«Beginne mit dem Warum» und «Finde dein Warum» von Simon Sinnen

Einer der wohl häufigsten Gründe weshalb Menschen scheitern, egal ob im Privaten oder insbesondere im Beruf, ist, dass sie nicht wirklich wissen warum sie tun was sie tun.

Für die überwiegende Mehrheit der Menschen ist ihr Beruf, leider mehr als sie dies eigentlich wünschen würden, leidiges Mittel zum Zweck, um primär ihre physischen Bedürfnisse zu befriedigen. Alle Menschen müssen essen, trinken, wohnen sich pflegen und meist auch mobil sein. Diese unsere physischen Bedürfnisse müssen unentwegt gedeckt werden damit wir uns zumindest körperlich gut fühlen und ausreichend leistungsfähig sind die Herausforderungen in Beruf und Freizeit zu bewältigen. Denn Hunger, Durst und Kälte zu ertragen ist schmerzhaft und auf Dauer ggf. sogar tödlich. So schmerzhaft und bedrohlich, dass der Mensch durchaus bereit ist, zumindest gefühlt «weniger» widrige Umstände zu ertragen, um diesen Schmerz zu vermeiden.
Für die Befriedigung unserer sog. physischen Grundbedürfnisse können wir nicht mehr einfach in den Wald gehen, um zu jagen, an den See oder Fluss um zu Fischen oder hingehen und willkürlich ein freies Stück Land bestellen, um darauf Getreide oder Gemüse anzupflanzen oder darauf eine Behausung zu bauen die uns in der Nacht oder bei Kälte Schutz und Wärme bietet. Um uns Nahrungsmittel, Wasser, Kleidung und Wohnraum zu beschaffen benötigen wir in unserer Gesellschaft überall und jederzeit Geld.

Um sich dieses unverzichtbare Mittel zu beschaffen, müssen wir alle üblicherweise einer Beschäftigung oder Arbeit, einem Beruf nachgehen. Doch welchem?

Es gibt inzwischen viel Berufe. Viel mehr als in früheren Zeiten. Im Wandel der Zeit und des Fortschrittes entstehen immer wieder neue während andere nach und nach aussterben. Ständig wandelt sich die Art und das Profil selbst auch der Berufe, die noch immer Bestand haben. Um mit diesem Wandel Schritt zu halten ist es daher für die Menschen während ihres aktiven Arbeitslebens überlebensnotwendig, sich immer neue Fertigkeiten oder den Umgang mit neuen Werkzeugen anzueignen, um nicht irgendwann aus dem Kreislauf von Arbeit und Wertschöpfung (Geld) verdrängt oder gar als «minder qualifiziert» oder, im Klartext ausgedrückt, «unbrauchbar» ausgemustert zu werden.

Als von den Umständen Getriebene laufen viele, die grosse Mehrheit der Menschen, den Entwicklungen hinterher. Werden sie letztendlich so zu Sklaven des Systems, das ihnen mit eiserner Härte vorgibt, was sie zu können und demnach zu lernen haben, um auch weiterhin im Arbeitsprozess verbleiben zu können.
Heute gibt es in vielen entwickelten Ländern zwar staatliche Institutionen, die sog. Sozialsysteme, die zumindest verhindern sollen, dass wer, aus welchen Gründen auch immer, diesen Anschluss verpasst, wenigsten nicht auf der Strasse leben oder gar verhungern, verdursten oder erfrieren muss.

Doch das war nicht immer so. Zu Beginn der industriellen Revolution, Anfang des 19 Jahrhunderts, als es keinerlei gesetzliche Schranken und Regelungen gab, vegetierte in ganz Europa die Arbeiterschaft am unteren Rande des Existenzminimums elend dahin. Karl Marx beschreibt in seinem Hauptwerk, «Das Kapital» diese Zustände mit geradezu erschreckender Detailtreue.

