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Thema: Mobbing zerstört den Glauben an Demokratie und Rechtsstaat

  1. #1
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    Standard Mobbing zerstört den Glauben an Demokratie und Rechtsstaat

    Ich möchte hier kurz beschreiben, wie ich die Entwicklung unserer Gesellschaft sehe.

    Seitdem es Menschen gibt, wird auch Gewalt gegen Menschen ausgeübt. Mit Gewalt herrschten die Starken jahrtausendelang über die Schwachen. Zwar gab es schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte Gerichte und Rechtssysteme, doch waren diese ursprünglich geschaffen worden, um Streitigkeiten unter den Mächtigen auszugleichen und die Untertanen zu beherrschen. Denn es war einfacher Aufstände zu vermeiden, wenn man den Untertanen, mit Hilfe der Kirche(n), weismachte, dass ihre Unterdrückung gottgegeben sei als dass man ständig brutale Gewalt ausüben musste. Diese gab es aber natürlich immer noch, wenn ein Untertan es wagte gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren. Nichtsdestotrotz entwickelte sich das Rechtssystem über die Jahrhunderte weiter und konnte die Willkür der Mächtigen immer mehr einschränken. Vor allem nach dem Ende der alten Feudalgesellschaften.

    Der Demokratie und dem modernen Rechtsstaat gelang es dann tatsächlich, wenigstens zu großen Teilen, Ungerechtigkeiten zu beseitigen. So gab es z.B. sogleich, nach dem Ende des deutschen Kaiserreiches Ende 1918, die erste Einigung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Das Tarifvertragsrecht entstand. Erstmals konnten die Arbeitnehmer über die Gewerkschaften mitreden. Der Glaube an Demokratie und Rechtsstaat wuchs, in Deutschland besonders nach dem Ende der Nazidiktatur. Man hatte, auch wenn es natürlich auch in dieser Zeit manche ungerechte Urteile gab, lange nach 1945 das Gefühl in einem gerechten Staat zu leben. Natürlich war nicht alles ideal und es gab auch in dieser "guten Zeit" Vorfälle von Mobbing. Aber im Vergleich zu heute waren das eher Einzelfälle, Mobbing war in der alten Bonner Republik kein Massenphänomen. Das änderte sich in Deutschland Ende der 80er Jahre. Die neue neoliberale Politik führte dazu, dass viele Arbeitgeber sich seitdem nicht mehr an Versprechen gegenüber ihren Beschäftigten gebunden fühlen. Immer mehr Firmen ließen sich von Unternehmen beraten, die ihnen Methoden beibrachten, wie man unliebsame Arbeitnehmer auf nicht legale Weise loswerden kann. Damit begann das systematische Mobbing in unserer Gesellschaft. So habe ich es wenigstens wahrgenommen. Mobbing breitete sich seitdem überall in der Gesellschaft aus, wurde ein legitimes Mittel. Politiker drücken bis heute beide Augen dabei zu und bald waren auch Gewerkschaften nicht mehr davor gefeit. Mobbing ist mittlerweile überall präsent und vergiftet unsere Gesellschaft. Egal wo. In den Betrieben, in die Politik, in den Schulen, in Vereinen und in den Kirchen. Es zerstörte die bürgerlichen und ethischen Werte, die wir noch hatten. Es zerstört mittlerweile auch den Glauben an die Demokratie und an den Rechtsstaat. Ich frage mich ob unsere Gerichte noch davor gefeit sind? Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass die "Schwachen" trotz unserer Demokratie und unserer Gesetze nicht mehr vor der Willkür der "Starken" geschützt sind. Was kann man dagegen tun? Man müsste in den Schulen und den Betrieben beginnen. Ethikunterricht geben, der Rechtsstaat Mobbing bestrafen, das bedingungsloses Grundeinkommen einfügen um Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben sich leichter von einem Job zu trennen, wenn es dort nicht mehr auszuhalten ist. Es müssten sich die Opfer mit anderen austauschen, am besten eine Massenbewegung wie "Fridays for Futue" entstehen um Mobbing aktiv zu bekämpfen.

    Oder würde es schon an der mangelnden Bereitschaft der Opfer scheitern, weil es nicht in der Natur stiller und friedlicher Menschen liegt, auf die Straße zu gehen und aktiv zu protestieren? Leider sind egoistische, machtgierige Menschen immer aktiver als diejenigen, die nur friedlich leben wollen. Was könnte man sonst tun?

