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Thema: Mobbing - gabs das schon vor 40 Jahren?

  1. #1
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    1

    Standard Mobbing - gabs das schon vor 40 Jahren?

    Hallo mein Name ist Claus (ist er natürlich nicht ;-) aber so kann man besser kommunizieren)

    Ich bin heute Mitte 50, Familienvater, beruflich recht erfolgreich, eigentlich auch gut integriert.

    Mir ist nun folgendes passiert:

    Ich habe eine sehr gute Freundin, die im Therapeutischen Umfeld tätig ist. Neugierig, wie ich bin habe ich Ihr Fragen zu Ihrem Beruf gestellt, vor allem, wie Therapie funktioniert etc..

    Es war ein sehr intensives Gespräch, bei dem von meiner Seite keine persönlichen Informationen eingeflossen sind.
    Das ist jetzt ein paar Tage her, ich habe mal mehr, mal weniger darüber nachgedacht aber auf einmal passiert etwas in mir, was mich vollkommen irritiert.


    Ich musste wieder über meine Vergangenheit nachdenken. Insbesondere über meine Schulzeit. So etwas von der 1. bis zur 8. Klasse, war ich eher nicht akzeptiert. Ich durfte nirgends mitmachen, durfte mich in der Pause nicht dazustellen. Es hat keiner mit mir geredet (stimmt eigentlich nicht - einer war ab und zu für mich da). Im Bus hab ich mich auf einen Einzelsitz gesetzt. Einmal hat man mir die Hausaufgaben aus dem Heft gerissen.
    Irgendwie war ich auch immer der Klassenkasper, deshalb bin ich dann auch in der 9. von der Schule geflogen.

    Irgendetwas muss an mir gewesen sein, dass mich keiner gemocht hat. Nur hab ich bis heute noch nicht herausgefunden, was das genau das war... Spielt wahrscheinlich keine Rolle mehr.

    Dann hat was "klick" gemacht und ich habe etwas geändert.

    Meine weitere Laufbahn war dann "besser": Schule nachgeholt, Studium, klassische Karriere vom Sachbearbeiter zum Gruppenleiter, Abteilungsleiter, seit 10 Jahren Geschäftsführer.
    Auch persönlich ist alles gut: Seit 30 Jahren glücklich verheiratet, 2 Kinder, zu denen ich ein sehr gutes Verhältnis habe.

    Aber nach dem Gespräch mit meiner Freundin wurden mir ein paar Dinge mal wieder bewusst:

    Ich habe ein Hang dazu mich Institutionen anzuschließen, wo man "pflichtbefreundet" ist: Studentenverbindung, Serviceclubs etc..
    Ich lass Menschen ungern an mein Innerstes heran. Engagiere mich im Gegenzug aber für Andere, Benachteiligte und versuche möglichst vielen Menschen zu helfen.
    Ich hasse es für etwas gelobt zu werden, ich mag keine Hilfe von anderen annehmen.
    Mein Sohn war lange sehr krank und ich hab ihn in der Zeit gerne und beinahe täglich im Krankenhaus besucht. Als ich selbst im Krankenhaus war, konnte ich die Vorstellung nicht ertragen, dass jemand etwas wichtiges absagt um mich zu besuchen.

    Das wurde mir in den letzten Tage bewusst. Ich hab jetzt 30 Jahre super gelebt und auf einmal mache ich mir über diesen Blödsinn in meiner Kindheit Gedanken.

    Kann mir jemand einen Tipp geben, wie ich das wieder loswerde? (Vielleicht hilft ja schon das aufschreiben, andere haben ja viel Schlimmeres erlebt)

    Danke schon mal vorab!

    Claus

  2. #2
    Avatar von iceberg
    iceberg ist offline Sehr erfahrenes Forumsmitglied des Mobbingforums
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    Standard AW: Mobbing - gabs das schon vor 40 Jahren?

    auf einmal mache ich mir über diesen Blödsinn in meiner Kindheit Gedanken ...


    Ein typisches Luxusproblem. Vergiss es einfach.
    von Natur aus cool

  3. #3
    Avatar von Andy_
    Andy_ ist offline besonders erfahrenes Mitglied des Mobbingforums
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    Standard AW: Mobbing - gabs das schon vor 40 Jahren?

    Zitat Zitat von clausschr Beitrag anzeigen
    Hallo mein Name ist Claus (ist er natürlich nicht ;-) aber so kann man besser kommunizieren)

    Ich bin heute Mitte 50, Familienvater, beruflich recht erfolgreich, eigentlich auch gut integriert.

    Mir ist nun folgendes passiert:

    Ich habe eine sehr gute Freundin, die im Therapeutischen Umfeld tätig ist. Neugierig, wie ich bin habe ich Ihr Fragen zu Ihrem Beruf gestellt, vor allem, wie Therapie funktioniert etc..

