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Thema: Eltern mobben uns

  1. #1
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    Standard Eltern mobben uns

    Ich habe eine Schwester, die einen sehr erfolgreichen Mann geheiratet hat. Die beiden haben unglaublich viel Geld, sie arbeitet nicht mehr und drei Kinder.
    Ich selber lebe ein völlig normales Leben. Mein Partner und ich gehen normal arbeiten, leben harmonisch zusammen, haben keine Kinder und gehen mit viel Freude unseren Hobbys nach. Also ein völlig normales Leben.

    Im Gegensatz dazu jettet meine Schwester viel durch die Welt - just for fun. Aus keinem anderen Grund. Ihr Freundeskreis ist auch entsprechend reich und erfolgreich, teilweise berühmt.

    Meine Eltern sonnen sich im Erfolg ihres Schwiegersohns. Alles, was die Familie meiner Schwester sagt, macht und tut ist immer nur toll, richtig und wertvoll. Die Sachen, die wir machen, werden nur kritisiert und belächelt. Haben wir eine Familienfeier fällt mir besonders auf, wie ungleich wir behanelt werden. Im Grunde können wir froh sein, dass wir überhaupt noch dabei sein dürfen. Eigentlich wäre mir lieber, den Kontakt völlig abzubrechen, aber dafür geben sie nicht genug Anlaß. Ich sehne mich fast danach, dass es zum Eklat kommt und ich dann den Kontakt abbrechen könnte.
    Wenn ich weiß, dass die Familie zusammenkommt, werde ich schon Tage vorher übernervös, habe Panikattacken und schlafe nicht. Dadurch leidet wiederum meine Beziehung.

    Ich hatte meine Eltern mal darauf angesprochen, aber sie meinten nur, dass ich spinnen würde. Sie würden nun mal die Enkelkinder über alles lieben und sie wären das wichtigste auf der Welt für sie. Außerdem sollten wir uns an der Schwester ein Beispiel nehmen, denn sie hätte schließlich drei Kinder bekommen.

    Wie kann ich mich von meinen Eltern emotional am Besten distanzieren?

  2. #2
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    Standard AW: Eltern mobben uns

    Hallo Käthe

    "Mit nichts ist man freigiebiger als mit Ratschlägen, und mit nichts sollte man zurückhaltender sein" Francois VI. Duc de La Rochefoucauld

    Ein Hinweis den auch ich vielleicht öfter mal befolgen sollte :-)

    Und gerade deshalb ist es wichtig jedem Menschen die Möglichkeit zu geben sich seine eigene Meinung zu bilden und sein Leben nach seinem Gusto zu führen.
    Was Deine Schwester hat, dass hat sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ihrem Mann zu verdanken und ist nicht Ergebnis ihres ureigenen Strebens und Schaffens.

    Von daher schmücken sich sowohl die Schwester wie Eltern mit Federn die nicht ihre eigenen sind. Der ganze Reichtum ist also zugekauft und nicht Ergebnis eigener Bemühungen.
    Damit schlicht eine Verleugnung der eigenen Unzulänglichkeit seinen Kindern nicht selbst mit harter Arbeit und hohem Einsatz solch einen Lifestyle ermöglicht zu haben.

    Deine Eltern sind selbst wahrscheinlich wohl eher durchschnittliche Menschen die es ebenfalls nur zu dem normalen Leben gebracht haben, das zu leben sie nun Dir zum Vorwurf machen.
    Paradoxer geht es wirklich nicht mehr. Das ist Selbstverleugnung der eigenen Herkunft und Fähigkeiten pur.
    Sich selbst im Wohlstand und dem Glanz der Sonne des Gatten Deiner Schwester zu sonnen, dabei Dich als Tochter und Deinen Mann nach diesen Massstäben zu messen
    grenzt schon beinahe an Verachtung der eigenen Familie.

    Alleine schon die Aussage, dass sie die Enkelkinder über alles lieben würden, lässt erahnen, dass sie die Liebe zu ihren eigenen Kindern offenbar bereits vergessen haben.
    Es stellt sich die Frage was sie in der Tat mehr lieben. Dich als Tochter oder das Geld und den Glanz des Geldes und Reichtums des Schwiegersohnes schwesterlicherseits.

    Wenn Du fühlst als Kind deiner Eltern und erwachsene Tochter nur an materiellen Massstäben gemessen gut oder schlecht zu sein; nur liebenswert bist wenn Du deren Erwartungen bzgl. Güter wie Nachwuchs Massstäbe erfüllst, dann, so hart und unbarmherzig das nun klingen mag, lieben sie dich auch nicht wirklich.

