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Thema: Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

  1. #1
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    Standard Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

    Seit ich mich erinnern kann werde ich (53) von meiner Familie gemobbt. Meine Mutter litt zeitlebens an einer schweren psychischen Störung. Als ich zwei Jahre alt war, weinte ich eines Nachts und wollte mich nicht von ihr trösten lassen (was genau damals vorgefallen war lässt sich für mich natürlich nicht mehr nachvollziehen), da packte sie mich kurzerhand zusammen und lieferte mich bei ihren Eltern/meinen Großeltern ab, wo ich ab diesem Zeitpunkt den Rest meiner Kindheit und Jugend verbrachte.

    Meine Großmutter versorgte mich bestmöglich, allerdings nicht ohne bei jeder Gelegenheit zu erwähnen, dass sie ja eigentlich gar nicht dazu verpflichtet wäre ... (ich will hier und jetzt nicht weiter ins Detail gehen, man wird sich ausmalen können, wie sich das auf meine Kinderseele ausgewirkt hat).

    Meine Eltern bekamen nach mir 3 weitere Kinder, eine Tochter und 2 Söhne, die dann doch von meiner Mutter aufgezogen wurden und natürlich, wenn auch auf andere Weise als ich, ebenfalls keine leichte Kindheit hatten. Die Beziehung der Eltern war aufgrund der psychischen Erkrankung meiner Mutter schwer gestört, mein Vater war von der Situation überfordert ... (auch hier will ich nicht noch weiter ausholen).
    Ich war immer diejenige, die nirgends dazugehörte, die überall unerwünscht war, die irgendwo „zwischen den Stühlen“ landete, manchmal auch zwischen den Fronten.

    Meine Mutter hat mir Zeit ihres Lebens nicht verziehen, dass ich sie als Zweijährige „abgelehnt“ hatte. (Ich weiß natürlich, dass diese Sichtweise einem kranken Gehirn entsprungen ist, machte es aber auch nicht viel leichter zu ertragen) Und sie hat mich bei jeder Gelegenheit merken lassen, dass ich nicht dazugehörte, dass sie meine Geschwister lieber hatte als mich – und später, als wir alle Kinder hatten, die Kinder meiner Geschwister lieber als die meinen.

    Soweit die Vorgeschichte – entschuldigt bitte das weite Ausholen – nun zur konkreten Situation: Meine Geschwister haben diese Verhaltensweise mit der Muttermilch eingesogen, und sie behandeln mich ebenso, wie mich meine Mutter zu behandeln pflegte – und ich fühle mich in ihrer Gegenwart wie der letzte Dreck.

    Ich habe schon mehrfach versucht mit ihnen darüber zu sprechen, bekomme aber nur zu hören, dass ich mir alles einbilde.

    Beim Familientreffen vergangene Weihnachten haben die Mobbingvorfälle einen neuen Höhepunkt erreicht, worauf ich meinen Geschwistern eine E-Mail geschickt habe, dass ich ihr Verhalten äußerst kränkend empfunden hätte. Die Reaktion war eindeutig: Ein Bruder antwortete mir, dass ich ihn nicht weiter mit meiner „negativen Grundeinstellung“ belästigen solle, und Fehler anderer nicht so wichtig nehmen. Der zweite schickte mir eine vage Antwort, die er wohl für eine Entschuldigung hält, ich allerdings nicht wirklich. Meine Schwester hat immerhin mit mir darüber gesprochen, d.h. sie hat mir mitgeteilt, meine Geschwister und deren Ehepartner hätten über mich gesprochen und wüssten, was nicht stimmt mit mir: Ich projiziere die Wut, die ich auf eigentlich auf meine Eltern empfinden müsste, auf meine Geschwister. Sie, meine Geschwister, trifft keinerlei Schuld, sie behandeln mich genau gleich, wie sie auch einander behandeln, bzw. würden sie über die Lappalien, die mich kränken, niemals beleidigt sein. Sie haben also weder Veranlassung noch Absicht, ihr Verhalten mir gegenüber zu hinterfragen, geschweige denn zu verändern!

    Daraufhin habe ich mich entschlossen, den Kontakt zu ihnen so weit wie möglich abzubrechen. Nun steht Ostern vor der Tür, und zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren habe ich keine Einladung zu einem Familientreffen ausgesprochen. Darüber fühle ich mich total erleichtert, jedoch werde ich kurze Zusammentreffen womöglich nicht verhindern können. Und davor habe ich Angst. Ich habe Angst, dass ich beschimpft und provoziert werde und deswegen die Fassung verliere.

