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Thema: Mobbing und burn out

  1. #1
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    21.01.2014
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    Beitrag Mobbing und burn out

    Hallo zusammen! Schön dieses Forum gefunden zu haben.
    Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen, vielleicht wisst Ihr einen Rat für mich.
    Ich bin seit 32 Jahren Krankenschwester.Arbeitete 15 Jahre mit gutem Erfolg und Anerkennung als Schwester und leitende Schwester in meinem Heimatkrankenhaus.Dann wurde meine Abteilung aus dem Nichts heraus aufgelöst und ich versetzt, verlor auch den Leitungsposten. Ein Jahr später fusionierte mein Haus mit dem Krankenhaus der neuen Kreisstadt.
    Es ergab sich die Möglichkeit, in einer neu zu gründenden Abteilung in meiner Heimatstadt anzufangen, ich bewarb mich als Leiter und machte die Fachspezialisierung sowie die Einarbeitung in das neue Arbeitsgebiet in unserem neuen Partnerkrankenhaus. Damit fing das Dilemma an. Ich empfand eine Menge Ungerechtigkeiten und setzte mich dementsprechend zur Wehr, was nicht gut ankam...ich hasse Ungerechtigkeiten .Unterstützung und Verständnis von Seiten meiner alten Leitung habe ich nicht erfahren, es war ihr wohl unangenehm, diese "Querulantin", die nicht alles schlucken wollte. Schon damals habe ich mich loyalitätsmässig völlig allein gelassen gefühlt, denn meine alte obere Chefin hatte wohl wenig Lust, sich bei der ihr nun übergestellten Leiterin aus dem Nachbarschaftshaus meinetwegen unbeliebt zu machen.
    Drei Jahre habe ich diesen Krampf ertragen, dann wurde die neue Abteilung privatisiert, zuerst sollte ich mit, aber schon wieder wollte man mich hinter meinem Rücken ausboten, was ich natürlich erfuhr und hinterfragte. Also gab es wieder Zoff, und letztendlich blieb ich im Haus angestellt und man übertrug mir endlich wieder eine eigene Abteilung.Ein völlig neues Arbeitsgebiet, in welches ich mit viel Enthusiasmus und Idealismus einstieg, so wie ich eigentlich gerne meine Arbeit angehe. Diese habe ich 10 Jahre geleitet, es war sehr schön was das Arbeitsklima unter den Kollegen betraf. Doch zu Leitungsebene war die Situation immer noch gespannt. Es gab zunehmend Probleme, die ich aus Kompetenzgründen und organisatorischen Gründen nicht allein lösen konnte. Es gab viele Bitten um Hilfe meinerseits an die Leitung, auch in schriftlicher Form, aber ich wurde entweder vertröstet oder es verschwand in der Schublade und wurde nie ernst genommen und nie beantwortet, auch nicht weiter geleitet an die Geschäftsführung, um was ich gebeten hatte. Als ich mich dann in einem Brief an die Geschäftsleitung wandte, weil meinen Kollegen der Vertrag nicht verlängert werden sollte, wurde mir das als Missachtung und sowas wie Widerstand gegen die Leitungsbeschlüsse ausgelegt, dabei war ich nur verzweifelt, weil wir eine spezielle Abteilung waren und ich die guten Mitarbeiter eigentlich nicht missen konnte...Ich erhielt eine Abmahnung. Hilfe erhielt ich nicht. Ich schlitterte zunehmend ins Burn out und in eine Depression, verstärkt durch eine persönliche Lebenskrise und eine gesundheitliche Störung, wie sich später herausstellte. ich fühlte mich total isoliert, manchmal auch unter- und gleichzeitig überfordert, nutzlos, wertlos, hilflos.An einem Tag platzte mir dann der "Kragen" , als man mir ganz provokant noch etwas aufdrücken wollte, was ich nicht verantworten und entscheiden konnte und ich hab wohl meinen Frust herausgepoltert und damit angeblich meine Chefin misskreditiert, obwohl es ja nur die Wahrheit war... jedenfalls bekam ich noch eine Abmahnung und gleichzeitig kündigte man mir eine Änderungskündigung und die Absetzung an.Eine Aussprache oder Anhörung beim Betriebsrat gab es nie, obleich man mir das zusicherte, ich bekam auch die Begründung für die Abmahnung trotz schriftlicher Nachfrage NICHT. ... Die Änderungskündigung steckte dann klammheimlich am letzten Tag vor meinem Abflug in den Urlaub in meinem Briefkasten, es war Freitag Mittag...Ich nahm Kontakt zum Betriebsrat auf, hatte unmittelbar nach dem Urlaub ein Gespräch... wo mir der BR-Vorsitzende, welcher gleichzeitig Mobbingbeauftragter!! ist, sagte, "dass ich natürlich alle Rechte hätte, mir einen Anwalt zu nehmen, aber ich solle auch bedenken, dass es um meinen Arbeitsplatz ginge , es sei denn ich hätte schon einen Vertrag mit Hollywood" !!!...unglaublich, man sitzt dort immer alleine und kann sich einfach nicht wehren. lange Rede kurzer Sinn.. es gipfelte in einem Arbeitsrechstprozess, meine Firma zog die Änderungskündigung zurück und es blieb alles beim Alten, gekostet hat mich der Spaß 2000 Euro. Und weiter meinen Ruf natürlich... der wurde immer "schlimmer".

