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Thema: Kennt ihr das "Familienstellen"?

  1. #11
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    Standard AW: Kennt ihr das "Familienstellen"?

    Hallo,

    natürlich kann da Jeder das machen, was er/sie möchte. Leider sind die Gefahren dieser Aufstellungsmethode nicht so bekannt. Ich denke mir, es kommt auch darauf an, wer das Familienstellen durchführt.
    Ob da viele Interpretationen geliefert werden und ob die aufstellende Person dann damit auch zurecht kommt.
    Es ist immerhin ein sehr sensibler Bereich, in dem auch Trigger vorkommen können.
    Wenn nun die durchführende Person, die aufstellende Person nicht gut genug kennt, kann das schon zu einer Falle werden.
    Außerdem ergeben sich aus dem Familienstellen Handlungen, die das gesamte System betreffen, aber nur eine Person ist anwesend, nämlich die aufstellende Person.
    Echte Familieninterventionen sind meiner Meinung nach jedoch nur möglich, wenn da alle relevanten Personen miteinbezogen werden. Sonst kommt es leicht zur Auswahl eines Sündenbocks, der sich letztlich nicht wehren kann, weil er ja vom geschehen keine Ahnung hat. Die aufstellende Person ist deshalb auf der Gewinnerseite, weil sie die Dinge aus ihrer Sicht darstellt. Naturgemäß wird sie darauf hinsteuern, die relevanten Aspekte außer acht zu lassen, damit sie sich nicht selber angreifbar macht.
    Außerdem ist dieses Aufstellen deshalb etwas seltsam, weil es einige Male passiert, was dem Aufsteller dann ja auch zu Einkommen verhilft. Wer ein Einkommen auf diese Weise erziehlt, der muss sich auch die Kritik gefallen lassen, dass er dann denjenigen, die ihm das Einkommen ermöglichen, auch gerne Entlastung geben will, weil die ja wiederkommen und weiterempfehlen sollen.
    Ob die Aufsteller sich mit echten eigenen Anteilen beschäftigen? Jedenfalls geht es ihnen gut hinterher und sie kommen deshalb auch immer wieder gerne zu den Aufstellungen und empfehlen die auch gerne weiter.
    Ein Psychomarkt, wenn man so will.
    Letztlich ist das ligitim, wenn denn nicht so manches Mal sich die Situation für den ahnungslosen Sündenbock gravierend ändern würde, zugunsten des Aufstellers.
    Ehrlich gesagt, finde ich sowas schon irgendwie seltsam und es gibt auch hinsichtlich der Aufstellungen nach Hellinger jede Menge Kritik.
    In meiner Ausbildung war die Familienaufstellung lediglich ein minimaler Lerninhalt, sodass wir die Erfahrung machen konnten, wie sich Klienten in so einer Situation fühlen und was sich verändern kann. Es war kein therapeutischer Lerninhalt, denn wir waren ja nicht in Therapie.
    Naja, die Arbeti in so einer Lernwerkstatt kann ich nicht beurteilen, denn ich war da nie und würde auch nie hingehen. Ich muss zugeben, da habe ich schon auch Vorurteile, weil ich zweimal auf meinem Arbeitsplatz so eine Hellinger Aufstellung mit gemacht habe. Die fand ich einfach übel, auf Deutsch gesagt.Wir wurden sogar gezwungen, die Aufstellung zu machen!
    Einfach nur übel!

    Ibag

  2. #12
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    Standard AW: Kennt ihr das "Familienstellen"?

    Ist ja interessant, daß selbst dieses Thema hier im Forum schon einmal aufgegriffen wurde.

    Ich habe mal persönlich vor ca. 15 Jahren so eine Systemische Familienaufstellung nach Hellinger als "Patient" mitgemacht und diese zählt für mich bis heute zu den positivsten therapeutischen Erfahrungen meines bisherigen Lebens überhaupt.

    Geleitet wurde diese Familienaufstellung durch eine ältere Psychotherapeutin, die bereits im Ruhestand war. Die Teilnehmer an dieser Aufstellung kamen aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz.
    Vor dieser Aufstellung, die ein ganzes Wochenende lang stattfand, hatte ich erhebliche Zweifel, ob mir dies ansatzweise überhaupt etwas bringen könnte, weil ich damals wie heute absolut nichts von esoterischem Kram halte. Im Ergebnis dieser Aufstellung mußte ich mir jedoch selbst eingestehen, daß es ganz offenbar im zwischenmenschlichen, konkret im familiären Ereignisbereich Kräfte und Zusammenhänge gibt, die man rein wissenschaftlich oder mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand nicht klären bzw. erklären kann.
    Kurz gesagt: Es war für mich die Selbsterfahrung über mein familiäres Umfeld bis tief in die Vergangenheit hineinreichend in Interaktion mit mir bis dato völlig fremden Menschen, die mich zunächst an meinem eigenen Verstand zweifeln ließen, ich aber dann letztlich doch anerkennen konnte, was das Wichtigste daran war.

    Zu dieser Familienaufstellung war ich eher durch Zufall gekommen und in einer schier ausweglosen psychischen Situation, die nunmal familiäre Verhältnisse/Beziehungen anbetraf und ich zur dieser Zeit bereits in "normaler" Therapie war und zusätzlich noch bei einer kirchlichen Einrichtung psychologische Beratung in Anspruch nahm. Doch diese zwei Sachen brachten mich kaum weiter... und da hatte ich auf einmal dieses Angebot von dieser Systemischen Familienaufstellung...

    Durch diese Aufstellung konnte ich nach über einem halben Leben erstmals viele innerfamiliäre Zusammenhänge für mich klar erkennen, für mich im Nachhinein auch anerkennen.
    Es waren die Tage und die Zeiten, in denen mir ERSTMALS richtig und auch schmerzhaft bewußt wurde, wie sehr doch mein ganzes Leben schon in Kindes- und Jugendzeiten geprägt wurde und maßgeblich durch die eigenen Eltern und inwieweit dies dann auch Auswirkungen auf die eigenen Kinder hat.

    Ich weiß auch noch, daß ich dann auf dem letzten Rückweg von dieser 2- bis 3-tägigen "Veranstaltung", zu der ich mit dem Rad fuhr, so voll im Kopf mit neuen Erkenntnissen und Gedanken über mich selbst und meinen familiären Umkreis war, daß ich dann so voller Tränen war, daß mir alles vor Augen verschwamm und ich mein Rad nur noch kilometerweit schieben konnte. Ich denke, es waren Tränen vor Glück, aber auch vor Schmerz, Dankbarkeit und Unbegreiflichkeit, kurz gesagt: über ein Gefühlschaos, über diese gewaltigen neuen Erkenntnisse für mich und auch über mich selbst.
    Selbst an meinem damals schon verstorbenen Vater, zu dem ich zu seinen Lebzeiten nicht viel Liebenswertes fand, konnte ich im Nachgang zu dieser Aufstellung erstmals auch seine durchaus "anderen" Seiten erkennen. So etwas schmerzt und tut gleicherzeit auch sehr gut, den eigenen Vater ganz "neu" zu entdecken.

    Vielleicht ist so eine Familienaufstellung auch nur wie die Erweiterung des eigenen Bewusstseins ganz ohne irgendwelche Drogen. Als ich mittendrin war und das alles absolut hautnah erlebte, die ganze Interaktion, fühlte sich das schon manchmal recht komisch an und ich dachte mir, daß das wohl eine Trancezustand sein muß - war es aber nicht, es war alles reales Erleben.

    Mir hatte die einstige Aufstellung nicht nur sehr geholfen, weil ich seinerzeit psychisch mit dem Rücken völlig an der Wand stand, sondern sie war unter'm Strich für mich auch ein Schlüsselerlebnis in meinem bisherigen Leben.

  3. #13
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    Standard AW: Kennt ihr das "Familienstellen"?

    Noch ein Buchtipp von mir, dessen Lektüre ich persönlich aber erst NACH der Teilnahme an einer Familienaufstellung/ Systemischen Therapie empfehlen würde:

    Ulsamer, Bertold.: "Ohne Wurzeln keine Flügel", Goldmann-Verlag

    amazon.de/Wurzeln-Fl%C3%BCgel-systemische-Therapie-Hellinger/dp/3442141664

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