Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Bis man selbst zum Opfer wird, ohne es zu merken bin ich in dieses Mobbing-Laufrad gelaufen

  1. #1
    Registriert seit
    02.11.2016
    Beiträge
    2

    Beitrag Bis man selbst zum Opfer wird, ohne es zu merken bin ich in dieses Mobbing-Laufrad gelaufen

    Hallo liebe Forenmitglieder!

    Ich habe mich hier angemeldet, weil ich im Moment nicht weiß, wie ich den Schock und die Traurigkeit sonst aufarbeiten soll.

    Früher war ich immer davon überzeugt, selbst nie Opfer von Mobbing zu werden, schließlich bin ich ein hilfbereiter, netter und bei Kollegen stets beliebter Mensch. Vor 2 Jahren wechselte ich meinen Job - super Bezahlung, tolle Aufgaben, flexible Arbeitszeiten - klingt fast zu schön um wahr zu sein! War es leider auch nicht.

    An meinem ersten Arbeitstag war meine Chefin, die mich einarbeiten sollte, für 2 Wochen im Urlaub. Also war ich erst mal sehr unsicher, wusste nicht, was ich genau machen oder wen ich fragen sollte. Eine Kollegin viel mir auf, da sie sehr häufig sich sehr genervt verhielt und sarkastische Bemerkungen machte. Sie wirkte überfordert und genervt. Ich nenne sie hier mal Britta. Da sie zu mir aber sehr nett und hilfsbereit war, verstand ich mich mit ihr sehr gut. Sie warnte mich vor meiner Vorgesetzten.

    Als meine Chefin aus dem Urlaub wiederkam, bekam ich häufig sehr unklare Arbeitsanweisungen, wenn ich nachfragte verdrehte sie die Augen und sagte: "Dann mach ich lieber gleich selbst, wenn du zu blöd bist". Außerdem wurde ich von ihr ständig darauf angesprochen, dass ich nicht so viel Zeit mit Britta verbingen sollte (mir machten häufig unsere Pausen zusammen).

    Durch die unklaren Arbeitsanweisungen machte ich häufig Fehler, die meine Chefin sofort der Abteilungsleitung meldete. Wenn ich Vorschläge einbrachte wurden diese regelmäßig von ihr heruntergemacht, um sie dann wenige Wochen später als ihre eigenen zu verkaufen. Fehler, die sie selbst gemacht hat, lastete sie mir an. So kam es regelmäßig zu Konflikten am Arbeitsplatz.

    Britta hielt in der ganzen Zeit zu mir. Nachdem ich aus dem Urlaub zurück kam und mein Büro komplett durchwühlt war und wichtige Unterlagen weg waren, gingen wir zusammen zum Personlrat. Der gab mit lediglich den Tipp, ich sollte die Stichelein ignorieren. Das war ca. 9 Monate, nachdem ich angefangen habe. Die Konflikte zwischen Britta und den beiden Vorgesetzten (unserer Direkten Vorgesetzten und der Abteilungsleitung) spitzten sich auch immer weiter zu.

    Als ich irgenwann weinend zusammen brach, weil mir alle verantwortungsvollen Aufgaben entzogen wurden und ich nur noch Hilfsarbeiten machen durfte. Der Personalrat sagte dazu: "Seien Sie doch froh, so viel Gehalt zu bekommen und dabei nur so leichte Aufgaben zu bekommen." Das wollte ich nicht, schließlich machte ich meine Aufgaben mit außergewöhnlichen Engagement. Mich sprachen insgesamt 3 Kolleginnen an, die mich weinen gesehen haben und erzählten mir, dass sie sich Anfangs auch häufig weinend auf dem Klo versteckt hätten, nun aber einfach ein dickers Fell hätten. Ich wollte etwas dagegen unternehmen, aber alle Kolleginnen sagten mir, dass sie mich nicht unterstützen würden, da eine Beschwerde alles nun schlimmer machen würde.