    Zwischenzeitlich hab ich eine Psychotherapie gemacht, die Depression wurde ebenfalls bestätigt. Vor zwei Jahren wurde meine Abteilung dann aufgelöst aus wirtschaftlichen Gründen, innerhalb eines Monats abgewickelt.Hätte man mich erhört und uns geholfen, hätte das nicht sein müssen, wir haben gute Arbeit geleistet. Verabschiedet hat man mich und meine Mitarbeiter natürlich nicht, während andere Leiter nach wesentlich kürzerer Zeit eine persönliche Verabschiedungsfeier erhielten mit Geschäftsführung und allen Leitungskräften ,blieb für uns nicht mal ein Handschlag und Danke für 10 Jahre über, das ist bitter.

    Also wanderte ich vor zwei Jahren zurück in diese Spezialabteilung, wo ich vorher schon gearbeitet habe. Nach aussen ist das die allseits beliebte Vorzeigeabteilung, aber was sich unterhalb der Sichtgrenze abspielt ist krass. Dort wird gemobbt und gehetzt und immer über den, der nicht da ist, alle sind unzufrieden und es schwelt der Konflikt, aber ein offenes Diskussionsklima scheuen dort alle, der Umgang mit den Patienten war streckenweise katastrophal... natürlich ein riesiges Feld für mich, "Widerstand zu leisten" und mich in "Erinnerung " zu bringen. Obwohl mich das unendlich Kraft kostet und ich manchmal total erschöpft nach solchen Auseinandersetzungen bin, kann ich eben bestimmte Dinge nicht im Raum stehen lassen und wehre mich dagegen und spreche es an.... das kommt natürlich nicht gut.
    Ich wurde freundlicherweise heimlich umgangen bei einer Brigadefeier, man nahm mich also nicht mit, traf sich heimlich... aber ich hab es trotzdem erfahren. Nach meiner Einarbeitung fühle ich mich eigentlich relativ fit und möchte nun auch mal mit in die Schichtleitung, aber das verweigert man mir nach zwei Jahren ... zugetragen hat man mir, dass sie sich besprochen haben und das nicht wollen, weil sie Angst haben, dass sie sich was von mir "sagen" lassen müssen, was sie nicht wollen und dass ich sie auf andere Abteilungen verborge, wenn bei uns wenig zu tun ist...ein Lob gibt es dort nie, nur Gleichgültigkeit oder Beobachten, ob man auch keinen Fehler macht.
    Wenn ich etwas ansprechen möchte oder etwas vorschlage, heisst es: Ach Schwester... und man winkt ab und übt den Schulterschluss.

    Schon mehrfach wollte ich den Schritt zur Leitung machen, aber ich wollte auch nicht der "Verräter" sein und nach all dem was in den zurückliegenden Jahren war hab ich das nicht getan und gehofft, dass sich etwas ändern würde, ja , es hat sich auch patiententechnisch schon deutlich gebessert.

    Aber nun kommt es doch zum Eklat, als ich einer Kollegin die Meinung zu einem Vorgang gesagt habe, eine der schlimmsten Mobberinnen im Team. und als ich mich dazu geäussert habe, was ich tun würde, wenn ich "was zu sagen hätte"... das ist natürlich sofort an die Leitung herangetragen worden und erst waren meine Chefin und ein Kollege zum Rapport und danach musste ich... es war ein 1,5 Stunden Gespräch und ich habe alles gesagt was mir missfällt und was mir auf dem Herzen liegt und hab damit natürlich eine Lawine ins Rollen gebracht, die ich diese Woche noch ausfechten muss.VERSTANDEN hat man mich wahrscheinlich nicht,das hab ich gemerkt, es war eine gewisse Aggressivität und Feindseligkeit zu spüren, das was ICH sage, das kann ja prinzipiell nicht stimmen und mit meiner "unmöglichen Art" hab ich natürlich die "zarten Gemüter" zutiefst beleidigt.Man unterstellt mir permanent, dass ich ein Autoritätsproblem hätte und mich nicht unterordnen kann- das kann ich sehr wohl, wenn ich eine ordentliche Führung habe, wo es fachlich und sozial kompetent zugeht.