    Also ich bin jetzt auf der Suche nach Strategien, wie ich mich am besten verhalte, wie ich’s schaffe, nicht die Beherrschung zu verlieren. Vielleicht auch nach ein paar geistreichen Sprüchen, mit denen man in derartigen Situationen punkten kann ohne beleidigend zu werden.

    Ich würde so gerne ganz souverän und cool bleiben und keinerlei Angriffspunkte bieten!

    Hat jemand Rat für mich?

  2. #2
    Minna ist offline besonders erfahrenes Forumsmitglied des Mobbingforums
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    Standard AW: Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

    Ich würde so gerne ganz souverän und cool bleiben und keinerlei Angriffspunkte bieten!

    Hat jemand Rat für mich?


    Hallo Anna-Rike,

    an deiner Stelle würde ich erstmal den kompletten Kontakt abbrechen. Du bist anscheinend das schwarze Schaf in der Familie, obwohl du für diese vergangenen Ereignisse nichts dafür kannst. Deine Mutter hat vermutlich nicht diesen geistigen Horizont (wie du bereits erwähnt hast), vielleicht auch durch ihre psychische Störung, wenn sie dich wegen einer abwertenden Reakton im Kleinkindalter verantwortlich macht. Ich bin mir sicher, du hattest deine Gründe und spürtest auf eine Art und Weise, das keine Mutterliebe vorhanden gewesen ist. Wie konnte sie sonst fähig sein, ihr Kind an die Großeltern einfach weiterreichen.
    Dir tut es nicht gut, immer wieder damit konfrontiert zu werden mit den negativen Erinnerungen an deine nicht all zu schöne Kindheit und mit den Leuten die dir wieder und wieder diesen Stachel ins Herz stechen ohne Rücksicht auf deine Gefühle.
    Auch wenn es die eigene Familie ist, geh auf Abstand, egal ob ein Familienfest oder sonstige Gründe anstehen.
    Es geht dir besser, der psychische Druck fällt von dir ab und brauchstauch keine Angst mehr vor irgendeiner Konfrontation haben.
    Falls du jemanden von ihnen zufällig begegnen solltest,kannst du ja freundlich Grüßen und weitergehen. Wer mir nicht gut gesonnen ist, in meiner Seele Wunden aufkratzt und mir auf irgend einer Weise schaden möchte, lass ich nicht mehr in meine Nähe.
    Gott hat ein wichtiges Gebot vergessen, nämlich "Du sollst deine Kinder ehren und ihnen keinen Schaden zufügen"!
    Vielleicht wenn diese Menschen merken, dass sie mit ihren Verhalten zu weit gegangen sind und sie dich nicht mehr als Sündenbock verwenden können, wird sich etwas verändern.
    Alles Gute Minna

  3. #3
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    Standard AW: Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

    Hallo Anna-Rike,

    das, was dir in deiner Kindheit und Jugend widerfahren ist, hat extreme Spuren hinterlassen, wenn wir bedenken, dass Eltern uns schützen wollen, dafür sorgen wollen, dass es uns gut geht, bei dir genau das Gegenteil davon erfolgte, können wir nur ahnen, was das mit dir und in dir gemacht hat.

    Deine Geschwister reagieren deshalb mit Unverständnis, weil sie - und das dürfen wir ihnen auch glauben - sich "nichts zu Schulden" haben kommen lassen. Aus ihrer Sicht ist das auch wahr und richtig, denn sie haben - wie du ja selbst schon richtig sagst - ja gar kein anderes Modell kennengelernt, als das. Kein anderes Verhalten, keine andere Form von Umgang, denn genau diese, die sie jetzt selbst weiterleben, ist ja die, die sie vorgelebt bekamen.

    Mein Rat an dich, liebe Anna-Rike ist, dass du - falls du das nicht schon selbst gemacht hast - dir einen Therapeuten suchst, mit dem du deine Geschichte für dich bearbeiten kannst.
    Denn aus meiner Sicht, bekommst du über diesen Weg die Kraft für eine neue Haltung, diese Souveränität, die du dir so sehr wünschst, mit diesem Verhalten und diesen Reaktionen künftig besser umgehen zu können, so dass dich das nicht noch zusätzlich kaputt macht. Der andere Schaden ist ja schon groß genug, da muss nicht noch mehr dazu kommen.

