kind hatte ich einen 2 Jahre jüngeren Spielkameraden aus dem Nebenhaus, der etwas pummelig (dicklich) und trantütig, also wenig agil war und seinerzeit wenig Selbstbewußtsein hatte, obwohl er z.B. viel besseres Spielzeug als ich hatte. Na jedenfalls verloren wir uns irgendwie aus den Augen, als ich ungefähr 14 war. Rund 5 Jahre später sprach mich dann ein mir zunächst völlig Unbekannter auf der Straße an... und es war mein ehemaliger Spielkamerad L.
    Er war inzwischen ein ganzes Stück größer als ich, ziemlich schlank und muskulös und trug die schicksten Sachen und kam sehr agil rüber - also das glatte Gegenteil zu einst und somit für mich erst einmal absolut nicht wiederzuerkennen. Da hatte ich mich zunächst auch gefragt, wie so was nur möglich sein konnte.
    Da wir uns dann, nach dieser zufälligen Wiederbegegnung nur noch wenige Male getroffen hatten, weiß ich auch nur wenig über die Hintergründe. Nur soviel: Seine Eltern ließen sich zwischenzeitlich scheiden, er verkraftete dies kaum, verließ das Elternhaus und zog - als Minderjähriger! - wie in eine WG, was seinerzeit (Ende der 60er) schon etwas außergewöhnlich war, hatte dann zeitweise Kontakt mit Kriminellen, von denen er sich (auch) wieder lösen konnte und stand dann, als ich ihn wiedertraf bzw. er mich, mit fester Freundin schon auf eigenen Beinen.
    Und ich beneidete ihn ein wenig, weil ich da noch bei meinen Eltern lebte und er sagte mir dann aber auch, daß er mich früher, in der Kindheit, immer etwas beneidet hätte wegen meiner ganzen Art und ich ihm damit wie zu einem Vorbild geworden wäre, auch mal so ähnlich zu werden wie ich einst.
    Leider ist dann keine längere Freundschaft mehr daraus geworden...

    Ach, was schreibe ich hier alles?! Wollte ja nur mal kurz noch eine eigene Geschichte dazu erzählen, wie sich auch Menschen ganz schön wandeln/verändern können.

    LG Nickname

  4. #4

    Standard AW: Wandlung vom "Opfer" zum Täter - Wie ist so etwas möglich?

    Hi,

    wer weiss, ob überhaupt eine Wandlung stattgefunden hat.
    Beleidigung/Übervorteilung ist ja nur so lange doof, wie man betroffen ist - als Täter ist das sofort was anderes.

    Opfer-Täter-Verschränkungen sind in der Psychologie quasi gang und gäbe. aus Opfer werden Täter, sie sehen ja, dass man mit einer Täterkultur ja offensichtlich gewinnen kann und Erfolg hat. Zudem sind die meisten Menschen auch schlicht überfordert, eigene (mobbingfreie) unabhängige Handlungs- und Wertenormen zu etablieren.

    Nicht wenige Täter handeln ja auch aus einer gefühlten Haltung der Defensive, nach dem Motto: die anderen sind gegen mich, ich muss mich mit allen Mitteln wehren. Teils bewußt teils unbewußt.

    Die Täterin ist bei mir sehr perfide vorgegangen: Sie hat sich als das Opfer verschiedenster Personen dargestellt. Obwohl den meisten Anderen klar war, dass dies nicht der Fall ist, wurde meist zu ihren Gunsten entschieden (Ausschluss ihres Mobbing-Opfers). Auf ihr fremdverletzendes Verhalten angesprochen antwortete sie (völlig erstaunt), "warum, dass machen doch alle so?"

    Ich kenne Menschen, die sich sehr schnell von anderen angegriffen fühlen, die sehr schnell andere für ihr schlechtes Gefühl verantwortlich machen - ohne sich bewußt zu sein, dass die davor den anderen durch Worte und Taten verletzt haben. Diese Menschen haben eine so destruktive Sprache (und damit undifferenziertes Denken), dass sie gar nicht anders können als in negativen Kategorien zu denken und dann meist in sozialen Kontexten zu handeln.

    Sinead o conor ist übrigens (laut wiki) nicht zum Glauben konvertiert, sondern hat sich zeitlebens an diesem Thema abgearbeitet, da sie als Kind Opfer der Kirche geworden ist. Ein Saulus hat sich nicht verändert, als er zum Paulus wurde, er hat nur den Inhalt seines Tuns, aber nicht sein tun an sich gewechselt. Ich Nelson Mandela, bekannt für seine Reconciliation Politik war anfangs durchaus bereit, auf Gewalt zu bauen. Die Menschen sind nicht Schwarz/Weiss, Opfer/Täter.

    Auf deinen Jugendbekannten bezogen: Es ist einfach, Menschen für etwas zu beneiden, wenn man den Preis dafür nicht kennt. Und meist beneidet man Menschen für etwas, was in einem durchaus auch selber schlummert.

  5. #5
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    Standard AW: Wandlung vom "Opfer" zum Täter - Wie ist so etwas möglich?

    Hallo Ichwarmalbeiderkirche,

    sehr interessante Betrachtungsweise auch von dir, über die ich erstmal noch gründlicher nachdenken muß.
    Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist praktisch fast jedes Opfer unter bestimmten Bedingungen auch in der Lage zum Täter zu werden und umgekehrt.
    Das Beispiel mit Nelson Mandela finde ich schon sehr passend. In jungen Jahren beim ANC, der einst mit Terrorakten versuchte, die Wirtschaft des Landes teilweise lahmzulegen... bis der ANC und somit Mandela nach langen Jahren der Gewalt irgendwann abschworen.

    Ich denke jedoch, daß es dann doch eine Wandlung ist, die diese Menschen durchmachen bzw. durchmachten, die auch durch bestimmte Lebensereignisse und -erfahrungen geprägt wurde.
    Ein weiteres prominentes Beispiel dafür ist vielleicht auch Gerd Bastian. Der frühere Bundeswehr-General wurde in den 80er Jahren schließlich Aktivist und Mit-Anführer der Friedensbewegung. Da habe ich damals auch ziemlich gestaunt, daß ein Mensch eine solche Wandlung durchmachen konnte.

    Wenn ich weiter überlege, sind auch Mut und bestimmte Charaktereigenschaften von Menschen mit maßgebend, ob sie wandlungsfähig sind oder nicht. Man denke dabei nur mal an die ganzen Generäle, die unter Hitler erst zu solchen wurden und sich dann aber maßgeblich am Hitler-Attentat 1944 beteiligten und danach hingerichtet wurden.
    Gegenteilige Beispiele gibt es sicher auch genug, wo dann auch das Zitat von Abraham Lincoln zutrifft:
    "Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht."

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