    In Anbetracht der Bauchschmerzen die Du bekommst, alleine schon beim Gedanken da hin und den ganzen Tag/Nachmittag diese Inquisition ertragen zu müssen, warum die anderen so gut sind und Du und Dein Mann so schlecht, solltest Du deinem Gefühl folgen und darauf hören was es Dir damit sagen will: Geh da nicht hin.
    Nur aufgrund der Tatsache, dass ihr aufgrund eigener Wahl ein bescheideneres Dasein mehr schätzt als den unerreichbaren Reichtum eines Mannes der in der Regel, wie alle anderen Millionäre auch, erst einmal viel dafür opfern musste, wäre für mich persönlich eine Beleidigung und ein Schmerz, der tiefer mich nicht treffen könnte. Das grenzt schon an Verachtung. Eltern hin oder her.

    "Nichts auf der Welt ist es wert, als das man es sich mit Sorgen erkaufen müsste." Napoleon Hill

    Um sie wieder auf den Boden zurück zu holen würde ich beim nächsten Mal sie meinen Schmerz fühlen lassen, den sie mir mit ihrer geradezu verleugnenden und verachtenden Haltung zufügen, und einfach nicht mehr hingehen.
    Da hätte ich persönlich stets etwas anderes vor und es käme mir wirklich dauernd etwas dazwischen.
    Ich persönlich gehe an keine "Familienfeste" oder sonstige Anlässe bei dem ich omnipräsent von allen Seiten zu spüren bekomme, dass ich unzulänglich bin, den Ansprüchen nicht mehr genüge.
    Auf solche "Events" kann ich verzichten.
    Meine Frau war ebenfalls ständig von Intrigen und Übergriffen aus der eigenen Familie be- und getroffen. Es zerriss mir das Herz meine Frau weinen zu sehen, zumal ich derlei Verhalten und Streitkultur aus der eigenen Familie nicht kannte.
    Es brauchte einen gewisse Zeit bis sie selbst realisiert hatte, dass der Rückzug aus einem solchen Spiel oft eine gute wenn nicht sogar die beste Wahl sein kann um die Distanz zu vergrössern, um

    1. gedanklich und emotional Abstand zu bekommen und
    2. gar nicht mehr behelligt zu werden

    Mittlerweile passt das auch wieder ganz gut, da durch die verordnete Distanz der Respekt und die Akzeptanz wieder gestiegen ist. Heute ist ein normaler, zuweilen sogar herzlicher Umgang wieder möglich, wenn auch nicht immer mit allen.
    Den berühmten "Strich auf den Boden" zu ziehen war für meine Frau ein sehr schwerer Schritt. Denn trotz allen Ungemachs war es schlussendlich die Familie mit dem verbundenen Zugehörigkeitsgefühl.
    Ich denke es gibt nicht viele Dinge die einen Menschen schwerer treffen als den Rückhalt durch die Familie zu verlieren oder missen zu müssen.
    Dazu ist es wichtig den Begriff "Familie" für sich zu definieren.

    Familie ist für mich persönlich eine Gemeinschaft, ein Ort an dem ich mich geliebt und geborgen fühlen darf. An dem ich mich auch in Tagen des Zorns, der Verzweiflung, Schmerz und Trauer einmal fallen lassen kann.
    In der urvertrauenden Gewissheit, dass stets starke Hände da sind die mich fangen werden. Umgekehrt ich für die anderen da bin wenn sie mich brauchen. Vorbehaltlos!
    Familie ist dort, wo sich ein Kreis liebevoller Menschen gefunden und gebildet hat. Und, so meine Erfahrung, das müssen längst nicht immer nur Anverwandte sein.

    Mann und Frau bilden bereits eine Familie. Sie besteht aus zwei ganz unterschiedlichen Menschen. Sie dürfen allein schon von Gesetzes wegen nicht miteinander verwandt sein.
    Entscheiden sie sich dafür eine grössere Familie zu werden und zeugen sie zusammen Kinder, so übernehmen und haben sie eine grosse Verantwortung die vor allem darin besteht ihre Kinder liebevoll und mit Vorbild-Charakter zu erziehen = einen Sinn geben das Vorbild zu kopieren. Ihnen tagtäglich zu zeigen und vorzuleben was eine Familie wirklich ausmacht.

    Zusammenhalt. In guten wie in schlechten Tagen. Egal was da kommt. Weil Gemeinschaft macht stark.