    Britta hatte ein längeres Gespräch mit den Vorgesetzten, weil sie stark überlastet war und ihre Arbeit nicht mehr schaffen konnte. Die Chefinnen sagten ihr ganz klar, dass ihre Überforderung ein rein subjektives Empfinden sei. Sie hatte außerdem in der letzten Zeit starke Rückenschmerzen. Ihr wurde gesagt, dass die Schmerzen nur psychosomatisch sind. Als sie wenige Tage später krank wurde, schimpfte die Chefin lautstark über den Flur, wie man denn so unkollegial sein könnte und sich einfach krankmelden kann. Es stellte sich raus, dass Britta Krebs hatte und die Schmerzen in den Knochen von den Metastasen kamen. Seit dem ist sie krankgeschrieben.

    Als Britta nicht mehr da war, verbesserte sich allmählich das Verhältnis zu meinen Vorgesetzten. Ich beherzigte den Rat meiner Kolleginnen, ließ mir ein dickeres Fell wachsen und machte alle Arbeitsaufträge - so unsinnig sie auch manchmal waren - ohne zu murren. Das ging eine Weile ganz gut. Ich fing sogar allmählich an zu glauben, dass Britta den Keil zwischen meine Vorgesetzte und mich getrieben hätte (dass sie das eigentliche Mobbingopfer war ist mir jetzt klar).

    Auch wenn ich die Freude an meinen Job verloren habe, versuchte ich, "Dienst nach Vorschrift" zu machen, da jegliche Kritik an den Arbeitsauftägen sofort zu schweren Konflikten und Schreierereien durch meine Chefin führte. Also bearbeitete ich brav Aufträge, von denen ich im Vorfeld wusste, dass sie in der Tonne landen würden, weil sie völlig unsinnig waren. Ich brachte auch keinen eigenen Vorschläge mehr ein. Seit dem konnte ich mit recht wenigen Konflikten mit meiner Chefin arbeiten.

    Mit der Zeit wurde ich wieder selbstbewusster, die Abteilungsleitung bekam mit, dass ich gute Arbeit leistete und fragte mich in Teamsitzungen häufiger nach meiner Meinung. Dadurch wurden die Attacken meiner Vorgestzten wieder schlimmer. Sie enthielt mir Informationen vor um mich auflaufen zu lassen, behauptete andersherum, ich würde ihr Informationen vorenthalten, lästerte anderen Kollegen gegenüber über mich. Ich ging dazu über, alle Informationen nur noch per Mail weiterzugeben, so dass ich beweisen konnte, wann ich diese Information weitergegeben habe. Trotzdem gingen die Vorwürfe weiter. Ich sprach darüber mit der Abteilungleitung. Diese sagte mir: "Ich weiß, wie "Anke" ist, aber ich werde mich nicht von ihr trennen."

    Ich bekam immer mehr Arbeitsaufträge, sagte mehrfachfach, dass ich die Aufgaben nicht alle schaffen kann. Als ich weinend zusammen brach, wurde mir gesagt, meine Überforderung sei rein subjektiv. Da viel es mir wie Schuppen von den Augen, was hier gerade passierte. Ohne es zu merken bin ich in dieses Mobbing-Laufrad gelaufen. Wenige Tage später hatten wir einige wichtige Tagung. Es war das erste mal, dass ich einen Vortrag vor 200 Menschen halten musste und ich war entsprechend aufgeregt. Meine Chefin bestand darauf, dass sie alle Präsentationen auf einem Stick mitnimmt. Ich habe mir nicht dabei gedacht. Auch als sie exra noch mal betronte, dass wir unbedingt die Präsentation auf ihrem Stick nehmen müssen habe ich den Braten noch nicht gerochen. Während ich den Vortrag hiel, fiel es mir aber auf: Die Folien wurden verändert, Worte ausgetauscht und eine Folie wurde gelöscht. Das brachte mich bei der Präsentation natürlich total ins Stolpern. Sie kam danach zu mir mit einem fetten Grinsen und sagte mir: "Wenn du sie dir vorher noch mal angesehen hättest, hättest du es ja gewusst"

