P R E S S E M I T T E I L U N G vom 21. September 2016


Trendwende im Kampf gegen Gewalt & Mobbing an Schulen? Niedersächsische Landesministerien gehen mit gemeinsamem Runderlass voran und verlangen von Schulen die Entwicklung von Handlungsplänen

BERLIN. „Mobbing kommt an neun von zehn Schulen vor!“ – so der Titel eines im Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2016 ausgezeichneten Artikels der Schülerzeitung „die Idee“ der Maria Ward-Realschule aus Mindelheim, der die bestehende Situation auf den Punkt bringt: Mobbing und Gewalt an Schulen ist heutzutage weit verbreitet und betrifft unter Kindern, Jugendlichen und Eltern nahezu jeden. Ob als Betroffener oder Beobachtender: Jeder hat von Mobbingfällen an der Schule gehört oder sie schon hautnah miterlebt.
Wie die Werner-Bonhoff-Stiftung nach sechs Jahren aus ihrem Projekt Nach-der-Tat weiß, herrscht auf Seiten der Schulen regelmäßig eine große Hilf- und Ratlosigkeit, oftmals auch Uneinigkeit, bekannt gewordenen Fällen von Gewalt und Mobbing erfolgreich zu begegnen. Meist gelingt es nicht, die Angriffe zu beenden. Der Regelfall ist deutschlandweit die Flucht der Angegriffenen: Sie schwänzen den Unterricht oder wechseln die Schule.
Doch es gibt nun Grund zur Hoffnung, dass Schulen zukünftig die Herausforderungen durch Mobbing und Gewalt besser meistern. Denn die Verwaltung in Niedersachsen hat auf die bestehenden Defizite reagiert und geht den anderen Bundesländern mit positivem Beispiel voran!
Im Niedersächsischen Ministerialblatt vom 15.06.2016 ist der gemeinsame Runderlass „Sicherheits- und Gewaltpräventionsmaßnahmen in Schulen in Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft“ vom 01.06.2016 des Kultusministerium, des Innen- und des Justizministeriums des Landes Niedersachsen veröffentlicht.
In diesem Runderlass wird den Schulen aufgegeben, erstmals einen Handlungsplan zur Gewährleistung der Sicherheit aller Schüler an ihrer Schule zu entwickeln. Insbesondere ist lobend hervorzuheben, dass in dem Erlass die folgenden nach Erfahrungen der Stiftung in der Praxis besonders problembehafteten Punkte angesprochen werden: derZeugenschutz (Vertrauensförderung, anonyme Hinweisgebung), die Beachtung der Zeitkomponente (die Schule muss schnell und wirksam eingreifen), die Fürsorgepflicht der Schule (Schutz des angegriffenen Schülers, oft auch für den Heimweg) und die notwendigen Dokumentation auch die eigenen Maßnahmen betreffend, ausgeführt werden. Die Schulen erhalten klare Vorgaben, schnell, wirksam und unter Förderung der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit allen Teilen der Schulgemeinschaft die jeweiligen Angriffe zu beenden.
Bereits im März 2015 hat die Werner-Bonhoff-Stiftung in ihrem gemeinsam mit der Jugendpresse Deutschland e.V. zum Thema Mobbing erschienenen Sonderheft der Zeitschrift „Politik Orange“ mit dem Titel Treibjagd gefordert, dass die Schulen zur erfolgreichen Intervention bei Mobbing einen klaren und für alle Lehrer verbindlichen Handlungsplan brauchen. Denn auch die beste Prävention schützt nicht davor, dass man auch vorbereitet sein muss für eine wirkungsvolle Intervention! An einem solchen Handlungsplan fehlt es bislang an so gut wie allen Schulen in Deutschland.
Die Werner-Bonhoff-Stiftung möchte das ändern und helfen, dass Schulen künftig erfolgreich gegen Mobbing und Gewalt vorgehen!
Wir freuen uns, dass in Niedersachsen nun der Ernst der Lage erkannt wurde! Auch das gemeinsame Tätigwerden der drei Landesministerien (Kultur, Justiz und Inneres) hält die Werner-Bonhoff-Stiftung für richtig und richtungsweisend, da die Bekämpfung von Mobbing und Gewalt keinesfalls allein das Kultusministerium betrifft, sondern regelmäßig auch in den Aufgabenbereich der Justiz fällt, da Straftaten begangen werden. Zudem sind die Jugendämter und oft auch die Polizei gefordert.
Die Werner-Bonhoff-Stiftung wirkt daraufhin, dass alle Bundesländer, die noch keine verbindlichen Vorgaben zur Erarbeitung eines konkreten Handlungsplans durch die Schulen erlassen haben, sich Niedersachsen zum Vorbild nehmen und entsprechend aktiv werden.

Weitere Informationen und Kontakt:

Die Werner-Bonhoff-Stiftung mit Sitz in Berlin bringt gemeinsam mit Menschen vor Ort in ihrem Mitmachprojekt „Nach-der-Tat“ mit verschiedenen Hebeln Verbesserungen in den Reaktionen staatlicher Stellen auf Mobbing und Gewalt auf den Weg. Im Rahmen dieses Projekts werden durch die Stiftung wichtige Beobachtungen bezüglich Mobbing & Gewalt transportiert und ausgewertet. Mit den Werkzeugen „Hilfe-Brief“, dem Online-Test „Hat Deine Schule Mobbing im Griff“ und den regelmäßig veranstalteten Workshops für Schüler, Lehrer und Eltern gibt die Stiftung auf vielfältige Weise Anstöße, Verbesserungen in Gang zu setzen. Lehrer und Schulleitungen finden hier Hilfe zur Selbsthilfe.


Till Bartelt, Nina Große, Michelle Lisson T. +49 30 258 00 88 55
Werner Bonhoff Stiftung F. +49 30 258 00 88 50
Reinhardtstraße 37 E-Mail: info@werner-bonhoff-stiftung.de
10117 Berlin Internet: www.werner-bonhoff-stiftung.de
www.nach-der-tat.de