    Es war ein sehr intensives Gespräch, bei dem von meiner Seite keine persönlichen Informationen eingeflossen sind.
    Das ist jetzt ein paar Tage her, ich habe mal mehr, mal weniger darüber nachgedacht aber auf einmal passiert etwas in mir, was mich vollkommen irritiert.


    Ich musste wieder über meine Vergangenheit nachdenken. Insbesondere über meine Schulzeit. So etwas von der 1. bis zur 8. Klasse, war ich eher nicht akzeptiert. Ich durfte nirgends mitmachen, durfte mich in der Pause nicht dazustellen. Es hat keiner mit mir geredet (stimmt eigentlich nicht - einer war ab und zu für mich da). Im Bus hab ich mich auf einen Einzelsitz gesetzt. Einmal hat man mir die Hausaufgaben aus dem Heft gerissen.
    Irgendwie war ich auch immer der Klassenkasper, deshalb bin ich dann auch in der 9. von der Schule geflogen.

    Irgendetwas muss an mir gewesen sein, dass mich keiner gemocht hat. Nur hab ich bis heute noch nicht herausgefunden, was das genau das war... Spielt wahrscheinlich keine Rolle mehr.

    Dann hat was "klick" gemacht und ich habe etwas geändert.

    Meine weitere Laufbahn war dann "besser": Schule nachgeholt, Studium, klassische Karriere vom Sachbearbeiter zum Gruppenleiter, Abteilungsleiter, seit 10 Jahren Geschäftsführer.
    Auch persönlich ist alles gut: Seit 30 Jahren glücklich verheiratet, 2 Kinder, zu denen ich ein sehr gutes Verhältnis habe.

    Aber nach dem Gespräch mit meiner Freundin wurden mir ein paar Dinge mal wieder bewusst:

    Ich habe ein Hang dazu mich Institutionen anzuschließen, wo man "pflichtbefreundet" ist: Studentenverbindung, Serviceclubs etc..
    Ich lass Menschen ungern an mein Innerstes heran. Engagiere mich im Gegenzug aber für Andere, Benachteiligte und versuche möglichst vielen Menschen zu helfen.
    Ich hasse es für etwas gelobt zu werden, ich mag keine Hilfe von anderen annehmen.
    Mein Sohn war lange sehr krank und ich hab ihn in der Zeit gerne und beinahe täglich im Krankenhaus besucht. Als ich selbst im Krankenhaus war, konnte ich die Vorstellung nicht ertragen, dass jemand etwas wichtiges absagt um mich zu besuchen.

    Das wurde mir in den letzten Tage bewusst. Ich hab jetzt 30 Jahre super gelebt und auf einmal mache ich mir über diesen Blödsinn in meiner Kindheit Gedanken.

    Kann mir jemand einen Tipp geben, wie ich das wieder loswerde? (Vielleicht hilft ja schon das aufschreiben, andere haben ja viel Schlimmeres erlebt)

    Danke schon mal vorab!

    Claus

    Sehr interessanter Beitrag von dir, lieber Claus!
    Ich denke, es ist nichts weiter als das Bewußtwerden, daß dich die Erfahrungen aus deiner Kindheit und Jugend dein Leben lang nunmal prägen, geprägt haben. Das ist bei jedem Menschen so, denke ich. Mitunter kann eine relativ plötzliche Erkenntnis dessen sehr schmerzlich sein oder eben zunächst in einen Erkenntnisprozeß münden.
    Mir ist dies alles auch erstmals bewußt geworden, als ich noch rund 10 Jahre jünger war, als du jetzt bist. Doch es war für mich persönlich eine fundamentale Erfahrung von größtem Gewicht.

  4. #4
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    Standard AW: Mobbing - gabs das schon vor 40 Jahren?

    Hallo Claus,

    Mobbing gab es mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor 400 Tsd oder gar 4 Mio Jahren ;-)

    Das sog. Aufhassen, nach Konrad Lorenz, ist die Abwehrhaltung höherer Säugetiere gegenüber ihnen fremden Artgenossen. Sprich alle die nicht zum eigenen Rudel gehören.
    Da wir Menschen auch Wirbel-/Säugetiere sind, wenn auch spezielle, besitzen wir diese Eigenart, oder besser die seit Urzeiten evolutionär sich als Arterhaltende Leistung bewährende Verhaltensweise, wie alle anderen gruppenbildende Spezies.