    Geändert von KarlMay (08.03.2020 um 13:27 Uhr)

  2. #2
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    Standard AW: Mobbing zerstört den Glauben an Demokratie und Rechtsstaat

    Außerdem möchte ich ergänzen, dass viele Opfer leider auch das Bedürfnis haben genauso "cool" wie die Täter zu werden und dass sie "dazugehören" wollen. Sie haben also grundsätzlich nichts gegen das "Mobbing" sondern sind nur darüber traurig, dass sie selbst gemobbt werden. Jedenfalls ist mir das bei jungen Menschen aufgefallen. Das dürfte auch ein Grund sein, warum Mobbing ein Unkraut ist, das sich schwer beseitigen lässt.

  3. #3
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    Standard AW: Mobbing zerstört den Glauben an Demokratie und Rechtsstaat

    Hallo KarlMay,

    der Verfall der Werte ist unbestritten und wohl nur dadurch aufzuhalten, indem man selbst Botschafter dieser Werte wird.
    In unseren privaten Umfeldern, in den Familien wie natürlich auch am Arbeitsplatz.
    Wo immer ich 1:1 über diese menschlichen Werte mit Menschen spreche, treffe ich praktisch ausnahmslos auf den Zuspruch und die Zustimmung meiner Mitmenschen und Zuhörer.

    Einer sagte neulich zu mir ich sollte im Radio auftreten und die Worte wiederholen welche ich gerade zu ihnen gesprochen hatte.
    Ich war so verwundert weil ich nur gesagt hatte wie wichtig es ist und schon immer war an Familie und Freunden festzuhalten, die Beziehungen zu ihnen zu pflegen, weil dies die Menschen sind, die immer da sind und uns fangen wenn wir hinfallen, uns Zuspruch in schwachen Momenten geben oder unkompliziert konkrete Hilfe leisten wenn wir sie einmal benötigen... Ein Kompetenzzentrum das nichts kostet ausser dann ebenfalls zu helfen wenn andere mich brauchen.
    So sehr schienen diese Worte Science Fiction für die Zuhörer zu sein, dass sie diese schon geradezu euphorisch publikumsreif für das Radio hielten....

    Das Bedürfnis scheint also da zu sein... aber kaum einer scheint noch zu wissen wie man diese tiefen und weitreichenden Grundbedürfnis nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Bestätigung und Liebe befriedigen kann...

    Ich sehe z.B. Mütter die mit dem Kinderwagen spazieren gehen, den Kopf unten haben und wohin schauen: Natürlich auf ihr Handy und nicht in den Kinderwagen.
    Auch wenn das Kind nicht einordnen kann was da geschieht so nimmt es wahr, dass es nicht der Aufmerksamkeit seiner Mutter wert ist.

    Das Handy, der Anruf, die Message oder der Post auf Facebook oder Instagram sind wichtiger als das Kind mit dem die Mutter scheinbar weniger anfzuangen weiss als mit ihrem Handy.
    Die Väter sind da nicht die Bohne besser, um nicht den Müttern unfairer Weise allein den Schwarzen Peter zuschieben zu wollen.

    Es spielt auch keine Rolle. Fakt ist: "Social distancing" ist schon lange in aller Munde und Brauch, nur scheint es niemanden mehr zu stören oder es überhaupt zu bemerken.
    Selbst wenn wir keinen Meter vom anderen entfernt am Tisch sitzen, immer ist der Quälgeist mit am Tisch. Die anderen am Tisch Nebensache.

    Ein Anfang wäre "Handy Free Parties" zu organisieren und zu feiern wie wir dies früher ja auch getan haben.
    Eine Fest wo der Mensch, oder auch mein Partner der da vor mir steht der Mittelpunkt ist und nicht ein elektronisches Gerät...
    Und ich glaube es würde viele Anmeldungen geben... sogar von den jungen Menschen die langsam aber sicher erkennen, dass sie sich auf dem Holzweg befinden.

    Den Staat bzw. den Gesetzgeber und die Exekutive zu mobilisieren, um ein Problem zu lösen dass nur wir selbst aus uns heraus lösen können, halte ich für ebenso sinn- wie nutzlos.

    Denn: "Je verdorbener der Staat desto mehr Gesetze hat er"
    Tacitus, Römischer Senator

    Veränderung beginnt immer zuerst in unseren Köpfen und muss durch Taten begründet und gefestigt, zu einer neuen festen Grösse, zur produktiven Gewohnheit im Leben werden.
    Und die erste Tat auf diesem Wege wäre das Handy, die Playstation, das Tablet oder den Computer ab einer gewissen Uhrzeit einfach abzuschalten, um dann die Stille wie die ungeteilte Zweisamkeit mit dem Partner zu geniessen....

    Danke für Deinen überaus wertvollen Beitrag, der mir und bestimmt auch vielen anderen aus dem Herzen spricht :-)

    Viele Grüsse
    Compliance
    Geändert von Compliance (30.03.2020 um 13:46 Uhr)

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