Die vom Kapitalismus vorangetriebene Zerstörung des Handwerks, durch die Massen-produktion vorangetriebene Zerteilung des vollständigen Herstellungsprozesses in Teilprozesse, verloren die Menschen sowohl die fachmännische wie kaufmännische Kompetenz, als auch die Möglichkeit ihre selbst hergestellten Waren und Dienstleistungen erfolgreich am Markt zu platzieren und zu verkaufen.

Durch die gewaltsame Landnahme der Feudalherrscher, bzw. die Enteignung der Menschen besassen sie auch kein eigenes Land mehr auf dem sie Ackerbau betreiben konnten, um sich und ihre Familien selbst mit Nahrung zu versorgen. Waren die Menschen fortan gezwungen für das Kapital und die Kapitalisten zu arbeiten, um sich mehr schlecht als recht am Leben zu erhalten. Das was sie für ihre Knochenarbeit an Lohn erhielten reichte gerade einmal aus, um den Hunger und den Durst zu stillen sowie nicht auf der Strasse und in den Gassen erfrieren zu müssen.

Durch diese unmenschlichen und unwürdigen Bedingungen erhob sich die Arbeiterschaft immer wieder gegen das Kapital was uns heute als der Klassenkampf bekannt ist. Dabei spielte die Gesetzgebung stets dem Kapital in die Hände und niemals der Arbeiterklasse. Das was die Arbeiter (noch) an Rechten besitzen musste mit Streik, brutaler Gewalt, Blut, Hunger und Tränen erfochten werden. So mancher Arbeitskampf wurde mit Unterstützung des Staates und äusserst brutaler, militärischer Gewalt niedergeschlagen.
Zustände und Bedingungen, wie wir sie uns heute in der Demokratie nicht mehr vorstellen können.

Die heutigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse machen uns glauben, dass sich die Zustände seither geändert bzw. deutlich verbessert hätten. Doch haben sie das tatsächlich?
Sicher lebt die Arbeiterschaft heute nicht mehr in bitterer Armut wie in den Anfängen des Kapitalismus. Doch wie viel Geld bleibt dem durchschnittlichen Arbeiter denn heute nach Abzug aller Steuern, Abgaben und Kosten für Wohnraum und die Lebenshaltung noch übrig? Kann er mit dem kärglichen Überschuss, den er sich vom Munde abspart, wie der Kapitalist, an der Börse mit Unsummen spekulieren und selbst ein Vermögen machen? Die Antwort ist NEIN!

Die Meisten Menschen leben am realen Existenzminimum, ohne dies vielleicht sogar so zu bemerken. Wenn es für einen Urlaub reicht, ab und an mal Essen zu gehen und/oder ein schönes Auto vor der Tür oder in der Garage stehen zu haben, so sind die meisten damit schon zufrieden. Doch wenn die Menschen wirklich mal genau hinschauen würden, so würden sie erkennen, dass die meisten von ihnen, wenn sie den Job verlieren, nach 3 Monaten völlig abgebrannt, pleite wären.

Die Illusion des sicheren Arbeitsplatzes und der trügerischen Sicherheit etwas über dem Existenzminimum zu liegen, sorgt dafür, dass die Menschen gar nicht mehr darüber nachdenken, was mit ihnen geschieht, wenn sie morgen ihren «JOB» (= Just Over Broke = Gerade über Bankrott) verlieren würden.

Diejenigen die durch den unerträglichen Druck der Realität darüber nachdenken tun dies jedoch meist defensiv. Sprich was sie sich noch alles gefallen und welche Unverschämtheiten sie noch alle über sich ergehen lassen müssen, um den oft ungeliebten, ja gehassten JOB nicht zu verlieren.

Sei es nun vom Chef oder von den lieben Kollegen. Zur fatalen finanziellen Abhängigkeit und Notlage kommt dann auch noch die tiefe innere Enttäuschung und Verletzung auf dieser Welt scheinbar nichts wert zu sein. Ein Gefühl der inneren Niedergeschlagenheit macht sich dann auf Dauer in den Betroffenen breit und wird oft nicht rechtzeitig als eine beginnende Depression erkannt.... bis es zu spät ist.
Dann vielleicht wenn das schwächelnde Immunsystem unweigerlich anzeigt, dass irgend etwas mit mir nicht mehr stimmt oder gar ein völliger geistiger wie physischer Zusammenbruch mich schachmatt setzt (Burnout) beginnen die Menschen über ihr Leben und die Umstände nachzudenken, in denen sie offenbar ausweglos gefangen zu sein scheinen.