    Nur , dass wir heute nicht mehr in einer auch nur annähernd so gefährlichen wie von Mangel geprägten Umwelt leben wie unsere urzeitlichen Vorfahren.
    Das kommt uns heute mehr in die Quere als das es der Weiterentwicklung der Spezies Mensch zuträglich wäre.
    Ein breites Bewusstsein darüber, was einen besseren Umgang mit dieser heute "Unart" ermöglichen würde wird auch nicht wirklich gefördert, bzw. ausgebildet.
    Dies hat vielerlei Ursachen und Beweggründe deren Ausführung hier den Rahmen wohl sprengen würde.

    Zu Dir persönlich meine ich, dass Du, gem. Fritz Riemann "Grundformen der Angst", ein Mensch bist der eher Angst vor der Hingabe hat, also eine schizoid veranlagte Persönlichkeitspräferenz besitzt.
    Das hat nichts pathologisches an sich sondern hat auch viele Vorteile, die Dir im Beruf und in der Karriere den Aufstieg ermöglicht hat.
    Trotzdem, dass Du vom Typus her vielleicht eher ein Einzelgänger bist, das Alleinsein Dir wenig ausmacht, suchst Du die Nähe zu anderen Menschen in wie Du es nennst eher institutionellen Gemeinschaften, in denen Du teilhaben kannst ohne zu sehr im Vordergrund zu stehen oder Dich an andere annähern zu müssen.

    Dazu bist Du recht selbstlos und hilfst anderen gerne bei Problemen, da Dir Deine Veranlagung dazu verhilft von einer höheren Warte klarer und unverzerrt von Emotionen/Beziehungen auf Probleme zu schauen und daraus gekonnte und praktikable Lösungen zu kreieren.
    Das bringt Dir einerseits die Anerkennung die auch Du benötigst aber auf der anderen Seite fordern dann die Dankbarkeit der anderen Gefühle von Dir ab die Dich unsicher, gar verlegen und manchmal vielleicht sogar ärgerlich machen. Man nennt solche Menschen wie Dich auch "Grosse gerne klein" ;-)

    Menschen wie Du sind anderen allerdings suspekt, da sie wenig in Superlativen denken und fühlen und daher für das Umfeld eher langweilig, gar Spassbremsen sind. Den Versuch dies mit "Kasperltheater" zu überspielen, eine Rolle die Dir eigentlich gar nicht liegt, führte dann auch zum entsprechenden Ergebnis.

    Menschen wie Du sind eher die Kühlen, die Unnahbaren unter uns die dann aber, wenn es brennt, zu 100% zur Stelle sind und mit kühlem Kopf und klarem Verstand zu Werke gehen, wenn andere den Kopf schon längst verloren haben. Daher wundert es mich auch nicht sonderlich, dass Du beruflich eine tolle Karriere aufgebaut hast :-)

    Das was Du erlebt hast war ein wichtiger Teil Deiner Seins-Werdung. Du musst es nicht loswerden sondern sehe es einfach so, dass dies ein wichtiger Baustein in Deiner Entwicklung war, der Dich zu dem erfolgreichen Menschen gemacht hat der Du heute bist. Indem Du Dir treu geblieben bist und nicht indem Du versucht hast es allen recht zu machen.
    Genau dadurch wurdest Du zu der, ich denke, geachteten und gern gesehenen Persönlichkeit die Du heute bist.

    Von daher ist das Heraufsteigen all dieser Gedanken alles kein "Blödsinn", sondern vielleicht der bislang ungestillte Hunger danach zu wissen, warum Du heute der bist der Du bist.
    Es ist das was Dich ausmacht und Dich zu Erfolg und Wohlstand geführt hat während die anderen, die Dich früher gepiesackt haben bei weitem nicht so gut dastehen und glücklich sind wie Du heute.

    Wenn Du etwas mehr über Dich erfahren möchtest, so empfehle ich Dir das oben erwähnte Buch von Fritz Riemann. Ist auch als Hörbuch erhältlich.
    Das könnte geeignet sein Deinen ungestillten Hunger nach Selbsterkenntnis zu stillen ;-)

    Mach Dir jedenfalls um Himmelswillen keinen Kopf, dass Deine Gedanken abnorm wären oder Du dadurch ein Problem bekommen könntest.
    Sehe all das was passiert ist, im Guten wie im Guten des Schlechten, als einen Segen, damit Stärken zu besitzen die andere eben nicht haben.
    Stärken, mit denen es Dir gelungen ist aus einem missglückten Start am Ende eine Erfolgsstory zu bauen
    Das kann weiss Gott nicht jeder von sich behaupten.

    In diesem Sinne weiterhin alles Gute und viel Erfolg.
    Um Dich werden wir uns ganz gewiss keine Sorgen machen müssen

    Gruss
    Compliance
    Geändert von Compliance (04.02.2020 um 12:35 Uhr)

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