    Dieses Versprechen habe ich meiner geliebten Frau und damit bereits auch allen meinen damals ungeborenen Kindern vor dem Traualtar gegeben. Um meiner Frau, neben meiner Liebe, ein guter und verlässlicher Partner/Ehemann und Vater für meine Kinder zu sein.

    Es hat sich für mich gelohnt sich dieses Versprechen immer wieder dann ins Gedächtnis zu rufen wenn es schwierig wurde, statt es zu vergessen.
    Nur so konnte ich sowohl meiner Frau wie auch meinen Söhnen, die es in Schule und Ausbildung oft nicht leicht hatten, der starke Anker sein der sie auch im Sturm im sicheren Hafen hielt.
    Liess mich meine eigenen, im Nachhinein oft banalen Sorgen, schlichtweg vergessen, weil ich spürte wie sehr meine Familie mich jetzt brauchte.

    So wurde meine Familie auch zum Quell meiner Kraft, selbst schwierige Probleme erst einmal neutral anhand der Fakten zu betrachten, deren Ursachen zu analysieren und wenn nötig auch mit rigorosen, so manche vielleicht erschreckende, aber niemals ruchlosen Massnahmen, schnell zu überwinden. Auch für Eltern, Bruder, Schwager, Schwägerin, Freunde oder auch hier. Oft höre ich ewig nichts von jemandem. Doch wenn sie Schwierigkeiten haben oder schon bis zum Hals darin stecken kennen scheinbar alle meine Nummer. Die einen mögen sagen, dass ich blöd bin und zuweilen schamlos ausgenutzt werde.
    Auf solche Anwandlungen entgegne ich jedoch stets: Man trifft sich immer mindestens zweimal im Leben.
    Selten habe ich noch erlebt, dass wenn ich jemandem geholfen habe er nicht bereit war wieder etwas zurück zu geben wenn ich viel später mal um etwas bat. Und sei es nur den Anhänger vom Nachbarn zu bekommen.

    Immer bekomme ich jedoch in dem Moment wenn sich mir jemand mit seinen Sorgen und Nöten offenbart das wertvollste Geschenk was ein Mensch seinem Mitmenschen geben kann: Vertrauen
    Dies betrachte ich als die grösste Auszeichnung die ein Mensch jemandem geben kann und die man sich durch harte Arbeit an sich selbst sowie durch höchste Integrität verdienen muss.

    Einer meiner Lebensleitsätze: "Sähe die gute Saat in fruchtbaren Boden und Du wirst hundertfach mehr Gutes ernten als Du gesät hast. Sähe Böses und es wird Dich selbst ereilen."

    Wenn auch Du diesem Weg folgen kannst, so wird Deine Familie überall dort sein wo Du unter jenen Menschen weilst, welche Dir nahe sind und denen Du wirklich nahe bist.

    Und getreu dessen was ich Anfangs bemerkt hatte sollen meine Worte keine Aufforderung darstellen dies genau so zu handhaben wie ich dies für mich persönlich hier geschildert habe, sondern selbst ganz intensiv darüber nachzudenken wie Du in Zukunft mit dieser "Klassifizierung" Deines Lebens und eurer Partnerschaft durch wen auch immer umzugehen gedenkst.
    Ob Du und Dein Mann euch das in Tat und Wahrheit länger antun müsst.

    Ihr seid doch glücklich mit euch und den Menschen die eure Ziele und Werte teilen? Finde einen nachvollziehbaren Grund oder auch nicht, weshalb man dann die wirklich wenige freie Lebenszeit die man intensiv miteinander verbringen kann, an solche Anlässe verschwenden sollte.

    "Familie" an sich ist wie oben beschrieben kein Grund oder Verwandtschaft gar eine Absolution für sozial unangemessenes Fehlverhalten.
    Auch hier gilt, wie in jeder funktionierenden Gemeinschaft, dass wer nimmt auch die Bereitschaft besitzen sollte auch wieder etwas zurück zu geben.

    Ich hoffe das war nicht zu aufdringlich

    Viele Grüsse
    Martin
    Geändert von Herbert 44 (09.10.2013 um 02:07 Uhr) Grund: Ergänzung

  3. #3
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    289

    Standard AW: Eltern mobben uns

    Matin das hast du wieder sehr lebensnah und empathisch geschildert. Herzlichen Dank auch wenn ich aufgeführtes Problem nicht hatte so gibts doch ähnliche auch in meinem Umfeld.
    Ich konnte mir viel mitnehmen.
    Gruß Tomm

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