    Ich habe mich noch 2 Tage zur Arbeit geschleppt, bin aber jedes mal in Tränen ausgebrochen, sobal ich das Gebäude betreten habe. Chefin sagte dazu nur: "Das müssen ja schlimme Umstände bei dir zuhause sein, dass du so fertig bist". Meinem Freund hat es nun gereicht, es konnte das nicht mehr mit ansehen. Er hat mich gepackt, ist mit mir zum Arzt, wo ich einen richtigen Nervenzusammenbruch hatte. Die Ärztin hat mich sofort krankgeschrieben und mir die Kündigung empfohlen. Da das der 31.10. war und ich die Frist einhalten musste, ist mein Freund genau an dem Tag mit mir zum Betrieb gefahren und ich habe meine Kündigung eingereicht. Bis zum Jahresende bin ich jetzt kankgeschieben, so dass ich nicht mehr dort hin muss.

    Zum Glück bekomme ich wegen des Attestes keine Sperre beim Arbeitsmt. Ich bin jetzt den dritten Tag zuhause. Die letzte Nacht war die erste seit langem, die ich durchgeschlafen habe. Noch bin ich ziemlich geschockt und kann es noch gar nicht richtig begreifen, was eigentlich in den letzten Tagen passiert ist. Langsam wird mir aber bewusst, dass ich da nie wieder hin muss. Eingerseits erleichtert es mich total, aber ich bin auch unglaublich traurig. Die Kunden, die ich betreut habe (das war en Job im Sozialwesen, ich hatte zu einigen Kunden eine enge Beziehung), die Kollegen, die Tätigkeit, die mir eigentlich total viel Spaß gemacht haben. Das alles ist mit einem mal von heute auf morgen vorbei. Ich kann mir richtig vorstellen, wie die Chefin gerade über den Fur tobt und isch beschwert, wie unkollegial ich bin, mich einfach so krank zu melden und zu kündigen. Und ich kann mich von keinem Kunden verabschieden oder es ihnen erklären. Das wird sicher noch etwas dauern, bis ich das verarbeitet habe. Danke fürs Lesen
    Emmi

  2. #2
    Registriert seit
    01.05.2004
    Ort
    BRD
    Beiträge
    835
    Blog-Einträge
    8

    Beitrag AW: Bis man selbst zum Opfer wird ohne es zu merken bin ich in dieses Mobbing-Laufrad gelaufen

    Ohne es zu merken bin ich in dieses Mobbing-Laufrad gelaufen.

    Das ist eine sehr passende Beschreibung die für viele Mobbingopfer gilt.

    Gut, daß Du jetzt erst mal krank geschrieben bist und damit aus der Tretmühle raus bist.

  3. #3
    Registriert seit
    02.11.2016
    Beiträge
    2

    Standard AW: Bis man selbst zum Opfer wird ohne es zu merken bin ich in dieses Mobbing-Laufrad gelaufen

    Danke,
    es tut total gut, diese Dinge mal loswerden zu können.

  4. #4
    Registriert seit
    29.10.2016
    Beiträge
    19

    Beitrag AW: Bis man selbst zum Opfer wird ohne es zu merken bin ich in dieses Mobbing-Laufrad gelaufen

    Hallo Emmi-Sophie, ich habe mir Deinen Beitrag durchgelesen und hoffe, daß sich Dein Leben nun wieder normalisiert. Mich hat es etwas schwerer erwischt und ich kann nur jedem raten rechtzeitig aus der Tretmühle raus zu gehen. Ich finde es interssant ,daß ich nich t der einzige bin bei dem Mobbing, burnout etc. zu einer schweren Krankheit geführt haben.

Ähnliche Themen

  1. Wie kann ich andere beschützen ohne selbst zum "Opfer" zu werden?
    Von Denglisch im Forum Mobbing in der Schule, Mobbing bei der Ausbildung, Mobbing im Studium,
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 30.11.2012, 11:48
  2. webcam läuft, ohne dass wir es merken
    Von boopbybeaft im Forum Cybermobbing, Internetmobbing, Cyberbullying, Cyberstalking, happy slapping, üble Tricks
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 24.09.2009, 21:10

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •