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Thema: Gibt es bei mobbing nur die Kündigung als Ausweg?

  1. #1
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    1

    Standard Gibt es bei mobbing nur die Kündigung als Ausweg?

    Bin total ratlos ... auf Mobbing wäre ich gar nicht gekommen – wenn ich nicht zufällig vor ein paar Tagen einen Artikel im Spiegel (online) gelesen hätte, der meine Situation genau beschreibt. Jetzt kann ich dem Drama endlich einen Namen geben. Bisher habe ich das immer nur als eine Sündenbock-Situation gesehen, aber es ist weit mehr.

    Ich habe mir diverse Beiträge im Forum durchgelesen, aber ausser Kündigung scheint es wohl keinen Ausweg zu geben bei mobbing ???

    Hier meine Fragen (vorab) ... meine Situation weiter unten (falls nicht jeder die Details lesen will).
    · Macht es Sinn mit HR das Thema „mobbing“ anzusprechen, oder geht das eher nach hinten los? Muss ich damit rechnen, dass dann alles noch schlimmer wird?
    · Habe in der Vergangenheit schon oft versucht mit dem Chef zu reden, er ist wie Beton. Völlig überfordert mit der Situation (und seinem Job).
    · Ich habe angefangen die Mobbing-Situationen aufzuschreiben, aber was mache ich damit?
    · Welche Art von ärztlicher Hilfe kann man sich holen? Hausarzt? Psychiater? Beratungsstellen? (ich wohne in der Schweiz).
    · Krankheitstage hatte ich bisher noch keine, werde aber in Zukunft an den Tagen wo ich völlig fertig bin, weil ich nachts nicht schlafen kann, zu Hause bleiben (sofern das Geschäft es erlaubt. Habe Sorge, dass er mir meinen Bereich sonst auch noch wegnimmt und muss auch sehen, dass meine Kunden nicht leiden, das fällt sonst auf mich zurück).
    · Was bringt ein Rechtsanwalt? (Habe keine Rechtsschutzversicherung)
    · Bin mittlerweile so weit (war ein langer Prozess), dass ich nach meinem Urlaub ggf. kündigen würde, oder gibt es irgendwelche Erfahrungen, dass sich das auch wieder einrenken kann (im Moment kann ich mir das kaum vorstellen).
    · Habe allerdings Sorge, dass ich dann nach der Kündigung zu Hause sitze und es mir nicht besser geht, weil die Verletzung der ungerechten Behandlung mich auffrisst und weil ich meinen Job ja eigentlich sehr gerne gemacht habe. War echt erfüllend.
    · Über Ostern habe ich mal 2.5 Wochen Urlaub gebucht, aber das ist noch eine lange Durststrecke bis dahin und das Problem ist ja nicht weg wenn ich zurück komme.

    Hier die Situation (so kurz es geht)
    Habe (hatte!) einen tollen Job den ich mit grosser Passion mache und bin darin auch sehr erfolgreich. Die Bereiche die ich betreue (habe/hatte umfangreiche Verantwortung) laufen blendend und die Kunden sind happy, unsere Zahlen stimmen – es könnte eigentlich alles perfekt sein. Vor 1.5 Jahren kam ein neuer Chef (intern), der schon bekannt für Micromanagement war und natürlich auch gleich so losgelegt hat. Ich habe versucht ihn darauf hinzuweisen, dass das so nicht geht und, dass das Team unglücklich ist (er fühlte sich durch das feedback aber eher bedroht). 3 von 10 Leuten sind bereits gegangen, weitere 3 sind intensiv auf der Suche. Im Oktober 2012 gab es einen Krisenworkshop, bei dem etwa 100 Kärtchen (vom ganzen Team) auf dem Pin-Board waren, die erklärt haben warum und was nicht klappt. Das grösste Problem ist, dass er keinerlei Führungsqualitäten hat aber die Liste mit Problemen ist lang.

    Ergebnis war, dass es kleinere Anpassungen gab und die Jobs klarer definiert wurden, ein paar Kollegen haben mehr Verantwortung bekommen. Mir hat er bei der Gelegenheit diverse Bereiche weggenommen. Begründung war, dass ich sie nicht gut gemacht hätte laut feedback der Kollegen (keiner der Kollegen hat solches Feedback bestätigt - im Gegenteil). Mein „neuer“ Job ist sehr gestutzt und ich war/bin natürlich sehr unglücklich, bin total unterfordert. Der Chef soll sich nun verstärkt auf die Mitarbeiterführung konzentrieren ... (genau das, was er halt gar nicht kann und es folgt auch eine Katastrophe nach der anderen). Offensichtlich hat er den Support vom Management drüber (aber der Fisch stinkt ja bekanntlich vom Kopf).

    Ich habe mich zurückgezogen, meinen Job trotzdem gut gemacht (um ihm keine Angriffsfläche zu bieten) und gehofft, dass das Ganze noch mal angepackt wird nach der alljährlichen Job-Stress-Phase (immer Okt-Dez). Er wirft mir vor, dass ich nicht motiviert wäre. Haha, wie auch?

    Nun stelle ich so nach für nach fest, dass nichts mehr angepackt wird, und statt dessen ich in e-mails nicht mehr einkopiert werde, bei meetings nicht mehr dabei bin, etc.
    Habe eine Weile gebraucht um das zu kapieren (von den mails und meetings habe ich ja nur zufällig erfahren). Ich habe die Situation bei HR angesprochen, allerdings noch ohne das Wort „mobbing“ zu erwähnen. Die Anwort war, ich solle das nicht so negativ sehen, er meint das sicher nicht so, dass er mich nicht mehr einbezieht und ansonsten würde das sicher an mir liegen, weil ich nicht auf ihn zu gehe.

    Meine Kollegen wollen sich in das Ganze nicht involvieren, weil sie Angst haben das nächste Opfer zu werden. Sie haben ihm aber zumindest gesagt, dass er Konflikte lösen muss, statt sie ewig mit zu schleifen.

    Ich gehe mittlerweile auf dem Zahnfleisch, habe Schlafstörungen (wache jede Nacht um 4 Uhr auf mit geballten Fäusten), breche bei jeder Kleinigkeit in Tränen aus.

    Natürlich schaue ich mich intensiv nach einem neuen Job um, aber ich bin sehr spezialisiert und es gibt nicht so viel Bewegung im Jobmarkt im Moment.

    Einen Betriebsrat haben wir leider nicht. Einen Ombudsmann im Konzern vielleicht, aber der ist ggf. weit weg.

    Gina

  2. #2
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    Standard AW: Gibt es bei mobbing nur die Kündigung als Ausweg?

    Hallo, Gina!
    Vielleicht hat sich mittlerweile deine Situation geändert, hoffentlich zum Positiven, da dein Beitrag ja schon ein paar Monate zurück liegt. Trotzdem werde ich versuchen, deine Fragen wenigstens ansatzweise zu beantworten, da ich leider kein Fachmann auf dem Gebiet bin, dir aber gern helfen würde.


    Zitat Zitat von Seestern Beitrag anzeigen
    Hier meine Fragen (vorab) ... meine Situation weiter unten (falls nicht jeder die Details lesen will).
    · Macht es Sinn mit HR das Thema „mobbing“ anzusprechen, oder geht das eher nach hinten los? Muss ich damit rechnen, dass dann alles noch schlimmer wird?
    Ich weiß jetzt leider nicht wirklich, wen oder was du mit HR meinst und sorry, wenn ich dahingehend "dumm" bin. Meiner Meinung nach kann sich nur etwas ändern (sowohl positiv wie leider auch negativ), wenn man es zur Sprache bringt. Durch Schweigen kann und wird sich wahrscheinlich jedoch nichts ändern und man kann bekanntlich auch "etwas tot schweigen", was letztendlich aber niemandem wirklich hilft. Die Entscheidung musst am Ende also du allein treffen, da niemand mit Sicherheit sagen kann, wie darauf reagiert wird und negative Folgen leider immer möglich sein können.

    · Habe in der Vergangenheit schon oft versucht mit dem Chef zu reden, er ist wie Beton. Völlig überfordert mit der Situation (und seinem Job).
    Wenn alles Reden nicht hilft, könnte man vielleicht andere Wege gehen, um ihm die Situation verständlich und ihm seine eigenen Aufgaben bewusst zu machen. Meine Vorschläge diesbezüglich wären zum Beispiel, ihm eine Art Merkliste zu erstellen, in der die Aufgaben eines Chefs und deine Vorstellungen, wie ein Chef sein sollte und wie er diese Aufgaben auch praktisch umsetzen könnte, dargelegt werden. Eventuell auch mit anderen Kollegen, die auf deiner Seite sind, darüber beraten und ihre Meinungen miteinbeziehen, was in den Pausen gemacht werden könnte. Oder ihm einen Ratgeber/Buch, wie man ein guter Chef ist, anonym per Post zuschicken, wenn du bereit bist etwas Geld zu investieren. Vielleicht nimmt er sich mal davon was zu Herzen und lernt etwas dazu?

    · Ich habe angefangen die Mobbing-Situationen aufzuschreiben, aber was mache ich damit?
    Dieses Mobbing-Tagebuch kann dir später dabei helfen, einzelne Vorfälle zu belegen, damit dir auch niemand so leicht unterstellen kann, dass du es dir ausdenkst oder übertreibst und somit darüber einfach hinweggeht. Genauso kann es unter Umständen später auch bei Ärzten, einem Anwalt und vor Gericht von Bedeutung sein, damit dir dort geholfen wird. Versuche nach Möglichkeit immer wieder Zeugen für die Vorfälle zu finden und lasse diese im Tagebuch unterschreiben, weil dies die Beweiskraft noch stärkt und zeigt, dass es nicht nur dein Wort allein ist.

    · Welche Art von ärztlicher Hilfe kann man sich holen? Hausarzt? Psychiater? Beratungsstellen? (ich wohne in der Schweiz).
    Mit der Situation in der Schweiz, welche Möglichkeiten es dort also für dich gibt, kenne ich mich leider nicht aus. Schildere deine Situation doch einfach mal einem Arzt deines Vertrauens oder dem Gesundheitsamt, da dir diese möglicherweise mehr Informationen zu Hilfsmöglichkeiten wie Therapie oder Kur usw. geben können. Dies betrifft mittlerweile deine Gesundheit und der Arbeitgeber hat eine Führsorgepflicht dir gegenüber.

    · Krankheitstage hatte ich bisher noch keine, werde aber in Zukunft an den Tagen wo ich völlig fertig bin, weil ich nachts nicht schlafen kann, zu Hause bleiben (sofern das Geschäft es erlaubt. Habe Sorge, dass er mir meinen Bereich sonst auch noch wegnimmt und muss auch sehen, dass meine Kunden nicht leiden, das fällt sonst auf mich zurück).
    Eine Ruhepause solltest du dir wohl gönnen und hast du mit Sicherheit auch bitter nötig, aber wenn du einfach "krankfeierst", könnte es zu ernsthaften Problemen mit dem Chef für dich kommen, sollte er es herausfinden/hinterfragen. Gehe deshalb besser zuerst zu deinem Hausarzt und lasse dich krank schreiben, denn gegen eine Krankschreibung kann man nicht so leicht vorgehen.

    · Was bringt ein Rechtsanwalt? (Habe keine Rechtsschutzversicherung)
    Durch einen Rechtsanwalt könnte zum Beispiel erreicht werden, dass du wieder in deinen alten Tätigkeitsbereich versetzt wirst, insofern du nachweislich nicht damit überfordert bist, was ich jedoch bei dir nicht glaube, oder du wieder über Meetings informiert und E-Mails erhalten musst. Desweiteren könnte ein Anwalt wichtig sein, wenn dir ungerechtfertigt gekündigt wird und du gegen diese Kündigung vorgehen willst. Leider tragen solche Rechtsstreitigkeiten nicht unbedingt zum weiteren Betriebsklima bei und wollen deswegen wohl überlegt sein.

    · Bin mittlerweile so weit (war ein langer Prozess), dass ich nach meinem Urlaub ggf. kündigen würde, oder gibt es irgendwelche Erfahrungen, dass sich das auch wieder einrenken kann (im Moment kann ich mir das kaum vorstellen).
    Leider kann ich dir auf diese Frage nicht wirklich eine Antwort geben, die du vielleicht gerne hören würdest, denn nach meiner Erfahrung ist es in den seltesten Fällen irgendwie besser geworden. Eine Kündigung will jedoch ebenfalls wohl überlegt sein, da du dich damit vielleicht ins "finanzielle Aus" manövrierst, wenn du keinen neuen Arbeitsplatz hast. Denn bei Eigenkündigung des Arbeitsplatzes kann dir eine Sperre vom Arbeitsamt/Job-Center drohen, falls du Arbeitslosengeld beantragen willst. Im Vorfeld solltest du dich also darüber beim Arbeitsamt/Job-Center informieren und mit einem Sachbearbeiter sprechen, da unter Umständen wegen nachgewiesenem Mobbing (Mobbing-Tagebuch nutzen) eventuell von einer Sperre abgesehen werden kann. In jedem Fall solltest du dir dies aber schriftlich geben lassen, sollte es so weit kommen, damit du die Aussagen des Sachbearbeiters belegen kannst und man sich dort nicht so leicht rausreden kann, sollte es dennoch zu einer Sperre kommen.

    · Habe allerdings Sorge, dass ich dann nach der Kündigung zu Hause sitze und es mir nicht besser geht, weil die Verletzung der ungerechten Behandlung mich auffrisst und weil ich meinen Job ja eigentlich sehr gerne gemacht habe. War echt erfüllend.
    Diese Sorge wird wohl jeder vollkommen verstehen können, aber vielleicht wäre es dennoch besser alle Brücken hinter dir abzubrennen als in deiner jetzigen Lage langsam zu Grunde zu gehen. Bitte beachte aber auch meine Bedenken zu dem Punkt darüber.

    · Über Ostern habe ich mal 2.5 Wochen Urlaub gebucht, aber das ist noch eine lange Durststrecke bis dahin und das Problem ist ja nicht weg wenn ich zurück komme.
    Nein, das Problem wird sehr wahrscheinlich nicht weg sein, nur weil du selbst nicht dort bist. Mittlerweile ist es aber nicht mehr lange bis Ostern und ich wünsche dir einen entspannenden Urlaub, den du hoffentlich als Abwechslung genießen kannst, um mal wieder den Kopf vom Arbeitsstress freizubekommen.
    Sorry, wenn ich mit meinen Ratschlägen und Bedenken "absolut ins Klo greife" und sie für dich auch nicht wirklich hilfreich sein sollten. Was du davon umsetzen willst und kannst, liegt natürlich auch allein bei dir. Ich denke mir jedoch, dass man trotz aller Ereignisse nicht das Positive und Humorvolle im Leben verlieren sollte. Eventuell habe ich jetzt auch nicht den "richtigen Ton" bei dir getroffen, aber sei versichert, dass ich deine Probleme nicht auf die leichte Schulter nehmen, sie verharmlosen oder gar runter spielen will.
    glG Ührchen
    Geändert von Ührchen (25.03.2013 um 19:33 Uhr) Grund: Ergänzungen und Korrektur Rechtschreibfehler
    "Man fürchte den Bock von vorne, das Pferd von hinten und den Menschen von allen Seiten" - russisches Sprichwort, das ich sehr zutreffend finde.

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