    Man wirft mir vor, dass ich sozusagen ein Nestbeschmutzer bin, dass ich selber auch nicht unangreifbar bin in meinem Verhalten ( nein, das ist wohl niemand, das bestreite ich auch nicht). Man begründet die Verweigerung der Schichtleitung damit, dass ich laut "Aussage des Teams" fachlich noch nicht soweit bin und ich seelisch ja durch die Depression nicht belastbar bin, das ist ein Witz, wenn ich nicht genau wüsste, was der wirkliche Grund ist.Seltsamerweise musste ich nach nur drei Monaten! Einarbeitung in den Bereitschaftsdienst, was erheblich mehr Verantwortung und Belastung fachlich und seelisch darstellt, weil man da vollkommen auf sich allein gestellt ist... ist schon komisch! Das einzige was mich seelisch belastet ist diese Ausgrenzung und Nichtbeachtung, diese mangelnde Anerkennung und Ignoranz...

    Ich bin fix und fertig, ich kann kaum essen und nicht abschalten und fühle mich total erschöpft durch diesen ganzen psychischen Stress, übermorgen wird nun wahrscheinlich die Bombe platzen, wenn ich wieder zum Gespräch muss mit meiner Leiterin, ich weiß manchmal nicht, wie ich das noch durchstehen soll, äußerlich mache ich mich stark, aber innerlich zehrt das sehr. Es wären noch viele Punkte zu nennen... ich habe Angst um meinen Job, dass man mir das Wort im Mund herumdreht. Dass ich mich um Kopf und Kragen rede. Ich bin eine fleißige Schwester, tue alles für meine Patienten, die freuen sich ein Loch in den Bauch wenn ich da bin,ich helfe meinen Kollegen, bin kollegial trotzdem mir so vieles nicht gefällt und ich nie das zurück bekomme, was ich gebe, ich hab schon für manchen die Kartoffeln aus dem Feuer geholt und bekam nie Dank, ich achte auf Wirtschaftlichkeit für das Unternehmen, aber ich fühle mich total falsch verstanden, klein gemacht.


    Ich frage mich, ist das schon Mobbing und Bossing , auch über die Jahre...ich hatte 15 tolle erste Berufsjahre mit super Klima und Anerkennung, man hat sich einen Stand erarbeitet und einen guten Ruf und nun wird man seit über 15 Jahren behandelt wie ein Azubi und ist einfach nichts mehr wert. Dabei liebe ich meinen Beruf über alles, obwohl er mir gesundheitlich sehr viel abverlangt bin ich froh, arbeiten zu dürfen und es noch zu können.

    Ich weiß nicht, wie ich diesen Tag und die Ängste und die Ungewissheit noch überstehen soll. Hilfe vom Betriebsrat erwarte ich nicht, das Vertrauen in diesen BR hab ich total verloren.

    Nette Grüße und Danke fürs Lesen.

    Melanie

  2. #2
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    Beitrag AW: Mobbing und burn out

    Ich bin auch in einem Heilberuf tätig und sehe mit zunehmender Verbitterung wie immer mehr zu ungunsten des Personals gespart wird. Assistenzärzte mit Ringen unter den Augen weil sie 36 Stunden Dienste haben, Nachtschwestern die 60 und mehr Patienten betreuen sollen, Rund um die Uhr Bereitschaft von Ärzten etc.

    Wo geht das Geld hin ? Tolle Geräte die Millionen kosten ...

    Warum soll der Patient eigentlich nicht wie ein Kunde behandelt werden ? Was der Patient möchte, das wird gemacht. Er muss es aber auch bezahlen.
    Bei einer entsprechenden Selbstbeteiligung, wie das in anderen Ländern üblich ist, wird der Patient nur das machen lassen was er unbedingt braucht und bezahlen kann.
    Das Umwälzen auf die Allgemeinheit ist im Prinzip eine gute Idee. Funktioniert aber nicht, weil einfach zuviele da sind die ihre Hände aufhalten. Was dann am Ende beim Pflegepersonal ankommt ist eine Schande !

    Noch ein anderes Beispiel. Organtransplantationen. Wer spendet denn noch, wenn er erfährt dass gewisse Leute innerhalb weniger Tage (!!!) zwei Herzen bekommen und andere Jahre warten. (Angeblich waren es sogar 3 Herzen.. aber wer weiß das so genau)

    Warum erhalten die Angehörigen eines Organspenders nicht eine entsprechende Vergütung ? Bei uns muss für alles bezahlt werden, aber lebenserhaltende Organe sind umsonst.
    Die Op kostet doch auch sehr viel Geld. Warum nicht für das Herz eines verstrobenen Motorradfahrers 5000 Euro bezahlen damit er anständig begraben werden kann. Oder seine Witwe erhält das Geld. Ist nur eine kleiner Trost, aber immerhin !

    Geld für Organe von Toten zu bezahlen ist nicht ethisch, aber es wäre wenigsten ehrlich und würde Leben retten. Oder geht es bei den Transplantationen um etwas anderes ?


    Gut dass das hier anonym ist, sonst könnte ich jetzt mein Stethoskop an den Nagel hängen.
    Geändert von Monika 27 (23.01.2014 um 18:02 Uhr)

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