Dann begeben sie sich in eine Therapie, die allerdings oft nur den Zweck zu haben scheint, das «defekte Zahnrad» nur dahin zu bringen, wieder möglichst einwandfrei zu funktionieren ohne dass sich da draussen etwas verändert. Letztlich sich selbst und seine Sorgen nicht gar so wichtig zu nehmen, da es doch emotional viel befriedigender ist weniger auf sich selbst zu schauen, als vielmehr Teil eines heroischen Zieles oder einer Aufgabe sein zu dürfen, das viel grösser ist als man selbst. (Nur selbst wählen darf ich diese Ziele und Aufgaben scheinbar nicht!)

Und das Ende, der angestrebte "Erfolg" der Therapie, bedeutet in Wahrheit nicht selten, das beschädigte Zahnrad im System wieder dazu zu bringen, zu akzeptieren sich selbst weiter für den unverschämt anwachsenden Reichtum anderer aufzuopfern, während man für die eigene harte Arbeit mit nichts weiter als einem Almosen abgespeist wird.

Diejenigen die sich nicht erfolgreich in dieser Weise «therapieren» lassen, haben aber leider Pech gehabt und wandern dann in die Versenkung, in Hartz 4, wo sie dann, mit den Beiträgen zur SV/ALV, von denen alimentiert werden, welche erfolgreich therapiert wurden oder noch genügend Hoffnung, Kraft bzw. Resilienz besitzen. Die noch nicht gebrochen sind, ja fest daran glauben, dass wer nur hart genug arbeitet den verdienten Lohn dafür erhalten wird....eines Tages.

Das Forum hier ist voll von Berichten und Geschichten von gebrochenen Menschen, welche die hier dargelegten Thesen, zumindest aus meiner Sicht, auf tragische Weise stützen.

Ich bin, um das klarzustellen, weder Kommunist noch Kapitalist. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch es verdient ein anständiges Leben zu führen. Daher versuche ich lediglich den Realitäten ins Weisse vom Auge zu schauen, um einen Weg in und aus diesem äusseren wie inneren Chaos zu finden. Ein Weg der es mir ermöglicht mit den Irrungen und Wirrungen der heutigen Existenz fertig zu werden, sie und damit mein Leben nicht nur zu meistern sondern zu einem guten Leben zu formen.

Daher möchte ich an dieser Stelle allen die aktiv im Berufsleben stehen die zwei Bücher im Titel empfehlen, die auch dem Psychologie-Laien helfen zu verstehen wie die Wirtschaft tatsächlich funktioniert.
In "Start with Why" erfährt der Leser auf welcher Grundlage wir Menschen tatsächlich entscheiden, wird ihm auch klar, warum viele Menschen soviel Stress an der Arbeit erleben und warum sie selbst und andere so unzufrieden sind. Gleichzeitig zeigt er Wege wie es auch anders geht.

Das zweite Werk "Find your Why" kann vielen dabei helfen sich den wertvollen, verborgenen Sinn ihres Daseins zu erschliessen und damit beginnen fortan ein glücklicheres und zufriedeneres, ein befriedigenderes Leben zu führen :-)

Beide Titel sind auch in deutscher Sprache u./o. auch als Hörbücher (Englisch) erhältlich. Extrem viel Weisheit für wenig Geld!

Als Einstimmung ins Thema hier ein Vortrag von ihm mit deutschen Untertiteln: https://www.youtube.com/watch?v=qp0HIF3SfI4

Viel Vergnügen bei der Lektüre und viele lehrreiche Einsichten wie Erleuchtung wünscht, insbesondere den Gequälten und natürlich euch allen

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