    Deinen Impulsen und Bedürfnissen zu folgen und den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren, ist sicher eine Zwischenlösung, denn so gehst du zumindest den Konfrontationen und Situationen aus dem Weg. Ob du damit dauerhaft zufrieden bist - ich höre heraus, dass du ein ziemlicher Familienmensch bist -, kannst nur du entscheiden.

    Also, bitte denke darüber nach, ob und wer dir helfen kann, mit dem Erlebten und dem damit einhergehenden weiteren Verlauf dauerhaft Frieden schließen zu können und dich idealerweise noch einen Schritt weiter führt, nämlich in deine Zukunft und dir Handwerkszeug anbieten kann, mit dem du künftig beherrscht, stark, ganz bei dir und souverän mit deiner Familie umgehen kannst.

    Ich wünsche dir ein schönes und vor allem ruhiges und entspanntes Osterfest.

    Viele Grüße
    Sabine
    Geändert von Coach (29.03.2013 um 15:02 Uhr)

  4. #4
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    Standard AW: Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

    Danke, Minna, für die lieben Worte! Bezüglich des Gebotes gebe ich Dir vollkommen recht. Ich habe so oft Vorwürfe gehört, dass ich meine Mutter nicht genug lieben würde – und sie mir auch selber gemacht. Niemals habe ich gehört, dass jemand meine Mutter kritisiert hätte, weil sie uns Kinder nicht geliebt hat

    Mein vordringliches Problem habe ich jetzt gelöst, ich habe einen Weg gefunden, wie ich meiner Nichte (Patentochter) ihr Osternesterl überreichen kann, ohne mich in die „Höhle des Löwen“ (zu meinem Bruder in unser altes Elternhaus) wagen zu müssen. OK, das war jetzt sehr übertrieben und pathetisch

    Jedenfalls wird sie mich morgen besuchen

  5. #5
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    Standard AW: Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

    Sabine - Dir natürlich auch "Danke"

    Ich werd jetzt mal eine Zeitlang schau'n wie sich die "Zwischenlösung" weiter entwickelt ... Vielleicht war es ja höchste Zeit, ein paar ungeliebte Traditionen über Bord zu werfen.

    Frohe Ostern auch Dir

  6. #6
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    Standard AW: Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

    Genau so, die Dinge müssen sich für dich stimmig anfühlen, für niemanden sonst,
    Auch diese klein erscheinenden Schritte sind gute Schritte und bringen dich deinen Lösungen step by step näher.

    Vergiss dabei nie, dass nur du alleine über dich und dein Leben bestimmen darfst. Du bist längst eine erwachsene Frau, die mitten im Leben steht und - ganz wichtig ! - ihre eigenen Regeln und Normen aufstellen darf.

    " was ich selber denk' und tu ..." es ist sehr wahrscheinlich, dass das Thema auch deine Mutter sehr beschäftigt und sie mit ihrem eigenen Unvermögen und der fehlenden Liebe dir gegenüber noch immer im inneren Konflikt steht. Wenn sie dich nicht lieben konnte, liegt für sie womöglich auf der Hand, dass auch du sie nicht lieben kannst, hierfür fordert sie immer wieder aufs neue Bestätigung.
    Die psychische Krankheit deiner Mutter erschwert eure Stuation zusätzlich.

    Tu das, was DIR gut tut und pass auf dich und deine Gesundheit auf.

    Alles Liebe
    Sabine

  7. #7
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    Standard AW: Kontaktabbruch - wie verhalten bei zufälligen Begegnungen?

    Meine Mutter ist vor einigen Jahren verstorben - zur allgemeinen Erleichterung. (Das klingt jetzt sehr brutal - aber ich schreibe das ganz bewusst!) Gerade deshalb kann ich es nicht verstehen, dass man nicht diese alten Verhaltensmuster endlich hinterfragen und über Bord werfen kann


    Wie auch immer - ich hatte relativ entspannte Ostern, nur mit Leuten, die ich mag, und die mich mögen - naja, eine paar vereinzelte "notwendige Übel" war'n auch dabei, aber keine die einander echt Böses wollen

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